NICHT DABEI

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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NICHT DABEI

Beitrag#1von Fritz Rainer Polter » 2. Mai 2010 14:22

02.05.2010

NICHT DABEI



In Zweifels Falle: Nein.
Nicht dabei.
Geblieben, gemieden.
Seid ohne mich. Weniger. Mehr.
Ich hebe die Stimmung:
- entferne mich. Entwohne Personen.
Von mir. Auf Distanz.
Auf Entzug: Mensch. End-Zug.
Nie, und doch, stets, immer, genug.
Lasse: Los, finde Halt
am Signalpunkt Klippe, und Rand.
Halte: Not, notiere mich, Note, justiere
dich. Ohne mich. Denn es treibt, leibt mich aus.

Das bin ich, dieser Sog,
in negierende Stille.
Kein Kraftfeld zum Wir.
Und antimagnetisch, absorbiert,
aus dem Zentrum fugiert
an den Rand einer
Wolfsschlucht der Seele.

Und ich will micht nicht redend.
Will dir nichts je erklären.
Wortlos hätte es, ja, doch, stets, nur, nein.
Ich kämpfe nicht. Dies mache dir klar.
Mein Schweigen? Ja!
Und tausendmal Ja, als mein stiller Stolz.
Als mein Nein. Als ein Feuerholz deiner Seele.

Ihr werdet mich nicht vermessen,
doch alsbald vergessen.
Ich werde mich nicht vermissen.
Dies ist mein Leben ohne mich.
Nicht anheim, nicht dabei.
Nur schattierender Gast ohne Spuren
in verblassten Konturen.
Im Zweifel,...falle ich...mir nicht mehr...ein.

Copyright © 2010 by Fritz Rainer Polter
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#2von Gast » 2. Mai 2010 16:29

:-? meine güte 8) so ein 'in meiner hose ist mai' gedicht ist das ja nicht grade; was schreibst du im november :idea: oder in fußball leehre zeit :?:

:arrow:
Gast
 

Beitrag#3von Fritz Rainer Polter » 2. Mai 2010 17:26

(er)lass mir doch den Opti-Mist.
Kinski sagte mal zu Herzog, die einzige Landschaft, die es zu beschreiben
lohne, sei das menschliche Gesicht. In Anwandlung wessen?
sage ich zu Dir: Die einzige Jahreszeit, die es zu berichten verdichten lohne,
ist die menschliche Seele. Außerdem trauere ich immer noch um Hertha Elsa.
Meine Graue. Trau're Du um die weiß/blaue. Dame.
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#4von Schöngeist » 3. Mai 2010 17:41

Ja, sehr assoziativ, dein Gedicht. Als käme es direkt aus dem Zufallsgenerator. Nur zwischendurch erahnt man die steuernde Hand eines denkenden, dichtenden Wesens, z.B bei der ganzen zweiten Strophe – und ganz am Schluss – übrigens meine Lieblingsstelle, trotzdem.

Hast du bei francois celavy einen Meisterkurs besucht?
Schöngeist
 

Beitrag#5von Fritz Rainer Polter » 3. Mai 2010 17:59

tja, schöhngeyst;
mein zeug ist vielleicht - wie das des francois -
sehr, sehr privat, - aber sonst?
ihm gelingt es zumeist, ein wort mehrfach asoziierend
zu verdichten. beispiel: gedankenbekäumnis:
kaum gedanken/Gedankenkeime
und die Vorsilbe "be" - bedeutet dranrummachen,
also stellt er 3 ebenen her,
ich hingegen bleibe sehr eindimensional
das ist genial, (von ihm) aber auch etwas verspielt,
und zum spielen bin ich derzeit zu depressiv...
außerdem ist er: er - und ich bin ich
natürlich mag ich seine kunst, dinge
auf ihren geringsten gemeinsamen nenner zu verdichten, aber
der francois erkennt da bestimmt nichts wieder von sich hindrinnen bei mir...

stimmt, ich habe es fließen lassen, kein zufall dabei,
aber auch keine grenzen gesetzt,
es erschien mir sehr unfertig,
wie ein fluß, der sich sein bett sucht...

aus dem zufallsgenerator der einsilbigkeit meiner trüben maiseele,
gefällt mir das? ich denke drüber...wie der engländer sagt....

mittlerweile sieht's so aus im one-lonely-man-seminar:

