Vermessen

Humoristische und satirische Gedichte. Heiteres, Bissiges, Schwarzes ...

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Beitrag#11von Ich bin zwei Öltanks » 7. Aug 2010 11:43

:-?

Dein Text klingt aber schon eher nach Postamt ... obgleich mir das Eichamt als Solches tatsächlich unbekannt war, wird auf Eichämtern laut Wiki nicht selber gewogen, sondern fürs spätere Wiegen geeicht.
In deinem Text wird das Gedicht auf dessen "Abmessungen" geprüft, auf die "Verswaaage" gelegt. Wären wir beim Eichamt, tät man die Waage auf ihre Funktionsweise hin überprüfen, nicht das, was die Waage später wiegen soll.

Und auch die Pointe mit dem Umdeklarieren paßt wesentlich besser zu Vorgängen auf einem Postamt, denn auf dem Eichamt wird aus ner Waage nich einfach irgendwas anderes, wenn die Waage nicht richtig funktioniert ... sondern dem vorgeschriebenen Normstatus angepaßt ... das bedeutet ... dein Text wäre beim Eichamt für Poesie durch Zurechtstutzung einfach passend gemacht worden; "Umdeklarieren" is so überhaupt nich Aufgabe bzw. Richtlinie des Eichamtes. Oder?

"So kann ich das leider auf gar keinen Fall annehmen." Typischer Satz von Post"beamten". Mit Eichämtern hab ich wenig Erfahrung, aber ich finde, dein Vergleich hinkt.
Is für die Message nich weiter von Belang, aber wenn du selber auf diesen Ämter-Detailunterschied hinweist, mußt du ihn auch berücksichtigen, find ich.
Klar ... "Postamt für Poesie" klingt extrem doof ... wie wärs mit PÜV?
"PoetischerÜberwachungsVerein". Die hamms da auch oft mit Überprüfung von Normen, lehnen sehr gerne mal was ab, sind im Zweifelsfall aber überaus flexibel in ihrem Urteil. :lol:
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Beitrag#12von Melusine » 7. Aug 2010 12:16

Hm... stimmt. :eusa_think: Es gibt aber auch kein Eichamt FÜR irgendwas. ;)
Ich hab mir ehrlich gesagt keine Gedanken über die Aufgabe von Eichämtern gemacht, sondern den Begriff einfach verwendet, um in einem Wort deutlich zu machen, dass es um Normierung geht.

Der ursprüngliche Text hatte gar nix mit "Lyrik oder Prosa" zu tun, sondern drehte sich ausschließlich um normgerechte Lyrik. Vermutlich hab ich beim Schluss tatsächlich an Postnormen gedacht.


Egal. bon geht es ja nicht um Normen, sondern ums Rechthaben. Letzteres ist ein schwieriges Unterfangen, wenn man über einen dermaßen ungeordneten Verstand verfügt, dass man Autos mit Päckchen und Briefe mit Fahrrädern verwechselt.


(Kann man beim TÜV ein Elektrofahrrad als Auto zulassen lassen? Oder ein Auto mit kaputtem Motor als Fahrrad?)
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Beitrag#13von Ich bin zwei Öltanks » 7. Aug 2010 13:31

:lol:
Das wohl nicht, aber mein früherer Arbeitgeber war bisweilen gezwungen, Kraftfahrzeuge in PKW-Größe als LKW anzumelden, um einen reibungslosen Ablauf seines geschäftlichen Treibens zu gewährleisten. Frag mich blos nich nach den Details, mit deutscher Bürokratie kann man mich jagen.

Zulassen lassen tut man aber ohnehin nich beim TÜV, da tut man nur überprüfen lassen.

hm ...
Mir wirds grad zu kompliziert. Aber ... is ja glücklicherweise nich mein Text.
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Beitrag#14von Melusine » 7. Aug 2010 14:07

Zulassen lassen tut man aber ohnehin nich beim TÜV

Das ist mir auch grad noch rechtzeitig eingefallen, deshalb hab ich den TÜV ja gestrichen. Nicht grün oder blau, sondern durch.

Deshalb passt übrigens dein PÜV-Vorschlag auch nicht, weil es ja nicht darum geht, ob das Gedicht trotz Gebrauchsspuren noch verkehrstauglich ist, sondern ob es im Neuzustand den Zulassungsbedingungen entspricht.

Ob's sowas wie einen TÜV für tiefergelegte Gebrauchtgedichte gibt, müsste ich mal den @wimbauer fragen. Hach, ist das schwierig!

Aber ... is ja glücklicherweise nich mein Text.

Ja, du hast leicht reden. Ich glaube, ich schau dann auch mal lieber anderer Leute Texten unter die Haube und klugscheiße was über notwendigen Zündkerzenwechsel (obwohl ich nicht mal weiß, wie eine Zündkerze ausschaut).


mein früherer Arbeitgeber war bisweilen gezwungen, Kraftfahrzeuge in PKW-Größe als LKW anzumelden

Oh, war das der mit den sieben Kleinlastern, mit denen man prima Rehe totfahren kann? :lol:
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Beitrag#15von bonanzamargot » 7. Aug 2010 14:36

ich habe niemals bezweifelt, dass es beinahe bei allen von menschen benannten dingen übergangsformen, überschneidungen und mischformen gibt. allerdings ist eben nicht alles wischiwaschi: irgendwann ist nicht mehr zu deuteln, was ein brief oder ein päckchen ist, und irgendwann ist`s ziemlich eindeutig, was lyrik ist, und was als prosa anzusehen ist. vordererst ist die form entscheidend. außer man erfindet eine gedichtsorte ohne versform. da würde ich mich dann aber fragen: wozu? und: funktioniert es? ein fahrrad auf vier rädern ist in meinen augen kein fahrrad mehr im eigentlichen sinne. es ist ein tretmobil.
und ein brief (prosa) wird nicht zur postkarte (lyrik), selbst wenn im brief `ne postkarte steckt (-der vergleich ist adäquater, ohrenschützer).
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Beitrag#16von bonanzamargot » 7. Aug 2010 16:04

philosophisch überschneidet sich dieses thema mit dem "theseus-schiff".

