Mein eintöniges Hiersein

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Mein eintöniges Hiersein

Beitrag#1von Prosaiker » 24. Nov 2006 18:54

.
.

Sieh mich an
mein weißer Hund
wenn mich die Mücken stechen

wenn draußen, wie du sagst
der Winter schon verstirbt

Sieh mich an
mit deinem Schwarz
hier gibt es keine Laken

oder Sauerstoff zum Leben
oder Beine, die mich tragen

Sieh mich an
nur eine Weile
und lecke mir die Hand

damit ich gleich
in dieser Zeile - in Ruhe schlafen kann
.
.
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Beitrag#2von Gast » 24. Nov 2006 19:08

eine scharf gezeichnete Skizze des Lebens...

wieder mal

gelungen mit Worten gemalt
Gast
 

Beitrag#3von Prosaiker » 24. Nov 2006 19:10

danke, casy. es ist immerhin ein bild, das einen abschnitt des lebens darstellt. das ganze leben - wäre zuviel.

vg,
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Beitrag#4von Gast » 24. Nov 2006 20:13

das gedicht schwingt.
Gast
 

Beitrag#5von Dani » 24. Nov 2006 21:00

Hallo Prosa,
ich mag mich gar nicht mehr richtig hineinfühlen, es macht mir Angst, schreckliche Angst. Diese Passivität; irgendwie gebrochen dadurch, dass es ein Ich-Erzähler ist. Großartig. Und wie bereits angedeutet: Ich kriege das Gefühl nicht weg, niemals so sein zu wollen.
Mit diesem Gedicht hast du mich voll erwischt.
LG, Dani
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Beitrag#6von Prosaiker » 25. Nov 2006 14:51

danke.

ja, das gedicht schwingt, bonanza, und immer mehr zum ende hin.
ich fand gefallen am liedhaften und hatte, obschon dieser text nichts mit ihm zu tun hat,
den gernhardt im kopf. meine texte neigen momentan zu einer leichteren form.
da ist ein unterschied gegenüber den rein optisch schon wuchtigen gedichten
zu beginn dieses jahres.

dani: aber dennoch ist auch eine form der resignativen hoffnung in diesem text - vielleicht eine hoffnung, die ihr hoffen aus der resignation bezieht.
es ist wohl etwas wie die akzeptanz des lebens; beziehungsweise dessen, was wir sonst
eben nicht zum leben zählen.

vg,
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Beitrag#7von Dani » 27. Nov 2006 15:03

Ja, aber das ist mir momentan einfach ein bisschen unheimlich. Ich bin noch nicht friedlich mit dem Gedanken an das Sterben vereint, um es mal so zu sagen. Vor meinem Studium habe ich selbst eine kurze Zeit in der mobilen Pflege gearbeitet. Da war ich es vielleicht noch eher. Zur Zeit kann ich gerade nichts Schöne darin entdecken.
Ein Kompliment für dein Gedicht auf jeden Fall, weil es sehr tief geht. Bei mir zumindest.
LG, D.
Zuletzt geändert von Dani am 3. Dez 2006 15:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag#8von Prosaiker » 3. Dez 2006 15:23

danke nochmal. der tod wird wohl immer spannender gemacht, als er ist; das hat unser leben naturgemäß an sich. verfluchter tod. eine weile bleibt uns noch - und wenn wir dann gestorben sind, interessierts uns auch nicht mehr.

vg,
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