02.05.2010

NICHT DABEI

In Zweifels Falle
Nicht dabei
Ich entwohne Personen
Auf End-Zug: Distanz
Nie und doch stets genug
Fermatiere justiere notiere
Denn es treibt, leibt mich aus

Das bin ich dieser Sog
in negierende Stille
Kein Kraftfeld zum Wir
Magnetisch verstoßen
von Anbeginn
aus dem Zentrum fugiert
hin zum Rand meiner
Wolfsschlucht der Seele

Dies ist mein Leben ohne mich
Nicht anheim nicht dabei
Will mich dringend vermissen, kehre nicht ein
Nur schattierender Gast ohne Spuren
in verblassten Konturen wil ich mir sein

Und ich will nicht reden will nichts je erklären
will nicht wollen noch wärmen noch wehren
Denn ich bin nur das Feuerholz deiner Seele
Doch du sollst dich vermessen und mich vergessen
Und im Zweifel...falle ich...mir... nicht mehr...ein


Copyright © 2010 by Fritz Rainer Polter
Zuletzt geändert von Fritz Rainer Polter am 4. Mai 2010 21:18, insgesamt 2-mal geändert.
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#6von Schöngeist » 4. Mai 2010 20:55

Pardon, Fritz Rainier, wollte dir mit meiner etwas flapsigen Bemerkung nicht am Zeug herumflicken, jedenfalls nicht im Sinne einer Herabwürdigung deiner Schreibe, die ich – mehr noch an anderen Stellen des Forums – sehr schätze.

Die vorwitzige Rotzgörenschnauze habe ich übrigens hierselbst gelernt. Noch vor einem halben Jahr war ich diesbezüglich recht eigentlich ein Waisenknabe. (Drum auch mein bescheuerter Nick, der mich inzwischen bis in meine schlimmsten Träume verfolgt.) Die LiterarchInnen haben mich verdorben. Sie sind schuld, nicht ich, dass ich zu jeder passenden Gelegenheit meine Schein-Erkenntnisse und Halbwahrheiten herausposaunen zu müssen meine.

Interessant übrigens deine Erläuterungen zu francois' Poetik. Für mich jedenfalls geradezu ein Türöffner zu seinen Texten.
Schöngeist
 

Beitrag#7von Der Ohrenschützer » 4. Mai 2010 21:18

Du kannst dich aber gerne auch in "errötender Frechdachs" umbenennen lassen. Unsere großartige Admine macht das gratis mit Knicks und Verbeugung. :-P
[img]/uimg/userpix/176/75_frechdachs_rot_kl_1.jpg[/img]
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Beitrag#8von Fritz Rainer Polter » 4. Mai 2010 21:25

ich habe damit keine probleme
es war mal wieder ein experiment, mich von der
kette zu nehmen. da ich mittlerweile beinah jeden
tag ein gedicht schreibe, weiß ich ganz gut, das viel
ausschuß dabei ist. sein muß. am ende des haares jahres
bleiben dann vielleicht nur 20 übrig, wenn überhaupt...

als wassermann muß ich mich der notwendigkeit beugen,
die produkte meiner seele durch die ratio handzubewerkeln
wie heißt es so schön: eine zeile (nicht unbedingt die erste)
schenkt der liebe gott. der rest ist harte arbeit....

schöhn, dass ich Dir etwas mehr geyst in des francois' sachen
belichten konnte, vielleicht darf ich darauf hin für ihn mal ein
vorwort schreiben zu einem buch? wer weiß....
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#9von Melusine » 4. Mai 2010 22:20

Mir gefällt das Gedicht sehr gut. Ich glaube, die Erstfassung mag ich lieber. Solch spontane literarische Ergüsse lassen sich nur schlecht überarbeiten, sie neigen dazu, dabei an Spontaneität zu verlieren.
(Aber ich versteh was du meinst. Bin auch so eine Mischung aus emotional und Kopfmensch.)


Und ich freu mich wie eine Schneekönigin, wenn ihr euch gegenseitig befruchtet und über eure Texte so locker diskutiert. Genau sowas hatte ich mir immer vorgestellt, super wenn's funktioniert! (Bin selber derzeit leider ziemlich unkreativ... aber das wird sich hoffentlich auch mal wieder ändern.)

Schöngeist hat geschrieben:Die LiterarchInnen haben mich verdorben.

:mrgreen:
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