Der Küchenlehrling

Humoristische und satirische Gedichte. Heiteres, Bissiges, Schwarzes ...

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Der Küchenlehrling

Beitrag#1von Melusine » 12. Mär 2010 22:27

Der Küchenlehrling


Hat der olle Küchenmaxe
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun wollen wir mal laxe
seine Kochtopfdeckel heben!
Wasser ist im Topfe
und noch etwas Lauch;
von dem Zwiebelzopfe
ein paar Stücke auch.

Singe! singe
manche Weise,
Wasser, leise,
dass hienieden
statt zerteilt mit Messers Klinge
ganz im Kessel wir sie sieden.

Und nun komm, du alter Braten!
Etwas Milch, dich zu erweichen.
Wirst mir schon noch wohl geraten
zu Genüssen ohnegleichen.
Dein Hautgout vergehe
durch den Wein im Topf
und die scharfe Zehe
von dem Knoblauchzopf.

Singe! singe
manche Weise,
Wasser, leise,
dass hienieden
statt zerteilt mit Messers Klinge
ganz im Kessel wir sie sieden.

Was, du willst nicht mürbe werden?
Soll ich doch ganz klein dich schneiden
um der Esser Schluckbeschwerden
vorzubeugen? Wir zwei beiden
müssen mal besprechen,
wertes altes Rind,
falls sie sich erbrechen,
ob wir schuldig sind.

Weiche! weiche,
denn uns lagen
schon im Magen
manche Speisen.
Ach ich merk es: Einer Leiche
kann man keinen Weg mehr weisen.



(Mai 2006)
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Beitrag#2von Gast » 13. Mär 2010 10:23

das warn noch zeiten
da gab es augen
am stück
zum selber aussaugen
und medium hoden
in der suppe
ganz oben

:wink:
Gast
 

Beitrag#3von Karl Feldkamp » 19. Mär 2010 16:17

Liebe Melusine,
den Braten hättest du villeicht doch liber dem Zauberlehrling (oder besser - meister) überlassen sollen.
Das Gedicht aber ist sehr gelungen.
Gruß
Karl
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Beitrag#4von Melusine » 19. Mär 2010 17:21

Hallo Karl, vielen Dank für das Lob!

Übrigens ist es tatsächlich eine rare Kunst, aus halb verdorbenen Lebensmitteln noch was Genießbares zu zaubern. Wenn ich so an Nachkriegserzählungen zurückdenke, müssen unsere Vorväter und -mütter wahre Saumägen gehabt haben.



@michy: Hoden hab ich schon gegessen. Von einem lebenden Schwein. Kein Scherz! War sehr lecker.
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Beitrag#5von Karl Feldkamp » 19. Mär 2010 18:26

Liebe Melusine,
ja, und wir reden heute (zu recht) von Gammelfleischskandalen...
Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Mutter nach Kriegsschluss beim Fleischer darauf wartete, dass der den hölzernen Haublock, auf dem er das Fleisch mit einem Beil zerteilte, mit Wasser säuberte. Das Wasser verkaufte er anschließlich als Fleischbrühe. Meine Mutter kochte daraus ein ziemlich dünne Suppe...
Gruß
Karl
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Beitrag#6von Gast » 19. Mär 2010 19:19

:arrow: Von einem lebenden Schwein. :arrow:
:shocked: ich lese täglich darüber - und im tv gesehen kommen die mir zu den :oops: hoden schon wieder raus. politiker essen: nein :!: , pfui teufel :mrgreen: ich gehe nicht mal mehr zur wahl :-P

:arrow:
Gast
 


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