Leben überleben

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Leben überleben

Beitrag#1von Antonia » 30. Aug 2008 20:59

Du bist wie eine Sanduhr
die unermüdlich läuft
lautlos Kopf steht.

Deine gore-tex Seele
lässt Berührungen
nur oberflächlich zu

Verkleideter Statist
in der Hauptrolle
deines Low-Budget-Lebens

bis die Klappe fällt
wirst du daran glauben,
dass Überleben reicht.
Antonia
 

Beitrag#2von Melusine » 30. Aug 2008 21:35

Hey, wow! Gefällt mir gut! Schön verdichtet. Ich kann was mit deinen Bildern anfangen, finde sie unkonventionell und dennoch gut verständlich.

Am besten gefällt mir die "gore-tex-Seele", an der alles abperlt ...
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Beitrag#3von Ich bin zwei Öltanks » 31. Aug 2008 16:08

Verkleideter Statist
in der Hauptrolle
deines Low-Budget-Lebens


Hauptrolle is schon klar. Schließlich isses ja SEIN Low-Budget-Leben (womit du hoffentlich nich zum Ausdruck bringen willst, daß nur wohlhabender Mensch als solches erfüllt zu leben vermag), aber wieso isser nun gleichzeitig verkleideter Statist?
Als wäre augenscheinlicher Betrug notwendig, um die Hauptrolle zu kriegen. Arzt und Dämon?! Merkwürdig.
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Beitrag#4von Antonia » 31. Aug 2008 18:41

Low-Budget ist natürlich nicht finanziell gemeint. Statist, weil er nicht am Leben teilnimmt, sondern immer daneben zu stehen scheint. Als würde er sein eigenes Leben (Hauptrolle) von außen betrachten und wie einem Drehbuch folgend (Gesellschaft) handelt.

Vastehste? :green_107:
Antonia
 

Beitrag#5von Ich bin zwei Öltanks » 31. Aug 2008 18:58

Ja. Jetzt.

Öhm ...

Nö, doch nich.

Du verhedderst dich in deinen Bildern, glaub ich.
Nach Drehbuch spielen Schauspieler immer, auch Statisten. Das is ein ganz wesentlicher Teil ihrer Arbeit. Dem Hauptdarsteller vorzuwerfen, seine Rolle nach Drehbuchangaben zu gestalten, wäre töricht. Wenn du ein (einzelnes, spezifisches) Menschenleben mit einem Schauspiel und den Lebenden mit der Hauptrolle gleichsetzt, wird das "Drehbuch" ganz automatisch zur unabänderlichen Richtlinie, für alle Teilnehmer.

Der Statist nämlich betrachtet das Schauspiel keineswegs von außen, er ist ebenso beteiligt, also auch gleichermaßen befangen in seiner Perspektive. Nur der tatsächlich Unbeteiligte, also etwa der im Publikum sitzende Zuschauer, kann dieser Befangenheit entgegensteuern oder sie überhaupt als Befangenheit begreifen.
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Beitrag#6von Antonia » 31. Aug 2008 19:07

Das Drehbuch haben aber viele Leute geschrieben (Gesellschaft). Und wir wissen ja, zu viele Köche verderben den Brei. Und das Problem:
Er spielt in diesem Stück eine Rolle, für die er nicht bezahlt wird, die ihm keinen Ruhm und keine Ehre einbringt und die ihn nicht befriedigt (er überlebt nur).

Vorzuwerfen ist ihm, dass er bei diesem blöden Stück überhaupt mitspielt.
Antonia
 

Beitrag#7von Melusine » 31. Aug 2008 19:24

Also ich hatte das in etwa so verstanden, wie Antonia es erklärt. Ich finde das wird aus dem Gedicht klar.

Ein kläglicher Statist im Alltagsleben, der sich für was Besseres hält.... oder so.
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Beitrag#8von Antonia » 31. Aug 2008 19:27

Öltank wird es bestimmt auch irgendwann verstehen. Ich bin da ganz zuversichtlich. :lol:
Antonia
 

Beitrag#9von Ich bin zwei Öltanks » 31. Aug 2008 19:31

Das Drehbuch haben aber viele Leute geschrieben (Gesellschaft). Und wir wissen ja, zu viele Köche verderben den Brei.


Die Gesellschaft schreibt nicht das "Drehbuch" fürs Leben. Allerhöchstens einzelne Kapitel. Außerdem muß sich der Darsteller ans Drehbuch halten, egal, ob es ihm gefällt oder nich. Deswegen is auch das ganze Bild in meinen Augen instabil: der Darsteller strebt nicht nach Verbesserung des Drehbuches, das tut nur der Autor. Der Darsteller versucht, die Vorgaben des Drehbuchs bestmöglichst umzusetzen. Innerhalb des Bildes greift eventuell noch das Prinzip des Wechsels ... wenn der Darsteller mit einem Buch nicht einverstanden is, sucht er sich eben ein anderes Stück ... aber sobald der Realitätsbezug einsetzt, paßt der Vergleich nich mehr. Es ist nicht möglich, nach Gutdünken ein anderes Leben zu wählen, man kann nur versuchen, das Beste aus jenem einen einzigen Leben rauszuholen, das man eben nun mal lebt.
Der Schauspieler macht demnach alles richtig, gibt nix zu beanstanden.
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Beitrag#10von Antonia » 31. Aug 2008 19:39

Ich bin zwei Öltanks hat geschrieben:
Das Drehbuch haben aber viele Leute geschrieben (Gesellschaft). Und wir wissen ja, zu viele Köche verderben den Brei.


Es ist nicht möglich, nach Gutdünken ein anderes Leben zu wählen, man kann nur versuchen, das Beste aus jenem einen einzigen Leben rauszuholen, das man eben nun mal lebt.
.


Einspruch. Man hat immer die Wahl. Jedenfalls so, wie ich es meine..
Antonia
 

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