Leprechaun

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Leprechaun

Beitrag#1von Melusine » 25. Jan 2007 03:03

.

Frühlingssonnengold, Katzensilberstrahlen
mit beiden Beinen fest auf Wolke Sieben, kopfüber
eine Sternschnuppe verschluckt
Drachengold in Höhlen
bewacht von kleinen grünen Männern, die Schuhe machen
immer nur einen
immer nur einen
Froschkönig isst Frühstücksfliegen
ganz gesittet
mit Messer und Gabel
Rapunzel schneidet sich das Haar ab und schleudert den Prinzen
angeekelt vom Turm
der Narr sitzt einsam auf einem Stein
er jongliert mit drei goldenen Bällen
sie wiegen ungleich schwer, so dass
immer einer herunterfällt, er weiß nicht welcher
lass die Finger von der Schellenkönigin, Narr
das Leben ist ein Ringelspiel
der Bär schläft vor meinem Herdfeuer und schnarcht leise
er wärmt sich den zerrupften Pelz
manchmal schneit es im April
draußen vor der Tür heulen
paarungswillige Wildkatzen



(April 2006)


/edit: "Männchen" zu "Männern" geändert.
Zuletzt geändert von Melusine am 29. Jan 2011 05:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag#2von Zefira » 25. Jan 2007 09:55

Liebe Mel,

jetzt habe ich wieder was gelernt, ich dachte nämlich immer, Leprechaun sei eine Horrorgestalt. Wegen des gleichnamigen Films (den ich allerdings nur dem Titel nach kenne) und wohl auch, weil der Name an Lepra erinnert,
Habe bei Wiki nachgesehen und weiß nun Bescheid.

Das ist ein schönes, stimmmungsvolles Sagenbild - nur die "kleinen grünen Männchen" würde ich och mal überdenken. Abgesehen von der Tautologie (Männchen sind immer klein, sonst wären es Männer) denken die meisten Leser automatisch erst mal an Marsmenschen.

Lieben Gruß
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Beitrag#3von Melusine » 25. Jan 2007 19:37

Hmm. Mit den kleinen grünen Männchen hast du wohl Recht. Ich weiß nicht mehr, ob das damals beabsichtigt war, der Marsmännchenanklang. Ist ja schon eine Weile her, dass ich's geschrieben habe.
Das Ganze ist eine Art Collage aus Zitaten und Anspielungen, es entstand aber ziemlich spontan.

Der Film "Leprechaun" kam mir zwar auch unter, hat aber nichts mit der irischen Sagengestalt zu tun. Darauf kam ich mal, weil der Protagonist meines immer noch fragmentarischen Romans irischer Abstammung ist, deshalb recherchierte ich ein paar Sachen über "typisch Irisches".

Die "Schellenkönigin" = Karo-Königin = Queen of Diamonds - Eagles, Desperado:

Don’t you draw the queen of diamonds, boy
She’ll beat you if she’s able
You know the queen of hearts is always your best bet

Now it seems to me, some fine things
Have been laid upon your table
But you only want the ones that you can’t get



---

Was hieltest du von "kleinen grünen Männern"?
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Beitrag#4von Zefira » 25. Jan 2007 23:15

Das ist interessant, Mel - ich habe gerade mal wieder Thomas Hardy gelesen, "Tess of the d'Urbervilles". Da gibt es eine Frau, die "Carokönigin" genannt wird. Der Roman spielt im ländlichen Milieu, die Hauptperson Tess ist zum Beispiel Milchmagd. Es gibt da eine Szene, in der Tess und ein paar andere Mägde nach einem Besuch auf dem Markt nachts zusammen über die Landstraße nach Hause gehen. (Lange Märsche, auch im Dunkeln, und Eisenbahnfahrten sind für Hardy charakteristisch.) Die Carokönigin hat einen Korb voll Kram gekauft, den sie der Bequemlichkeit halber auf dem Kopf trägt. Darunter ist ein großer Krug Honig. Als sie einmal stolpert, geht der Krug kaputt, ohne dass sie es merkt. Beim Weitergehen haben die hinter ihr laufenden Mädchen plötzlich den Eindruck, dass sich ein dicker, im Mondlicht dunkel glänzender Zopf von ihrem Kopf herab den Rücken hinunterschlängelt und im Rückenausschnitt ihres Kleides verschwindet.

Es ist natürlich der Honig, der ausläuft. Trotzdem ist diese Stelle sehr gruselig, ohne dass ich sagen könnte warum. Hardy hat's einfach drauf.

Im Tarot gilt die Schellenkönigin (=Königin der Münzen) übrigens als Hausfrauen- und Hausmutterbild.

Bild

Die Adjektivdoppelung "kleine grüne Männer" gefällt mir auch nicht, ich würde eher zu grünen Männchen tendieren. Oder grünen Zwergen.

Herrlich, in diesen Bildern zu stöbern. Das macht richtig Schreiblaune.

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Beitrag#5von Melusine » 25. Jan 2007 23:36

Hm. Grüne Zwerge? Nein, ich glaub grüne Männchen gefallen mir besser. Mal nachdenken.

Ich dachte übrigens an deutsche Schnapskarten, nicht an Tarot. Assoziation war Narr - Schellenkappe.

Hab irgendwo ein Buch von Th. Hardy, angefangen, nicht fertiggelesen, irgendwie reizte es mich nicht so wahnsinnig. (Original englisch.) War aber was anderes, nicht "Tess of the d'Urbervilles", ich glaub das ist sein bekanntestes Werk.
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Beitrag#6von Zefira » 26. Jan 2007 00:18

Ich dachte übrigens an deutsche Schnapskarten


... ja, das ist schon klar, im Tarot gibt es ja keine Schellen. Die entsprechenden Karten haben dort Münzen als Symbol.

Aber die überkommenen Bedeutungen sind ja immer die gleichen, auch im heute üblichen Spielkartendeck.

Die Kartensymbolik ist schon faszinierend. Irgendwo bei Gustav Meyrink gibt es eine Stelle, wo ein jüdischer Gelehrter behauptet, dass man aus dem Tarot die ganze Kabbala lernen könnte. Ein Bekannter empört sich, dass der Sohar, das Hauptwerk der Kabbala, für den Normalbürger so schwer zugänglich sei (das gilt heute wohl nicht mehr) und der Gelehrte antwortet darauf, man müsse sich das Buch Sohar nicht anschaffen, ein Tarotspiel reicht.

Na ja, ich kann mir das eh nie alles einpauken, bei mir reicht's immer nur bis zum Kreuzworträtselwissen.

Abgeklärte Grüße
Zefira

ps. Was es vielleicht "Jude the Obscure", was Du gelesen hast?
Ich liebe Thomas Hardy, überhaupt die Autoren des 19. Jahrhunderts. Aber man muss viel Zeit mitbringen ... ich stricke ja immer beim Lesen, deshalb hab' ich auch ein Strickblog ... :roll:
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