Eine Frage des Alters

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Eine Frage des Alters

Beitrag#1von Mentzel » 15. Jul 2008 09:55

*

Eine Frage des Alters

Es zwackt in den Knochen
die Knie krachen
beim beugen
mein Rücken
verweigert hin und wieder
schmerzlosen Dienst

Die Augen werden schlechter
jetzt muss ich näher
heran um Freunde zu erkennen

Die Ohren
hören längst nicht
so scharf
wie einst
zwischen den Tönen
beißt´s nur selten schrill.

Jetzt braucht es Kontaktlinsen
oder die Brille
und wenn die Feinde kommen
sehe ich den Schmutz unter ihren
Fingernägeln

© Thomas Mentzel


*
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Beitrag#2von Ich bin zwei Öltanks » 22. Jul 2008 12:55

Schön.

Naja, es hat einen tieferen Sinn. Eindeutig zweideutig, sowas mögen Kritiker.
Außerdem ist ein Copyright-Zeichen neben deiner virtuellen Unterschrift, macht Eindruck. Ich würds sofort kaufen, wenn es Teil einer Antho... Attho... wenn es als Buch rauskommt, sag Bescheid, dann lad ichs mir bei emule.

Oder ich kehre zurück an diesen Ort und erinnere mich daran, wie schön die gute, alte Zeit doch war, als ich dieses kleine Meisterwerk zum allerersten Mal genießen durfte.

Willst du hörn, was mir am besten gefallen hat??
Na, willste? :lol:

mein Rücken
verweigert hin und wieder
schmerzlosen Dienst


Toll formuliert, die Verweigerung von Schmerzlosigkeit ist in sich ja fast ein Paradoxon. Schmerz ist letztendlich ja nur zu einem Zweck erfunden worden ... als Alarmsignal für den Körperinhaber, so eine Art "STOPP! LAß DAS! ICH WEIGERE MICH!"
Daß nun im Alter die Natur sich weigert, das Sich-Weigern zu unterlassen, im Einklang mit der natürlichen Ordnung der Dinge, das kann schon zum Nachdenken anregen, find ich. Meinem Rücken geht es übrigens prima, danke der Nachfrageverweigerung.

Noch ein persönliches Highlight:


und wenn die Feinde kommen
sehe ich den Schmutz unter ihren
Fingernägeln



Klar, wer wenig sieht, muß näher ran > intensivierter Kontakt > Menschlichkeit entsteht durch Unzulänglichkeit > weniger Fehler, größerer sozialer Graben > Jugend, Weisheit, unausgewogene Verhältnisse, Krieg im nahen Osten

Perfekt ausgelotet.

Nett fällt, neben dieser offensichtlichen kreativen Triebfeder, die Bemühung deinerseits ins Auge, widersprüchliche Tretminen für den interpretierenden Intellektull... dieses Wort hat eindeutig zuviel "L"ektrizität, "L"eganz, "L"furcht, wie der Japaner sagt ... ich schweife ab ... auslegen zu trachten Punkt

Der Feind ist bereits ein Feind, ehe du ihn siehst, sonst könntest du ihn nicht als Feind bezeichnen, dessen Fingernägel Schmutzränder beherbergen. Nicht der Fingernageldreck, der Feind ist es, der den Feind als Feind charakterisiert, der Dreck dient nur zur Untermauerung des Feindbildes.
Deswegen ist die Qualität des Sichtfeldes weniger entscheidend, als die Beschaffenheit des jenes Sichtfeld Nutzenden. Sähe man die schmutzigen Fingernägel eines Freundes, es wäre guter Schmutz, verständlicher Schmutz, liebenswerter Schmutz, vielleicht sogar Schmutz, den man in sich aufsaugen wollte, darin sich wälzen, eine kleine Schmutzburg damit bauen, selber zum Schmutze unter diesen vorbildlich gewachsenen, ideal sich krümmenden und abgesehen von einer latenten Schmutzfahne wohlriechenden Fingernägeln zu werden, könnte ein Bedürftnis im Zuge selbstreinigender, wenn nicht gar durch das Bestreben nach Selbstreinigung hervorgerufener selbstverschmutzender Erleutungsarbeit sein.


Fick die Henne, was bin ich tiefgründig heute!
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Beitrag#3von Der Ohrenschützer » 4. Aug 2008 14:29

[Hier beliebig ähnlichen sodomitischen Ausdruck einfügen], welch analytischer Kommentar! Schade, dass Thomas gerade auf Urlaub zu sein scheint, ich finde nämlich, dass man diese Seite des Öltanks loben müsste, auf dass sie sich öfter zeigen möge. 8)
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Beitrag#4von nachtlichter » 4. Aug 2008 18:43

wo geht denn die besagte Site auf? ich finde den Klick zum Linken nicht ... :?:
Auch Motten schmettern links ^^
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Beitrag#5von xund » 5. Aug 2008 03:20

*g* die tiefgründige Seite von 2Öltank :mrgreen:

nix Site :-D
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Beitrag#6von Mentzel » 25. Aug 2008 16:12

Mensch, Tankwart, alter Schwede,

wenn ich gewußt hätte, dass ich beim schreiben so viel nachdenke und auskalkuliere. - Habe ich aber nicht, sondern der Text war das Resultat einer ganz simplen Begegnung auf dem Bonner Bahnhofsvorplatz, als ich dort jemanden traf, den ich seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr gesehen habe. Ich meinte mich zu erinnern, dass ich ihn bereits damals nicht leiden konnte und restlos verschissen hatte er bei mir, als er dann sagte "Eyhm Du hast Dich ja überhaupt nicht verändert! Die gleiche Brille, und abgenommen hast Du inzwischen auch nicht." - Damals trug ich noch keine Brille und war rund 35 kilo leichter.

Darf ich Deine Interpretation übernehmen, falls ich einmal wieder gefragt werde, was ich mit dem Text wohl meinen würde? Sa ja! Bitte!

Dankbare Grüße aus dem Fronttheater,

Thomas
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Beitrag#7von Ich bin zwei Öltanks » 25. Aug 2008 22:08

Sa ja! Bitte!


Aber selbstverständlich, mein ungehobelter, halbblinder, genusssüchtiger Kumpel.
Wenn du glaubst, es hülfe ... :mrgreen:
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Beitrag#8von Mentzel » 26. Aug 2008 10:03

Ich bin zwei Öltanks hat geschrieben:
Sa ja! Bitte!


Aber selbstverständlich, mein ungehobelter, halbblinder, genusssüchtiger Kumpel.
Wenn du glaubst, es hülfe ... :mrgreen:


Sag nicht so böse Sachen über mich. Hin und wieder erzählen Menschen, ich könne auch durchaus liebenswert, charmant, freundlich, höflich und zuvorkommend sein!
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Beitrag#9von Ich bin zwei Öltanks » 28. Aug 2008 04:14

Du meinst, man kann nicht genusssüchtig UND liebenswert sein?

Solltest du überdenken.

Arsch.
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Beitrag#10von Mentzel » 28. Aug 2008 12:12

Ich bin ein Doppel-Arsch, äh, nee, *zwei Öltanker* hat geschrieben:Du meinst, man kann nicht genusssüchtig UND liebenswert sein?

Solltest du überdenken.

Arsch.


Das schon. Aber ich bin nicht ungehobelt. Im Gegenteil: Ich bin sogar zusätzlich noch geschliffen.

Merk Dir das.

Sack
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