Mimrose

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Mimrose

Beitrag#1von utensil » 13. Nov 2011 03:47

Mimrose

ungläubig
mag ich dich berühren
keinen kelch abreißen
doch meine hand
gereicht dir jäh zum streich
schon ziehst du
deine
blüten-
blätter
ein,
allein
nur
fasse ich ins grün,
weiß nun gibt es kratzer
wie von
dornen
ohne
rosen
rot
Nichts ist weniger ergründbar als die Komplexität und der Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen, und seien es Liebesbeziehungen.
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Re: Mimrose

Beitrag#2von Ich bin zwei Öltanks » 24. Nov 2011 15:12

Eine Ode ans kitschige Grünzeug?
Oder möglicherweise Ausdruck einer Art Haß-Liebe-Beziehung?
Gehts um Vergänglichkeit der Schönheit? Oder Häßlichkeit derselben?

Man kann vieles "durch die Blume" sagen, auch sehen. Auch ich sprach vieles durch die Rose.
Wie auch immer ...

... ich kreise schon seit Tagen um diesen Text wie ein Geier, der nicht genau weiß, ob da Appetitliches oder Unverdauliches auf ihn einwirkt. So gehts mir mit den meisten Texten von utensil. Man ahnt, möglicherweise unbewußt, da is was Besonderes. Und dann versucht man, diesen Eindruck von der emotionalen Ebene auf die rationale zu heben und scheitert ein ums andere Mal. Das allein bedeutet freilich nich, daß dat Besondere dadurch entwertet werden könnte.

Ist es die optische Form, die mich persönlich eher an einen Dolch erinnert? Das (verunglückte?) Wortspiel im Titel? Oder sind es die sprachlichen Bilder, die ich nur teilweise navchvollziehen bzw. "fühlen" kann?
Der besondere Funke wird erstickt durch unausgereiften Ausdruck, finde ich.
Die Rose blüht noch nicht. Aber das wird. Potential ist genügend vorhanden.
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Re: Mimrose

Beitrag#3von Melusine » 24. Nov 2011 17:52

Ha, ich merke gerade, dass ich mir wesentlich leichter tue, ein Gedicht zu kommentieren, wenn es schon einen Kommentar gibt, bei dem ich einhaken kann.

Dass die Form optisch an einen Dolch erinnert, finde ich interessant. Hätte ich nicht so gesehen, aber jetzt wo du's sagst ... stimmt. Könnte sogar Absicht sein. Ich hätte es als Blüte und unten als Dorn gesehen, in der Mitte Blätter.

Ob das Wortspiel im Titel gelungen ist oder nicht, sei mal dahingestellt - verständlich ist es jedenfalls. Finde ich.

Das lyrische Ich versucht das lyrische Du vorsichtig zu berühren - ungläubig (wie der ungläubige Thomas, der Jesu Wunden berühren musste, um zu glauben), wahrscheinlich auch staunend, neugierig, wissenwollend.
Das lyrische Du ist empfindlich, verletzlich, misstrauisch, macht selbst bei der zartesten Berührung sofort zu - und zeigt nach außenhin Stacheln / Dornen, an denen das lyrische Ich sich nun verletzt.
Möglicherweise - das bleibt offen - weil es (das lyrische Ich) halt doch zu kräftig zugefasst hat.
Der Schluss - "wie von dornen ohne rosen/rot" drückt Enttäuschung aus. Keine schöne Rose, nur Kratzer. Rot steht wohl für Blut/Verletzung.
Ein wenig schwingt da natürlich auch das Heideröslein mit: "Und der wilde Knabe brach / 's Röslein auf der Heiden / Röslein wehrte sich und stach ..."


Ich kenne solche "Mimrosen". Die muss man halt gaaaanz vorsichtig anfassen, damit sie nicht stechen. :)
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Re: Mimrose

Beitrag#4von hg » 15. Jan 2012 10:42

Utensil hat ganz recht, sie beschreibt die Wirklichkeit, eine Erfahrung die ich teilen kann.
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