Der Ausflug des Friedhelm Pies

Schreibaufruf für den Frieden
beendet

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Der Ausflug des Friedhelm Pies

Beitrag#1von Thom » 17. Sep 2014 16:53

Der Ausflug des Friedhelm Pies

Der Junge Friedhelm Pies, der sich gegen die Panzer gestellt hatte, wuchs weiterhin behütet auf. Irgendwann waren die Reserven der Kriegsparteien erschöpft und man musste Luft holen – für den nächsten Krieg.
Friedhelm Pies wurde klar, dass den Menschen der Gedanke an den Frieden gar nicht begrifflich war. Diese Begrifflichkeit war nicht Teil ihres Alltages. Was aber konnte er, als kleiner Junge tun, dies zu ändern? Er überlegte hin und her. Um die Menschen zu erreichen, gab es mittlerweile viele Möglichkeiten. Da waren natürlich die Dinge, die schon länger zum Leben gehörten - das Radio oder auch das Fernsehen. Das Telefon. Doch in der Zwischenzeit hatten die Forscher viele andere Dinge entwickelt. Smartphones waren allgegenwärtig. Videos und Filme, jede Information, konnte man jederzeit im Internet finden. Die Leute informierten sich mithilfe dieser Medien. Doch wirklich erreichen konnte man sie dort nicht. Die Informationen, die die Menschen erhalten sollten, die sie erhielten, kamen von anderen. Kauf dies, gib dein Geld dort aus. Außer man hatte wirklich eine Menge Geld, war es nicht möglich, den Menschen etwas vor Augen zu führen. Das machte den Jungen traurig. Er konnte die Menschen nicht erreichen, weil er kein Geld hatte. Eines Tages, als er mit seiner Schwester „Himmel und Hölle“ hüpfte, die mit bunter Kreide auf das Pflaster gemalten Kästchen dienten als Spielfeld, kam ihm die Idee. Man könnte den Frieden auf die Gehwege malen.

Wenn viele Menschen jeden Tag ein Bild vom Frieden sehen würden, käme er auch unweigerlich in ihren Alltag. Was aber wäre besser als Bild geeignet, als Buchstaben? Ein Wort! Eine Aufforderung noch besser! Die könnte man auf die Straße malen. Mit Kreide. Auf den Gehweg. Da, wo die Menschen nicht abgelenkt sind, von Handys, von Fernsehern und Computern. Da würde es ihnen auffallen. Da würden sie sich wieder erinnern, an den Frieden. Doch was sollte er schreiben? Es müsste etwas sein, dass alle Menschen auf dieser Welt verstehen könnten. Eine Taube zu malen, die kannte er als Symbol für den Frieden, das war ihm zu kompliziert. Worte mussten es sein.

Am Abend besuchte er seinen Vater in dessen Arbeitszimmer. Da fragte er ihn, welche Sprache denn die meisten Leute sprächen und auch, was man ihnen denn am besten sagen sollte, wenn man Frieden wünsche. Der Vater überlegte kurz, dann sagte er lächelnd: „No war. Ja. Das würde man sagen“. Das war ja einfach! Fünf Buchstaben nur, mit einem Ausrufezeichen sechs. Friedhelm Pies bedankte sich artig, der Vater schüttelte den Kopf. Einen Tag benötigte der Junge, um seine Aktion durch zu überlegen. Am nächsten Morgen dann erwachte Friedhelm aufgeregt. Die farbige Kreide seiner Schwester hatte er in eine Leinentasche gepackt. Vom Abendbrot am Vortag hatte er sich eine Stulle organisiert. Ohne bemerkt zu werden, schlich er sich aus dem Haus und nahm den Bus in die Hauptstadt. Nach einer Stunde Fahrt war er am Ziel. Die Fußgängerzone fand sich nicht weit vom Hauptbahnhof, wo der Bus hielt, entfernt. Es war ein prächtiger Tag, die Sonne schien und die Luft hatte genau die richtige Temperatur für Fröhlichkeit. Friedhelm Pies packte die Kreide aus und begann zu malen. In wunderschönen bunten Buchstaben zeichnete er ganz groß und deutlich die zwei Worte „no“ und „war“ und noch ein paar Blümchen dazu, auf das Pflaster des Gehweges. Viele Leute, die vorüber gingen, wurden auf den kleinen Jungen und seine Zeichnung aufmerksam, sie blieben stehen. Dann erklärte er ihnen, was er mit der Kreideinschrift erreichen wollte. „Die Menschen sollen immer wieder an den Frieden erinnert werden. Kein Krieg.“ Außerdem sagte er noch: „Hier sehen die Leute den Gedanken wirklich. Hier gibt es keine Werbung.“

Diese Worte hörte auch ein Reporter, der einen ausführlichen Bericht über die Idee des kleinen Wilhelm Pies verfasste. Viele Menschen, darunter auch enorm viele Kinder, ganze Schulklassen, doch auch Künstler und Menschen, die einfach für den Frieden waren, zogen los, mit Kreide bewaffnet, und trugen den Gedanken des Friedens auf die Straßen. Was zuerst nur rund um die Hauptstadt und in der Hauptstadt selber passierte, wiederholte sich bald an anderen Orten, in anderen Ländern.Die Menschen malten den Gedsnken auf die Pflaster, überall. Der Gedanke erreichte die ganze Welt. Sie wurde bunter, ihre Straßen durchdrungen von dem Gedanken, dass es ein Leben ohne Krieg geben kann. Dass wir es wollen, dass wir es nur sagen müssen. Dass wir es an einem Ort sagen müssen, der von den Herrschenden nicht manipuliert werden kann. Weil er noch uns gehört. Der Gehweg, die Trottoirs der Städte. Die Plätze.


© Thom Delißen 092014
Thom
 
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