Rundumschlag in letzter Minute

November 2009

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Rundumschlag in letzter Minute

Beitrag#1von Schöngeist » 29. Nov 2009 17:57

Zum Geburtstag von Literarchie – ein Rundumschlag in letzter Minute

Da Literarchie eine Wortkreuzung von Literatur und Hierarchie sein muss, möchte ich mein Rundum-Wichtelgeschenk entlang einer Stufenleiter austeilen, wie sie sich mir als eifrigem, aber eher stillem Beobachter des Forums in den letzten Monaten deutlich gezeigt hat. Mit dem Austeilen beginne ich natürlich ganz oben und bin mir sicher, dass für die unteren Chargen nichts mehr übrigbleiben wird – wie im richtigen Leben eben.

Unser aller Mutter – oder: The Great Administrator

Geradezu aufopfernd setzt sie sich für unser aller Wohl ein und verteidigt, wenn nötig kratzbürstig, unsern Hort gegen äussere und innere Feinde. Sie lässt sich nicht einschüchtern, von nichts und niemandem, und sorgt dafür, dass es auf Literarchie mit rechten Dingen zu und her geht. Ja, sie sorgt für eine gewisse Ordnung – ein nicht ganz einfaches Unterfangen bei all den Charakterköpfen und Querulantinnen, Wortpartisanen und Sprachterroristen.
Und eine Eigenschaft, die mich besonders beeindruckt: Trotz mehreren tausend Beiträgen auf Literarchie hat man nicht den Eindruck, als wäre sie der Nabel der Literarchie-Welt.
Gut gemacht, Mel! Und herzlichen Dank! (Das darf doch mal gesagt sein.)

Unsere :arrow: :?: :shocked: :)-Schleuder
Einer der aktivsten Poeten auf Literarchie. Und wenn ich Poet schreibe, dann meine ich Poet – auch wenn seine Poesie überhaupt kein Zuckerschlecken ist und nicht runtergeht wie warme Butter, manchmal gar im Halse stecken bleibt. Nein, seine Poesie ist nichts für besinnliche Abende am Kamin. Auch in Poesiealben wird man sie kaum finden. Sie schmeichelt nicht, sie rüttelt. Sie säuselt nicht, sie schüttelt. Sie tröstet nicht, sie knüppelt.
Klar, zu Beginn musste ich mich an die derbe Sprachschöpfwut gewöhnen. Gerade einem Schöngeist fällt das nicht so leicht. Doch inzwischen bin ich versessen auf die Resten von Rotz und Erbrochenem, geklaubt vom Asphalt der Grossstadt. Inzwischen bin ich ein Anhänger unserer Blut- und Spermaschleuder. Danke für die Bescherung! (Das muss doch mal gesagt sein.)

Unsere Haustrompete

Es ist in letzter Zeit etwas ruhiger geworden um ihn – genauer: um die beiden. In Versalien trompetet, pardon: poetet er nur allzu gern in den digitalen Äther hinaus – und ist stets dezidierter Meinung. Ein unabhängiger Kopf, dem es wichtig ist, alle gegen sich zu wissen. Alles andere wäre ihm unerträglich. Ich weiss selbst nicht, warum mir dieser doppelte Hohlkörper so sehr ans Herz gewachsen ist. Schon vermisse ich ihn. Schon fehlt mir seine vernichtende Kritik, die meine Posts jeweils adelte und in den Götterhimmel der Blogosphäre katapultierte. Wo seid ihr geblieben, ihr zweifachen Steinölbehältnisse? (Das darf doch mal gefragt werden.)

Unser Haustier mit den drei Zehen

Niedliches Tierchen! Manchmal putzig und zutraulich, fast etwas kindlich und geradezu rührend. Dann widerborstig, Gift und Galle spritzend, furientaumelnd, deliriumversessen. So sind sie nun mal, die fluguntauglichen Grossvögel: unberechenbar, eigensinnig, lauffreudig. Stell dir vor, du könntest nicht fliegen! Du wärst gebunden an die Erdoberfläche wie ein Insekt, dem die Flügel ausgerissen wurden. Du wärest genau so: launisch, furientaumelnd, lauffreudig. Und Lauffreude zeichnet unsern Hausvogel aus: Wie ein Marathonläufer rennt er von Text zu Text, von Genre zu Genre – atemlos, getrieben, gnadenlos. Doch die Vielfalt begeistert. (Das darf doch mal gesagt werden.)

Unser Akustiker
Das einzige, was man nicht braucht in seiner Gegenwart: einen Ohrenschützer. Denn er ist unser lautsprachliches Aushängeschild. Muss in seinem früheren Leben Schauspieler gewesen sein. (Oder ist er es noch?) Er versteht sich ganz als Diener der akustischen Sache und lässt sich nicht von übertrieben intellektuellen und schriftstellerischen Ambitionen irre machen. Sein Ding ist das Lautliche. Er erweitert unser Forum um mindestens eine Dimension und findet hier auch reichlich Jüngerinnen und Nachahmer. Besonders bei den Nachahmern braucht es ihn manchmal dann doch wieder, den Ohrenschützer. (Das muss doch mal gesagt sein.)

