Dichter am Werk: Vershüpfen

Humoristische und satirische Gedichte. Heiteres, Bissiges, Schwarzes ...

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 946

Dichter am Werk: Vershüpfen

Beitrag#1von Melusine » 8. Jan 2008 00:00

Vershüpfen


Ein Vers hüpfte keck
über Stock und Stein:
Der Reim war da,
doch das Metrum war weg.
Da fuhr des Dichters Feder drein,
bracht’ hurtig ein wenig Ordnung hinein.

Nun saß der Vers, wie sich’s gehörte
ganz brav, die Hände auf dem Tisch,
kein Hüpfen, Tanzen, Springen störte –
doch war er leider nicht mehr frisch.

„Dreck!“,
sprach der Dichter verärgert
und
    warf
      ihn
        weg.




(14.3.2006)
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich

Beitrag#2von Astrid » 8. Jan 2009 18:11

Hallo Melusine,

mir gefällt dein Vers hüpfen sehr gut, vor allem die Zeilen der zweiten Strophe haben so eine wunderbare Melodie, dass ich sie immer wieder laut spreche und ja und ja, du hast es auf den Punkt gebracht. Ich sehe diesen Vers, wie er so artig am Tisch sitzt und kenne den sogar und ach ich bringe auch so gerne Ordnung rein...
Ich bewundere das Talent im Allgemeinen und also dich im Besonderes, mit Humor etwas auszudrücken, wofür ein Sachbuch "Richtige Bearbeitung von Versen für den jungen Lyriker" ein Kapitel gebraucht hätte.

Aber, um dem Honig, der schon fast am Tropfen ist, Einhalt zu gebieten: ich finde die letzten vier Zeilen braucht das Gedicht nicht, ... nicht mehr frisch und Punkt.?

Herzliche Grüße
Astrid
Astrid
Nutzerkonto inaktiv
 
Beiträge: 12
Registriert: 01.2009
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#3von Melusine » 9. Jan 2009 17:45

Hallo Astrid,
danke für deinen Kommentar! Freut mich, dass dir die hüpfenden Verse gefallen. Hmm... letzte Strophe weglassen? Ich hab darüber nachgedacht. Manchmal tut es einem Gedicht tatsächlich gut, den Schluss wegzulassen. Aber hier ... ich weiß nicht, es würde dann eigentlich was anderes aussagen. Ich glaube, mir würde was fehlen.
Aber ich denke noch weiter drüber nach.

Was Talent anlangt ... ups! Danke für die Blumen! Lach.
Das hier ist mal recht spontan in einem Forum entstanden, in dem es eine Art "Kultur" lustiger Spontangedichte gab, die sehr inspirierend war.
Start where you are. Use what you have. Do what you can. ~ Arthur Ashe
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich

Beitrag#4von Astrid » 10. Jan 2009 12:45

Es ist dein Gedicht und du musst dich gut dabei fühlen und dann lass die letzte Zeile. Ändere bloß nichts, nie, wenn jemand das meint und du aber damit nicht einverstanden bist.

Wer sich verbiegt, wird krumm... (aua mein Bandscheibenvorfall...)

Liebe Grüße
Astrid
Astrid
Nutzerkonto inaktiv
 
Beiträge: 12
Registriert: 01.2009
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#5von Melusine » 10. Jan 2009 16:23

Klar, ich ändere sowieso nur dann was, wenn ich selbst davon überzeugt bin. Da bin ich eigensinnig ;).
Anders bringt es auch nichts, denn allen recht machen kann man es sowieso nicht und zuviel Überarbeitung kann manchmal eine "Verschlimmbesserung" bewirken, eben: Nicht mehr frisch. :D

Trotzdem sind kritische Anregungen immer hilfreich. Ich schaffe es bei Gedichten selten, sie unmittelbar umzusetzen, aber es sensibilisiert für die eigenen Schwächen und man weiß mit der Zeit besser, worauf man beim Schreiben achten sollte.
Start where you are. Use what you have. Do what you can. ~ Arthur Ashe
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich


Zurück zu "Humor und Satire (L)"



cron