ABSCHIED VON ELLA

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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ABSCHIED VON ELLA

Beitrag#1von Fritz Rainer Polter » 17. Mär 2010 11:19

ABSCHIED VON ELLA



Jauchzet, ihr Mäuse
Frohlocket, ihr Vögel
Die Graue ist tot.
Nie wieder ihr "Mau!", nie mehr nun ihr "Wu!"
Nicht jagt sie mehr nach der Beute

Nicht hier.
Vielleicht im Himmel nun
ihr schwarzer Bruder jagt mit ihr
-der vor ihr ging- vor minder vielen
Katzenjahren, als ihr bestimmt.
Hat sie begrüßt an den himmlischen Pforten
vereint nun erneut in Ewigkeit...

Nicht sah ich die Zeichen zur rechten Zeit
wo Hilfe noch galt.
Zwei Spritzen je Tag, und sie wäre am Leben
für noch manches Stampfen und Trampeln auf mir
wenn ich schlafen geh-
doch es war zuspät,
nicht mehr wuschen Leber noch Niere
das Gift aus dem Blut, dass mich oftmals wärmte.
Und nun ist es so kalt...

Der schwerste Gang meines Lebens war
zu sagen: "Stirb", wenn nichts als Leid
ihr den regungslosen Tag beschied
nach der Dämmerung stöhnender Nacht.
Ich nickte ab finales Gift,
dass der Arzt ihr gab.
Aus ist`s, vorbei, öd alles.

Elf Katzenjahre sind nicht viel
Elf Katzenjahre? Ewigkeit!
An Liebe, Sorge, Treue

Ich blieb abends zuhaus.
Ich lies mein Mädchen heraus
auf die Höfe und grünen Wiesen zur Nacht.
Manch Winter fror ich bei offener Tür,
des nachts, denn herein will mein Tier!

Ich ging tagsüber heim, um bei ihr zu sein
Für sie wählte ich kaltes Erdgeschoß
Und den Lärm über mir, denn sie wollte heraus,
wollte frei sein, nur frei!
Ich gab alles für sie...

Ihr die Grube zu graben!
Legte sanft sie hinein
und bepflanzte die schwarze Erde
an einem alten und neuen Ort
wo die Trauer lebt und die Dankbarkeit.

Frohlocket, ihr Katzenjunggetier
Die ältere Dame ist nicht mehr,
Nicht mehr jagt sie euch, noch die Beute
Zwei Stunden noch wärmte sie meine Hand
zur Nacht, dann hieß es für immer: "Ab heute..."


Copyrigt 2009 by Fritz Rainer Polter
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#2von Gast » 17. Mär 2010 12:45

egal worüber man trauert
katze hund
hund katze
usw.
:arrow:



adiós ...

mon ami -
nach der unseligen stunde
in der du gestorben
deine wärme noch an mir
dein geruch
habe ich dich begraben

mit zitternden händen
bettete ich dich
unter farnen
in den weißen sand
meiner erinnerung

leer erscheint mir die welt
in trauer ist mein herz
doch im nebel
meiner seele lebt
mehr als nur eine spur von dir

auf wund geweinten augen
trage ich diese zeichen
durch meinen kosmos
bewahre die
bis wir uns wiedersehen

© 30.juli 2007 michael köhn
Gast
 

Beitrag#3von Fritz Rainer Polter » 17. Mär 2010 12:58

muß ich nicht sagen, dass das
eines der best ever michy
ist -for me.
dein hund; dem ich schon in
dem text mit der tierärztin
wolf/schaf oder so
begegnete; nehme ich an?
(hast Du im autorenweb ja leider alles gelöscht)
ja, nur, wer am leben bleibt
hat das privileg
zu leiden
wie ein tier
-um ein tier.

R.
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#4von nachtlichter » 17. Mär 2010 12:59

:arrow: michy

Deine Poesie und Dein Gefühl
gelöst in meinen Tränen.

Ich habe Angst vor dem Tag,
an dem mein Hund gehen muss.

Was bleibt, ist die Liebe
sie stirbt auch nicht, wenn...

Ich habe dieses Gedicht gesucht und vermisst, wusste nicht mehr, wie es heißt. Und bin glücklich und traurig zugleich, dass es wieder da ist. Von allen Deinen Gedichten berührt und schmerzt mich dieses am tiefsten.

