Prosagedicht ohne Dichtung und mit nur wenig Prosa

Texte, bei denen das Sprachexperiment im Vordergrund steht (Lyrik und Prosa)

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Prosagedicht ohne Dichtung und mit nur wenig Prosa

Beitrag#1von Ich bin zwei Öltanks » 22. Sep 2008 13:31

Bert: "Gut zu überlegen ist es nun an der Zeit."
Bert: "Worüber möchtest du denn legen, naht doch geschwind der Abend bereits?"
Bert: "Ich überlege nicht nur gut, ich bin gut, weil ich überlege."
Bert:" Gut scheint mir kein überlegter Begriff, existiert denn kein besseres Wort für Gut?"
Bert: "Gute Frage, aber etwas anderes als gute Fragen hätte ich von mir auch nicht erwartet, gut wie ich bin."
Bert: "Und wie sieht es auf dem Gute-Antworten-Sektor aus? Ohne gute Antworten verebben gute Fragen im Trauertal eigenen Eigenbrödelns."
Bert: "Ich kann meinen Einwand gut nachvollziehen, weshalb ich zu meiner ursprünglichen Absicht zurückehren möchte, gut zu überlegen, denn gut Ding will Weile haben."
Bert: "Lange weile ich nicht mehr unter den Guten, sollte es mir nicht gelingen, aus Langeweile ungute Phrasen wie eben zitierte im Geiste zu forcieren ..."
Bert: "Supi. Extragalaktisch. Mega-Klasse."
Bert: "... um dann nach eben diese mit noch viel unguterem Modernitätsschnickschnack friesieren zu gieren."
Bert: "Dufte. Original. Värschärft."
Bert: "Am aller Ungutesten lehnt sich der gut überlegende Mensch an Slangausdrücken an, der mag auch keine Fremdworterismen."
Bert: "Hervorragend vielleicht?"
Bert: "Hervorragen möchten Solche, welche sich für etwas Besseres halten. Wer Besonders ist, bemüht sich, nicht hervorragen zu möchten."
Bert: "Dedankensprünge wie dieser ragen aus dem Dickicht schnöder Tagträumereien zwangsläufig hervor, ohne jemals von anderen Tagträumern wahrgenommen werden zu können. Wäre es nicht gut, zu überlegen, alle Tagträumereien dieser Welt in einer Anthologie zu sammeln, besonders meine?"
Bert: "Kann Besonders das leidige Gut nicht womöglich vom Thron stoßen, bei dieser guten Gelegenheit noch Wertungen zerreiben, Unterschiede relativieren, Konkurrenz eliminieren, sich im selbstverliebten Kathegorisieren-Kastrieren-Zelebrieren verlieren ... ?"
Bert: "Nicht besonders gut. Dafür ist Besonders nicht gut genug. Alles kann besonders sein, auch wenn es nicht gut ist. Schnell würden Menschen daraufhin in abgestumpfter Besonderungsmanie das Gewöhnliche vergöttlchen und sich selbst überlegen fühlen, ohne zu überlegen, daß besonders diese Überlegung einen eher schlecht macht als gut."
Bert: "Kann sein, schlecht ist besser als gut. Schon mal überlegt?"
Bert: "Du?"
Bert: "Was ist?"
Bert: "Ist der schlechte Splitter denn endlich draußen?"
Bert: "Ich vermute schon. Sieh doch, der für den Facharzt für Allgemeinmedizin stellvertretenderweise Notschicht schiebende Internist hat sich verpißt.
Die Wunde sieht gut aus."
Bert: "Hervorragend."
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Beitrag#2von Melusine » 22. Sep 2008 13:58

:lol:

Ich: Großartig!
Ich: Was heißt denn hier bitte "großartig"? Das ist noch nicht mal artig. Besonders groß ist es auch nicht. Jedenfalls nicht lang.
Ich: Na schön, dann eben genial.
Ich: Meinetwegen, aber das sag ich dem Autor nicht, sonst wird der noch größenwahnsinnig.
Ich: Wahnsinnig isser eh schon.
Ich: Sag ich ja. Man muss ihn nicht noch größer machen, den Wahnsinn.


Okay, im Ernst jetzt: Den Schluss fände ich noch ausbaufähig. Ein paar unbedeutende Fehlerchen haben sich auch eingeschlichen, was aber sächlich neben solcher Größe geradezu auf Dörrobstmaße einschrumpft, wenn mir die Vergleichheit gestattet sei ... oder so. Ähm. Was wollte ich eigentlich sagen? :shocked:

/edit: Korrektur: Nach nochmaligem Lesen denke ich, dass auch der Schluss geradezu perfekt ist ;).

Nachtrag:
Ach so... ein Prosagedicht ist das allerdings nicht. Na gut, man kanns so bezeichnen, wenn man mag... aber eigentlich ... hm, was ist es? Ich weiß: Ein Dramolett. Ein Bühnenstück oder auch Hörspiel für eine Person.
Versuch doch mal es zu vertonen ;).
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