Unser hauseigenes Hintergrundrauschen
Mal autistisch, mal phantastisch, mal kaum lesbar, mal penetrant, mal überraschend, mal eher peinlich: so lässt sich das Hintergrundrauschen auf Literarchie charakterisieren – und mit tausend anderen Worten mehr. Wie Sternschnuppen fallen sie vom digitalen Himmel, manche ohne Spuren zu hinterlassen; andere schlagen ein wie kiloschwere Meteoriten, wirbeln Staub auf und sinken dann wieder zurück in die Vergessenheit. Manche kommen wieder. Andere sind Eintagsfliegen, bleiben kleben an einer digitalen Gitternetzlinie und werden gelegentlich weggeputzt.
Möchte nicht sein ohne das Hintergrundrauschen, auch wenn es manchmal nervt. Denn schliesslich ist es der Beweis dafür, dass Literarchie in der Öffentlichkeit stattfindet. (Auch das soll mal gesagt sein.)

Unser Quälgeist
Mit seinem Eintreten für das Schöne, Wahre und Gute hat er etwas Unzeitgemässes, ja Altmodisches. Er quält seine Zeitgenossen mit Ethik und Moral, doch beim Anblick seiner säuerlichen Miene vergeht diesen vollends die Lust drauf. Dann doch lieber von Grund auf schlecht – mit ganzem Herzen und ohne Rücksicht auf Verlust. Schönheit? Dass ich nicht lache! Schön ist, was geil macht. Wahrheit? Schon längst den Bach runter. Wahr ist, was die Mehrheit als wahr empfindet. Denn schliesslich sind wir eine Demokratie. Und die rückwärtsgewandten Wahrheitssucher sind Nestbeschmutzer und gefährden den Fortschritt. (Nur dass das mal gesagt ist.)


Und tschüss! :wink:
Schöngeist
 

Beitrag#2von EMJu » 29. Nov 2009 20:03

Chapeau! Vortrefflich beschrieben (besonders die Stelle mit dem Dreizehenrennling *gg*).

Das Warten hat sich gelohnt. Danke :-)

Verdammt, mein Aschenbecher ist schon wieder voll.
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Beitrag#3von Gast » 29. Nov 2009 20:59

:arrow: Was wäre ich ein glücklicher Mensch, könnte ich anders der Wirklichkeit entfliehen - als schreibend. Doch mich drückt die Langeweile ohne. Eine Art psychischer Schmerz – auch bezogen auf meine Hoden. Diese dumpf unschuldig schlummerten Kreaturen, die ich ’Sackgesicht’ schimpfe und die durch den Zahnspiegel betrachtet auch so aussehen, die trotz meiner Ausfälle gegen sie da bleiben, nicht weglaufen, anhängig sind - und eher depressiv werden ..., um mir irgendwann mal - und während voller Fahrt - samt Anhang ins Lenkrad meines Rads zu greifen, um mich auf ein ’undurchsichtiges’ Gegenüber aufmerksam zu machen: „...ey, quatsch die blöde Tusse mal an, Alter!“
Ja, wer kann das schon von sich sagen? In meiner näheren Umgebung jedenfalls keiner.

:oops: Nun, ich bin mir im Zustand - bezogen auf Hoden und Lob - mein eigener Schrecken; ich vertrage einfach nichts mehr ... :oops:
:roll: Trotzdem setze ich nun auch noch das letzte Halbpfund täglicher Potenztabletten ab und sage schlicht ’Danke’ Schöngeist :wink: – du bist mir ein schöner Geist, denn ich werde ab nun nicht mehr ausreichend schlafen können, grübeln wie alles gemeinT ist, ob es mich ruiniert, ob meine Hoden sich nun mit mir allein geborgen fühlen :arrow: oder händeringend nach Testosteron verlangen, auf dass ich 8) weiter schreiben kann wie bisher -, oder besser Punkt :mrgreen: ?
Ach, es muss am 1. – 8. Adventswein liegen: Prösterchen :-D

:arrow:
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Beitrag#4von Melusine » 29. Nov 2009 21:35

Hach, Schöngeist... das ist toll. Du machst mich damit richtig glücklich! DANKE!

Das klingt vielleicht eitel, ist aber nicht so gemeint. Ich freue mich aufrichtig über dein Lob. Das darf man. Sich über Lob freuen, mein ich. Jajajaja! :typo_045:


Ach so... die Wertschöpfung Wortschupfung war ja eigentlich mehr als Kreuzung aus Literatur und Anal... Anarchie gedacht... aber macht nix. ;)
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Beitrag#5von Der Ohrenschützer » 30. Nov 2009 13:29

Sehr, sehr schön und geistvoll. 8)

Den Akustiker hat's auch gefreut, sich diese Charakter-Compilation reinzuziehen. Und die Hierarchie wurde eingehalten, sodass Mel auch prompt auf das Wortspiel reingefallen ist. :-P Kann mir nicht vorstellen, dass einem das Titel-Banner entgeht, in der die Anarchie vorkommt, schon gar nicht unser scharfsinniger Wessi. ;)

Hast du eigentlich minarett-bezogen mitgestimmt?

