Heimkehr aus Gradinstal

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#1von Ich bin zwei Öltanks » 3. Dez 2011 05:40

Schreiten mag er durch die Gülle,
halbverwester Leichenschmaus,
drüben, nächst der Sperrmüllfülle,
wuchert friedlich sein Zuhaus.

Kärglich schimmelt die Markise.
Unvermutet morgenschön.
Tief im Herz der Leergutwiese
rammeln Ratten Hertas Fön.

Kotbewehrte Fleecebordüre.
Spermarost frißt Ofenrohr.
Biotop aus Konfitüre.
Fleißig probt der Bremsen Chor.

Wo das Porzellan einst thronte,
gähnt ein großes, schwarzes Loch.
Wandersmann, dein Weg sich lohnte!
Ew'ger Knecht der Zotten Joch.

Zittrig Zinkens Flügel flattern
ob der Ehehälfte Fleisch.
"Man is nie zu doht zum Knattern!
Schlübber runner! Hähm ins Reisch!"
Zuletzt geändert von Ich bin zwei Öltanks am 3. Dez 2011 23:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#2von hg » 3. Dez 2011 08:16

Dass der Führer immer noch so lange Arme hat, das wusste ich nicht. Auch Martin Heidegger und C.G. Jung haben sich an Vaters Brust gelehnt und haben ihre Mittäterschaft nicht bereut. Es gibt halt noch heute Angsthasen, die einen Gehstock brauchen. Würden sie das schwarze Loch nicht beschreiben, darin auch verkommen. Aber ich darf nicht mit dem Finger zeigen, habe ich doch auch im Sandkasten gespielt.
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Re: Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#3von Melusine » 3. Dez 2011 21:22

Hübsch. :mrgreen:
Inhaltlich musste ich im Kontext mit dem inspirationsgebenden Gedicht von Sarina (Maggiatal) an die Piefke-Saga denken, genauer gesagt an deren abstrus-phantastischen letzten Teil. Kennste den?
Und die Gülle erinnert mich an Lothars "planet der pferde".

Was natürlich nicht heißen soll, dass das kein "echter Öltank" wäre. Ist es zweifellos.

Reimtechnisch, soweit ich das beurteilen kann, einwandfrei. Im Gegensatz zu Sarina verzichtest du auf eine Strophe, die aus dem Reimschema ausbricht - was ich bei ihr übrigens nicht als Belebung, sondern eher als handwerkliche Unsauberkeit empfinde.

Ein paar Korinthenkackereien hätt ich:

"drüben, nächst der Sperrmüll Fülle": Das hakt grammatikalisch. Nächst des Sperrmülls Fülle? Oder nächst der Sperrmüllfülle?

"Karge schimmelt die Markise": Öhm ... das ist geschummelt. Nicht schlimm, aber dennoch. Fällt dir da kein Wort ein, das ins Metrum passt, ohne es neologistisch zu zerdehnen? Wie wär's z.B. mit "kärglich"?

"Ewig' Knecht der Zotten Joch": Hmm. "Ew'ger Knecht"?
Zotten musste ich übrigens nachschlagen. Dein analfixierter Wortschatz ist gigantisch. Ohne das Verständnis dieses Wortes hätte ich die ganze Strophe nicht verstanden. ;)


Die Überschrift versteh ich glaub ich auch nicht ganz. Gradinstal = Grad ins Tal? Und/oder klingt da Odin mit an? - Musst du jetzt natürlich nicht erklären, ich spekuliere bloß so vor mich hin.
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Re: Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#4von Ich bin zwei Öltanks » 3. Dez 2011 23:07

Neo ... logistisch?

HAST DU MICH GERADE EINEN NAZITHERAPEUTEN GENANNT?!?!?

Nein, warte ... Charakteristisch für die Neologismen ist, dass die Sprecher sie für eine gewisse Zeit als neu empfinden. Welche lexikalischen Zeichen (noch) Neologismen sind, hängt also auch davon ab, zu welchem Zeitpunkt man den Wortschatz einer Sprache betrachtet oder untersucht.

Karge ... gibbet nich? Ach ...
Kärglich ... nie gehört ... abba ... ok, wird schon stimmen. Bist ja inner Klugscheißerausbildung drinne. :mrgreen:

Das mit "ew'ger" stand O-RI-GI-NAL so drinne, in Version 1 jedenfalls.

Ach, zur Feier des Tages ... ich nehm alle deine Meckerein in die Endfassung auf. Danke, Mellipuss.


... Piefke-Saga ...


Wenn du damit nicht unverschämterweise abwertend auf das Nibelungenlied verweist, kann ich dir leider nicht folgen.



hg hat geschrieben:Aber ich darf nicht mit dem Finger zeigen, habe ich doch auch im Sandkasten gespielt.


