Dichter am Werk: Dem Autoren zu Eigen

Humoristische und satirische Gedichte. Heiteres, Bissiges, Schwarzes ...

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Dichter am Werk: Dem Autoren zu Eigen

Beitrag#1von Melusine » 7. Nov 2009 18:59

Dem Autoren zu Eigen


Es sprach der Autor zum Autoren:
Ein E steht gut mir zu Gesicht –
ich beug mich der Grammatik nicht!
Wir Dichter, wir sind unverfroren.

Und schlägt mir gar ein dumpfer Wicht
die Frau Grammatik um die Ohren,
dann soll er in der Hölle schmoren.
Nein, Frau Grammatik folg ich nicht!

Als starker Autor beug ich schwach.
Ich lass mir doch mein E nicht rauben
von jenen, die da Erbsen klauben.
Niemals folg ich der Meute nach!

Des Autors S ist dem Autoren
ein Gräuel, und ich weig're mich
entschieden, stärker mich zu beugen.
Den Teufel rufe ich zum Zeugen:
S ist des Teufels sicherlich.





Nicht mehr ganz taufrisch, aber bisher unveröffentlicht - und jetzt ausgegraben, um es dem hochgeschätzten Ohrenschützer um die Ohren zu schlagen zu widmen. 8)

§§: Die bei Veröffentlichung des Textes vergebene Creative-Commons-Lizenz (cc-by-nc-nd) wurde heute Freitag 10.8.2012 von mir entfernt. Der Text darf ab nun gemäß Urheberrechtsgesetz nur noch mit meiner ausdrücklichen Erlaubnis vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergegeben werden. Allfällige frühere, lizenzgemäße (!!) Verwendungen des Textes (siehe http://creativecommons.org/licenses/by- ... .0/deed.de ) bleiben davon natürlich unberührt.
Zuletzt geändert von Melusine am 10. Aug 2012 15:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag#2von Der Ohrenschützer » 7. Nov 2009 19:11

:oops: Wow, danke schön! :-D

Was für ein schöner Text! So schön sprachtheoretisch-kleinrevoluzzeresk! Und meine Ohren kommen auch vor! Ich freu mich! Siehst du, ich schaff gar keinen Satz ohne Ausrufezeichen vor Freude! 8)
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Beitrag#3von Melusine » 7. Nov 2009 19:31

;)
Ich dachte bisher, die schwächliche singularische Beugung sei ausschließlich eine Unsitte unserer bundesdeutschen Nachbarn. Offenbar ist es aber ein Forenphänomen. Schwach gebeugte Autoren gibts nur im Plural.

Nun stellt sich die Frage: Macht der Plural die Autoren so stark, dass sie SICH nur noch schwach beugen, oder zeugt die starke Beugung des Einzelautors gerade von dessen individueller Stärke?

Oder sollte der Starke sich vielmehr eigentlich ÜBERHAUPT nicht beugen (lassen)?
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Beitrag#4von EMJu » 7. Nov 2009 19:33

:twisted: Wer ruft? :twisted:

Das S ist mir? Meinetwegen, ich nehm'S.

Karl
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Beitrag#5von EMJu » 7. Nov 2009 19:36

Oder sollte der Starke sich vielmehr eigentlich ÜBERHAUPT nicht beugen (lassen)


Das Problem ist, wer sich gar nicht beugen lässt, bricht vermutlich eines Tages.

In ehrfürchtiger Ver-Beugung vor diesem kleinen Schmankerl

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Beitrag#6von Melusine » 7. Nov 2009 20:18

Das Problem ist, wer sich gar nicht beugen lässt, bricht vermutlich eines Tages.

Seh ich auch so.

Das war übrigens sozusagen indirekt der Grund für meine seinerzeitige Nichtveröffentlichung. Der, auf den es ursprünglich gemünzt war, wäre ganz geknickt gewesen. Und hätte es mir übelgenommen.
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