Schöne Grüße,
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Beitrag#6von Melusine » 30. Nov 2009 16:24

Hast du noch nie aus Verlegenheit einfach irgendwelchen Unsinn vor dich hin geplappert? :-? :oops: michy scheint ja auch ganz geschüttelt, nicht gerührt.


Hab üprinx inzwischen eh schon gemerkt, welcher Art Hierarchie unser schöner Geist hier folgt: Den Top-Postern des Monats November. Sehr passend :D


Ach ja und...

Schöngeist hat geschrieben:Besonders bei den Nachahmern braucht es ihn manchmal dann doch wieder, den Ohrenschützer.


Das kann man ja wohl nur so interpretieren, dass östlich Tönendes (inkl. Bayrisches) den Herrn Wessi in den Ohren schmerzt ... :lol:
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Beitrag#7von Gast » 30. Nov 2009 17:16

:arrow: wenn ich glücklich bin :-P lasse ich es in meiner hose so richtig krachen :lol: war über die 1000m grenze hinweg etwa nix zu hörn :?: nichma in Wien :?:

:arrow:
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Beitrag#8von Melusine » 30. Nov 2009 17:36

Ah, das wars also! Hab schon gedacht, da hätte jemand seine Kracher für den Krampustag ausprobiert. Sozusagen Flatulenzia praecox... oder so.

http://de.wikipedia.org/wiki/Krampus
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Beitrag#9von Schöngeist » 2. Dez 2009 21:48

Wie schön, dass euch mein Wichtelgeschenk gefallen hat! Schenken macht eben doch am meisten Freude (vor allem wenn das Geschenk so viel Beachtung findet).

Ohrenschützer hat geschrieben:Hast du eigentlich minarett-bezogen mitgestimmt?


Klar habe ich abgestimmt. Einmal mehr war ich auf der Verliererseite und überlege mir nun ernsthaft, eine Volksinitiative zu starten - um die direkte Demokratie abzuschaffen ... :mrgreen: Auch wegen der zweiten Abstimmung:

Denn gleichzeitig wurde über ein Verbot von Kriegsmaterialexport abgestimmt, was sehr deutlich verworfen wurde. Dass wirtschaftliche Pfründe und Arbeitsplätze gefährdet seien, war dann doch zu viel. Während die einen um ihre Fränklis bangen - bangen die anderen um ihr Leben.

Melusine hat geschrieben:Ach ja und...

Schöngeist hat folgendes geschrieben:

Besonders bei den Nachahmern braucht es ihn manchmal dann doch wieder, den Ohrenschützer.


Das kann man ja wohl nur so interpretieren, dass östlich Tönendes (inkl. Bayrisches) den Herrn Wessi in den Ohren schmerzt ...


Nee, war bloss eine kleine Wortspielerei, ein spontaner Einfall, der mir so rausgerutscht ist, gewissermassen um des Reimes willen, oder so. :wink:
Zudem: Einem geschenkten Gaul ... Dein kleines Hörstück hängt längst über meinem Bett, schön eingerahmt.

EMJu hat geschrieben:Verdammt, mein Aschenbecher ist schon wieder voll.


Wie wärs mit Rauchen aufhören? Habe es auch gerade gemacht (bin in der vierten Woche). Ist ganz einfach. Mit der Zeit bekommt man richtig Übung im Aufhören ...
Schöngeist
 

Beitrag#10von EMJu » 3. Dez 2009 16:33

So was ähnliches hat Mark Twain auch mal gesagt: „Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft.“ ... oder so. Wird unterschiedlich zitiert.

Neenee, lass mal. Ich höre auf, wenn ich es will und nicht, wenn ich glaube, es zu wollen, denn da versetzt der Glaube keine Berge, nicht mal schehäufchen.
Ich hatte mir mal fest vorgenommen aufzuhören, weil ich es 'wollte', das war am Morgen nach dem Aufstehen. Mein Wille brach um 8 Uhr. Oder 8 Uhr 30? Immerhin, fast vier Stunden nach dem Aufstehen.
Dann hatte ich versucht, meine Erste immer erst um 7:30 zu rauchen. Hielt superlange, der Vorsatz. Mindestens eine halbe Woche. Jetzt rauche ich die Erste wieder um 6:40, wenn ich zur Arbeit gefahren bin. Oder manchmal auch früher, wenn ich vor dem Losfahren noch Zeit habe und einen Frühblick in die Literarchie werfe.

Man sagt, der Schwabe würde mit 40 gescheit. Nun, ich bin kein Schwabe, ich lebe nur hier.
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