Hab ich früher auch, keine Sorge. Mit 4 oder so. Wegen der vielen Spinnen im Kasten hab ichs dann irgendwann sein lassen.
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Re: Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#5von Melusine » 4. Dez 2011 00:25

Nichts läge mir näher, als unverschämterweise abwertend auf das Nibelungenlied zu verweisen, aber in diesem Falle war das nicht der Fall. Ich meinte dasdahier: http://de.wikipedia.org/wiki/Piefke-Saga
Ist vielleicht schon zu alt (1990/93), bzw. dürfte sich in Deutschland erheblich geringerer Beliebtheit erfreut haben als in Österreich. Obwohl die Ösis darin um keinen Deut besser weggkommen als die "Piefkes".


Also ... "karge" gibt's schon (karge Kost zum Beispiel), bloß nicht als Adverb, soviel ich weiß. :) Da heißt es halt einfach "karg", ohne e hintendran. "Kärglich" ist sowas wie "ärmlich". Das hat jetzt nix mit Klugscheißerausbildung zu tun, die bezieht sich ja lediglich auf Gedichtinterpretationen. Grammatikalisch konnte ich schon immer gut klugscheißen. ;)

(Und wie du vermutlich gemerkt haben dürftest, war "neologistisch" in sich selbst ein Neologismus.)
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Re: Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#6von Ich bin zwei Öltanks » 4. Dez 2011 00:43

Hey, der Trailer dazu sieht interessant aus. Aber meine üblichen Piraterie-Quellen taugen in der Hinsicht wenig. Im TV lief die Nummer letztes Mal Sylvester 2006 ... wird doch bald ma wieder Zeit für, wa? Kaufen möcht ichs dann doch ungerne ... danke jedenfalls für den Tipp. Kann die "mechanischen Kühe" kaum erwarten. :mrgreen:
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Re: Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#7von hg » 5. Dez 2011 18:07

Ich bin zwei Öltanks hat geschrieben:Neo ... logistisch?

HAST DU MICH GERADE EINEN NAZITHERAPEUTEN GENANNT?!?!?

Nein, warte ... Charakteristisch für die Neologismen ist, dass die Sprecher sie für eine gewisse Zeit als neu empfinden. Welche lexikalischen Zeichen (noch) Neologismen sind, hängt also auch davon ab, zu welchem Zeitpunkt man den Wortschatz einer Sprache betrachtet oder untersucht.

Karge ... gibbet nich? Ach ...
Kärglich ... nie gehört ... abba ... ok, wird schon stimmen. Bist ja inner Klugscheißerausbildung drinne. :mrgreen:

Das mit "ew'ger" stand O-RI-GI-NAL so drinne, in Version 1 jedenfalls.

Ach, zur Feier des Tages ... ich nehm alle deine Meckerein in die Endfassung auf. Danke, Mellipuss.


... Piefke-Saga ...


Wenn du damit nicht unverschämterweise abwertend auf das Nibelungenlied verweist, kann ich dir leider nicht folgen.



hg hat geschrieben:Aber ich darf nicht mit dem Finger zeigen, habe ich doch auch im Sandkasten gespielt.


Hab ich früher auch, keine Sorge. Mit 4 oder so. Wegen der vielen Spinnen im Kasten hab ichs dann irgendwann sein lassen.


Chapeau, gut gesagt, ich habe schon viel gelernt von Dir. Sehr gut, nur; ich verstehe nicht, Du bist weder Heidegger noch Jung. Ich habe auch nicht daran gedacht. Du bist kein Therapeut, wenn ich das sagen darf, nein ganz gewiss nicht. Nur dieses Lied, weil es Dir lieb ist, muss ich ja nicht mögen. Ja, ich gebe es zu, auf Neologismen dieser Art reagiere unbesonnen, tut mir leid.
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Re: Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#8von Melusine » 5. Dez 2011 18:18

Ähm ... hg, das ging an mich. War auf "neologistisch" bezogen. Mach dir keinen Kopf, du musst Öli nicht verstehen. Es reicht, wenn ich ihn verstehe, wenn er mit mir redet. ;)
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Re: Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#9von hg » 5. Dez 2011 19:05

O.?k. danke für die Nachricht. 2 Öltanks gleicht mir bis aufs Blut, einfach auf der anderen Seite.
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Re: Heimkehr aus Gradinstal

Beitrag#10von silbergrau » 6. Dez 2011 11:06

Hmmm ... ja, nett.

Ich vermute hinter Gradinstal ein Anadingens zu Stalingrad, würde passen :-)

Und die Piefke-Saga hab ich geliebt ... ^-^
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