Kinderwelt

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Kinderwelt

Beitrag#1von Jakob » 29. Jun 2007 17:45

Hinter Wohnblock Kälte trägst
du deine Träume in
ein Spielsandgrab.
Plastik Puppen Augen
starren in die Leere
deines Schweigens.

Wutgeschrei der Eltern zwängt
dich in dein Zimmer, stumm
verblasst im kalten Scheibendunst
das Lachgesicht am Fenster.
Kinderlieder rinnen
ohne Klang.

Aus dem Puppenbett das Kunststoff Lächeln
schleicht mit dir in dein Versteck.
Mit Tüchern schweigst du dein Geheimnis
in ein Zauber Zelt
und aus tausendfach erschaffener Welt
quillt hinaus dein Kinderlachen.
Jakob
 

Beitrag#2von timo » 3. Jul 2007 10:13

tja. das ist natürlich ein kalter, gehackter still
für ein "beengendes" thema. die durchführung klappt
und gerade das stockende verlangt aufmerksamkeit
in die zeilen kann man sich schlecht flüchten, wie ich es gewohnt
bin vom rhythmischen, lyrischen wellen. man stellt sich schnell ein
auf die brandung, aus der es keinen blick aufs meer gibt
nur endlose wüste.
timo
 

Beitrag#3von kata » 16. Jul 2007 10:45

bin vor kurzem umgezogen
das erste was ich in der straße sah, waren unzählige katzen
stillschweigend fragte ich mich: Wo sind die Kinder?

Dein Thema läßt nachdenken
lg kata
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Beitrag#4von Minouche » 11. Aug 2007 00:55

Hallo Jakob.

Starke Bilder in deinem Gedicht. Du trägst die Kälte durch die Zeilen, bis du das Kind im Spielzimmer verrotten lässt, ungehört und nicht wahrgenommen von Umwelt und Eltern.

Gehackter Stil? Nö. Finde ich nicht. Hier geht es um das Zerhackte von Seelen.
Der Stil spiegelt das wider. Das finde ich völlig in Ordnung.

Die Wortwahl passt meines Erachtens sehr gut und auch die Aneinanderreihung groß geschriebener Worte, die mich anfangs stolpern ließ. Aber das nennt man künstlerische Freiheit, und ich finde das ist dann auch okay, da ich denke, dass dies gewollt ist.

Ein trauriges Gedicht, Jakob. Das Kinderlachen trügt. Es gibt keine Hoffnung. Mir wurde komisch beim Lesen. Ich habe zwei Kinder.
Und ich wohne in einem Block mit sechs lieben Nachbarparteien.
Es ist warm bei uns, meine Kinder lachen und lärmen, bunte Blumen kleben an den Scheiben und Kuscheln ist Chefsache.

Nachdenklich bin ich.

Liebe Grüße,
Minouche
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
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