Angst

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Angst

Beitrag#1von hg » 2. Mär 2011 19:50

Was wir wünschen, ist
Nicht das was wir sagen
Angst verbietet uns
Den andern um Nähe
Zu fragen, obwohl es
So heftig nach Zärtlichkeit
Verlangt, überwindet man
Die Sehnsucht mit
Mächtigen Gedanken
Verlangt ohne Scham
Den Schlüssel zum
Fernen Paradies
Verlegt ins Mögliche alles was
Es doch nicht gibt, wirft
Mutig die Angst an die
Wand, damit andere sie säubern
Zuletzt geändert von hg am 3. Mär 2011 23:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Angst

Beitrag#2von Melusine » 3. Mär 2011 02:23

Obwohl mir die Enjambements etwas zu gewollt erscheinen, gefällt mir dieses Gedicht. Es ist so ... zart. Und doch kraftvoll.

Bloß am Schluss frage ich mich: Wie säubert man Angst?
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Re: Angst

Beitrag#3von bonanzamargot » 3. Mär 2011 16:58

die angst an die wand werfen, ist ein starkes bild - aber warum sollen die anderen die wand putzen?

die zeilensprünge im gedicht finde ich gekünstelt, als wolltest du mit formalen mitteln anstrengung erzeugen.
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Re: Angst

Beitrag#4von hg » 3. Mär 2011 23:36

Melusine hat geschrieben:Obwohl mir die Enjambements etwas zu gewollt erscheinen, gefällt mir dieses Gedicht. Es ist so ... zart. Und doch kraftvoll.

Bloß am Schluss frage ich mich: Wie säubert man Angst?



Liebe Melusine
Meine eigene Angst herum zu tragen, ist für mich oft ein schwieriges (schmutziges) Geschäft.
Meine Angst, so habe ich mich schon ertappt, möchte ich an Dingen und Partnern abstreifen. Sie behindert mich in meinem eigenen Handeln. Sie kann mich aggressiv machen. In magischem Wunsch den Partner, da draussen anzuschwärzen. Mit der Hoffnung damit, die Angst los zu werden.

„Wirf den eigenen Schatten Fremden zu..........., dann winkt dir Ruh und ewig Frieden!“
Frage: Wer nimmt seine eigene Angst in die Arme als wäre sie die Geliebte, der Geliebte selbst?

Braucht es noch mehr um das „Abwaschen“ der Angst zu erklären?

Liebe Grüsse
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Re: Angst

Beitrag#5von debruma » 4. Mär 2011 11:23

Das Prob. ist der grammatikalische Bezug der letzten Zeile -

sinnig wäre wohl, dass die anderen die Wand säubern, die du verangstet hast.

Liest man genau, steht da aber, dass die anderen die 'Angst' säubern sollen und da ist die Frage berechtige: Womit? Wovon? Und wie geht das genau.

Gruß d.

die sich ansonsten geschworen hat, sich aus der Lyrik rauszuhalten
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Re: Angst

Beitrag#6von bonanzamargot » 4. Mär 2011 14:26

meine angst an dingen wie wänden abzureagieren oder abzustreifen, finde ich gut. die dinge halten das aus, und wenn sie schaden nehmen, dann ist`s nicht so schlimm.
bei personen wünsche ich mir, dass sie mich mit meinen ängsten annehmen; dass ich trotz meiner ängste vertrauen fassen kann. partner/partnerinnen müssen, das liegt in der natur der sache, meine ängste ein stück mit tragen, und sie aushalten, bzw. mit mir besprechen, aber sie sind niemals prellbock für meine ängste, und ich will meine ängste auch nicht bei ihnen irgendwie abstreifen - kann mir sowieso nicht vorstellen, wie das funktionieren soll.
bei echt pathologischen, sehr bestimmenden ängsten, also ängsten, die die persönlichkeit ganz stark beherrschen, ist es für die mitmenschen tatsächlich ein problem, dass sie von dem kranken mit seiner angst derart in beschlag genommen werden, dass ein soziales wie psychisches ungleichgewicht in der beziehung entsteht. man fühlt sich dann als partner oder freund dieses menschen ausgenutzt, bedrängt, erpresst, regelrecht ausgesogen ...
da du in deinem gedicht unspeziell über angst schreibst, ist mir nicht klar, ob du ein angstproblem beschreibst, oder ob ein normaler angstumgang gemeint ist.
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Re: Angst

Beitrag#7von hg » 4. Mär 2011 18:19

Herzlichen Dank für Dein Schreiben.

Ich schaue in meinem Schreiben in meinen Spiegel. Das was ich darin sehe, gebe ich exakt weiter. Wenn dem Leser im Vergleich in seinem Spiegel dazu nichts auftaucht, muss das Bild mir selbst genügen. Dann geht das Geschriebene nicht über mich hinaus.
In der Phantasie ist es für möglich der Wirklichkeit zu entgehen. Hier sind alle Spielformen möglich. Ich kann zu meiner Angst, in einem Bilde, für mich ein Fenster aufmachen.

Herzliche Grüße
hg
 
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Re: Angst

Beitrag#8von Melusine » 4. Mär 2011 18:22

@hg: Meine Anmerkung zur Angst war so gemeint wie debruma es schreibt. Grammatikalisch könnte zwar beides gemeint sein, aber ich lese "die Angst säubern" und nicht "die Wand säubern"; ich verstehe also nicht "die Angst von der Wand abwaschen", sondern "die Angst reinigen". Das leuchtete mir nicht ganz ein. Ansonsten - schönes Bild!

Hab übrigens gesehen, dass du die Strophengliederung rausgenommen hast. Ich finde, so liest es sich leichter.
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Re: Angst

Beitrag#9von bonanzamargot » 4. Mär 2011 18:34

da gebe ich dir recht, hg. lyrik kommt originär aus der seele des dichters. und der muss sich in seiner sprache widerspiegeln. die leserschaft ist zu breit aufgefächert, als dass da, gerade bei einem großen thema wie angst, jeder sich in den verwendeten bildern und im ausdrucksstil wiederfinden/spiegeln kann.
bonanzamargot
 

Re: Angst

Beitrag#10von hg » 30. Nov 2011 09:41

Lieber Bon

Du hast mich das "Fürchten" gelehrt, dabei habe ich übersehen, was Du für eine Perle bist! :D

liebe Grüsse
hg
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