Danke.
Zuletzt geändert von nachtlichter am 17. Mär 2010 13:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag#5von Gast » 17. Mär 2010 13:10

mal ganz ehrlich:
es hat sich nichts geändert

jeder spaziergang
erinnerung
mancher tag hölle
im himmel
gehabt zu haben
der blick dahin
wo ihr lager war
das bild auf dem tisch
tränen weggewischt

mal ganz ehrlich:
es wird sich nichts ändern
für mich
Gast
 

Beitrag#6von nachtlichter » 17. Mär 2010 13:27

Sorry, Rainer, ich bin ja so blöd. Ich habe neugierig geklickt und dann nur michys Gedicht gesehen und nicht gerafft, dass es eine Antwort auf Dein geniales Werk war. Wie bin ich heute blind...

Dein Abschied von Ella geht tief unter die Haut. Jedes Wort steht für ein Gefühl und zeigt den Preis, den wir für die Liebe eines Tieres zahlen müssen. Und die erdrückende Verantwortung, zu entscheiden, wann jede Minute Leben für das geliebte Wesen nur noch Qual bedeuten würde. Die Selbstvorwürfe, deren "hätte ich doch" zu spät kommt.

Unaufhaltsam ist der Abschied. Ich wünsche mir, dass mir noch ein bisschen (nein, ganz viel) Zeit bleibt, bis auch ich so ein Gedicht schreiben muss.

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Beitrag#7von Melusine » 18. Mär 2010 01:31

Lieber Rainer, ich kann zu deinem Text nix inhaltlich Sinnvolles schreiben, weil ich zwar "Zehnfingersatz blind" tippen kann, aber von "tränenblind" war da irgendwie nie die Rede.

Statt dessen schreibe ich dir was anderes. Von einer anderen Katze.
Ich bin mit einer Katze aufgewachsen. Na ja, beinahe. Ich war schon beinahe erwachsen, als sie zu uns kam; meine Eltern sperrten sich nämlich langezeit gegen Haustiere.
Unsere Pucki (so nannten wir sie - nach Puck, dem Kobold aus dem Sommernachtstraum) ließ ihnen aber keine Wahl. Sie kam und beschloss, bei uns zu wohnen. Dagegen sind selbst eingefleischte Katzenhasser machtlos.
Meine Mutter mochte keine Katzen, mein Vater fürchtete um seine schönen Möbel. Hm. Papa erlaubte uns die Katze unter der Voraussetzung, dass sie in der Küche bleibt. Meine Schwester und ich sahen uns an und kicherten insgeheim in uns hinein.
Kätzchen mochte die Übersiedlung nicht. Sie hatte sich uns im Feriendomizil ausgesucht. Die Stadtwohnung gefiel ihr gar nicht. Dreimal sprang sie vom Balkon runter, beim dritten Mal holte sie sich eine Rippenprellung und stöhnte ein halbes Jahr lang bei jedem Sprung - aber sie hat sich durchgesetzt. Wir wohnten im ersten Stock, trotzdem war sie Freigängerin, Sommer wie Winter. Es war eben immer wer da, der sie reinließ, wenn sie rein wollte. Notfalls die Oma, die nur fünf Minuten entfernt wohnte.
Als sie sterisiert wurde (meine Mama wollte keine Katzenbabies unterm Ehebett) musste der Tierarzt dreimal nachspritzen und sagte nachher, jedes normale Viech wär an der Dosis krepiert. Sie war halt nicht so eine wie seine üblichen Kätzchen. Halbe Wildkatze. Tiger.
Einmal hat sie Rattengift gefressen, wurde ganz komisch schwach und matt und krank... der Tierarzt sagte: Ich kann ihr eine Spritze geben, aber ob sie es überlebt weiß ich nicht, man muss abwarten.
Natürlich hat sie überlebt. Sie war eine Überleberin.

Als mein Vater krank wurde, musste er sie hergeben. Er lebte inzwischen allein. Allein mit Katze.
Er fand einen guten Platz für sie.
Er war dann noch mal dort. Sie wollte ihn aber nicht sehen.

Eines Tages war dann ein Auto schneller als sie. Da war sie 18.
Wir trauerten... aber ... sie war ja längst nicht mehr "unsere" Katze. Das ist anders.

Dennoch bleibt sie unvergessen.
http://literarchie.plusboard.de/nickpag ... ne&sub=kre
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