ich frage mich z.b., wenn ich stark demenz-kranke oder apalliker pflege: ist das noch ein mensch? oder ist das etwas anderes - noch nicht "benanntes"? sie haben doch kaum noch etwas, was wir gemeinhin als menschliche attribute für uns selbst schätzen. da ist nur noch die physis, die form, so scheint es. ist dies noch der mensch, der er war? oder ist er etwas anderes? woran mache ich das fest? die angehörigen wenden sich oft ab, weil sie nicht mehr die menschen in diesen körpern sehen können, die sie ehemals liebten, die eigenständig und selbstbewußt waren.
oft übersteigt es einfach unser fassungsvermögen, und wir müssen diesen seltsamen zustand einfach aushalten.

ich will mit diesem beispiel sagen, dass die form das erste ist, was uns zu menschen macht und auch das letzte ist, was wir verlieren. die form bettet und benennt uns. die identifikation ist eine formsache. leider denken wohl viele menschen dabei an etwas oberflächliches. so ist es beileibe nicht. die form ist "wesentlich"!
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Beitrag#17von Melusine » 7. Aug 2010 16:23

Philosophisch kann sich das mit garnix überschneiden, es ist nämlich kein philosophisches Gedicht. Fahrräder überschneiden sich definitiv auch nicht mit Postkarten, weder philosophisch noch sonstwie. Allerdings kann man mit Fahrrädern prima Postkarten totfahren. Na gut, totfahren stimmt nicht, aber wenn man so lange immer wieder drüber fährt, bis die Postkarte unleserlich geworden ist, dann ist sie sozusagen dement und gleicht nur noch in ihrer äußeren Form einer Postkarte. Die Angehörigen wenden sich dann angewidert ab, weil sie eine schmutzige Postkarte nicht in die Hand nehmen wollen. Vor allem wenn der Poststempel nicht mehr zu erkennen ist.

Dass du dich selbst mit dem Ohrenschützer verwechselst, solte dir zu denken geben. Ein eigenartiges Krankheitsbild übrigens. Die meisten Schizophrenen halten sich für Napoleon. Oder Jesus. Oder verwechsel ich da was? Schon wieder so schwierig. Ich hab doch von Psychologie genausowenig Ahnung wie von Zündkerzen.
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Beitrag#18von bonanzamargot » 7. Aug 2010 16:31

ich verwechsele mich nicht mit ohrenschützer. was redest du da für einen krampf zusammen, melusine? oder bist du inzwischen ein öltankhybrid, der unsinn und blöde anmachen für ungeheuer intelligent, witzig und originell hält?
nur weiter so. ewig kann man schwachsinn auf diese weise nicht kaschieren. (um gottes willen! nicht, dass du das jetzt auf dich beziehst. es war eine allgemeine ableitung.)
nein, ich mag diese scheiß beleidigungen nicht. ich schrieb ernstgemeinte kommentare und möchte daraufhin nicht blöde von der seite angemacht werden. das ist hoffentlich verständlich und überfordert hier niemanden.
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Beitrag#19von Melusine » 7. Aug 2010 17:12

Der Ohrenschützer hat geschrieben:Meinen Geschmack trifft's punktgenau.
Allein der prägnant-vieldeutige Titel - wunderbar. Auch wenn's jetzt anlassbezogen war, spiegelt es sehr schön weit verbreitete Befindlichkeiten in literarischem Bezug.

Gut gemacht! :green_001:

bonanzamargot hat geschrieben:aber um beim bild zu bleiben: ein päckchen (prosa) ist nunmal kein brief (lyrik), ganz egal, was in päckchen oder brief drin ist. ebenso ist ein fahrrad kein auto oder umgekehrt.

bonanzamargot hat geschrieben:und ein brief (prosa) wird nicht zur postkarte (lyrik), selbst wenn im brief `ne postkarte steckt (-der vergleich ist adäquater, ohrenschützer).

bonanzamargot hat geschrieben:ich verwechsele mich nicht mit ohrenschützer.

Aha. Wenn du's sagst ...


nein, ich mag diese scheiß beleidigungen nicht. ich schrieb ernstgemeinte kommentare und möchte daraufhin nicht blöde von der seite angemacht werden.

Interessant.
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Beitrag#20von bonanzamargot » 7. Aug 2010 17:33

ja, melusine, ob du`s glaubst oder nicht. so ist es. aber du liest seit geraumer zeit nichts mehr von mir unvoreingenommen. insofern sollten mich deine giftattacken auch nicht wundern.

ich wollte ohrenschützer lediglich sagen, dass der vergleich "postkarte-brief" besser als der von mir zuerst getroffene vergleich "brief-päckchen" ist. auch um diese ungereimtheit zu vermeiden, dass es briefe gibt, die zum päckchen deklariert werden können, wenn sie ein gewisses gewicht übersteigen. es ging, glaube ich, um meine aussage, dass ein brief ein brief bleibe, egal, was drin ist.
nun, man kann alles auf die spitze treiben.

dein gedicht ist mir in der tat zu flach als satire. obwohl ich die idee des eichamtes an sich gut finde. schließlich macht eine eichung wichtiger maße im leben viel sinn.
bonanzamargot
 

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