Ode an Locutus

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Beitrag#11von Melusine » 29. Apr 2008 01:05

Hatschi!!! Was soll ich denn auch mit Patriotismus? In unserer Bundeshymne heißt es: "Heimat bist du großer Söhne". Die kleinen Töchter werden auf dem Locus notdürftig ihrer Bürgerpflichten entbunden ... oder so ;).

Das dürfte dir schon besser gefallen.

Nö. So spannend die ursprüngliche Geschichte auch gewesen sein mag - in der Entstehungszeit des Sachsenlieds (um 1930, hab nachgelesen) wurde sie ganz klar politisch instrumentalisiert. Sachsen = Deutsche, Franken = Aliierte (besonders natürlich die Franzosen als "Erbfeind") = "Unterdrücker". Da war dann noch die "Dolchstoßlegende" ... die deutsche Armee wurde ja eigentlich unbesiegt geschlagen, schuld an der Niederlage 1918 waren die Soziademokraten ... und mal ganz ehrlich, Widukind war ein Aristokrat, der hätte bestimmt nicht SPD gewählt. Auch schon vor Schröder nicht.

Aber Pop- und Punkvarianten von Hymnen können schon geil sein, klar - siehe Jimi Hendrix ;).
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Beitrag#12von Ich bin zwei Öltanks » 29. Apr 2008 03:37

Das "Sachsenlied" ist nicht identisch mit dem "Niedersachsenlied".
Ich nehme aber an, daß wir vom selben Text sprechen.

Mit dem "Wählen" hatte man es im ersten Jahrtausend flächendeckend tatsächlich noch nich so. Der Vergleich is gemein. :-P
Instrumentalisiert wurde um 1930 so ziemlich alles, Musik, Sport, Film ... natürlich liegt deine Interpretation nahe, trotzdem ist die Thematik des Liedes eindeutig nicht an "aktuelle" Ereignisse gemahnt. "Im Zweifelsfall immer aufs dritte Reich beziehen", war bei uns unbedarften Teens inoffizielle Faustregel bei Interpretationsaufgaben im Deutschunterricht. Damit lag man meistens richtig, nur blöd, wenn sich unversehens Stoff drunter mischte, der weit vor Hitlers Geburt entstanden war. Klar, für den unbeteiligten Zuschauer immer sehr lustig ... :-D

Das Niedersachsenlied ist harmlos.
Es stimmt, die NPD singt es zu jeder sich bietenden Gelegenheit, nicht zuletzt wegen des "Heil" im volkskompatiblen Abgang.
Aber auch die jungen Christdemokraten stimmen es bei ihren Versammlungen an, es wird gespielt auf Festen und zu unterschiedlichsten öffentlichen Veranstaltungen.
Geschmacksache, sicherlich, aber nix Böses.

Nicht wirklich böse war übrigens auch der Text der deutschen Nationalhymne gemeint, obwohl in unseren Breiten oft und gerne davon ausgegangen wird, es sei tatsächlich bei Strafe verboten, diese in der Öffentlichkeit am Stück durchzujaulen. Auch durch die Ereignisse "um 1930" negativ eingefärbt, wollten die 1841 verfaßten Zeilen "Deutschland, Deutschland über alles" keinesfalls einen Weltherrschaftsgedanken ausdrücken, sondern als versöhnlichen Aufruf die Einheit sämtlicher deutschsprachigen Gebiete über quertreibendes politisches Geplänkel derselben untereinander erheben. Ein schönes Beispiel für unschönen Interpretationsspielraum und rücksichtslose Instrumentalisierung eines an sich lobenswerten Grundgedankens.
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Beitrag#13von Melusine » 2. Mai 2008 00:38

Ja, ich mein schon das Niedersachsenlied, hab mich vertippselt oder halt nicht dran gedacht, dass das was anderes sein könnte.

Schon klar, dass nicht alles unmittelbar was mit den Nazis zu tun hat und gar manches aus der Zeit recht harmlos ist, aber: Hitler is ja nicht grad aus der Ursuppe entsprungen. Der hatte keinen einzigen Gedanken in seinem wirren Schädel, den er nicht irgendwo geklaut hatte. Ich will damit nicht sagen, dass man heute jedes Wort darauf prüfen muss, ob es schon mal ein Nazi verwendet hat, das ist der blödeste Quatsch überhaupt. ("Godwins Law": In jeder längeren Internet-Diskussion bringt früher oder später irgendwer Hitler bzw. die Nazis aufs Tapet.) Trotzdem war das Dritte Reich nicht einfach ein historischer Unfall. Dass etliches davon weit vor Hitlers Geburt entstanden ist, ist doch irrelevant. Die "Vernichtung lebensunwerten Lebens" hat auch nicht Hitler erfunden, sie wurde 1920 von einem Juristen und einem Psychiater (Karl Binding und Alfred Hoche) in einer "wissenschaftlichen" Schrift eingefordert. (Sorry fürs Klugscheißen, ich hab mich damit mal sehr eingehend beschäftigt :).)

Oh, und... ich glaub auch nicht wirklich, dass Hymnen, die 160 Jahre alt und älter sind, irgendwelche Gebietsansprüche beinhalten, aber wissen kann man das nie. Z.B. bin ich durchaus nicht scharf darauf, Zilli und Pettau zurückzuerobern, aber weiß ich, was meine steirischen Landsleute ihm Sinn haben? In unserer Landeshymne ("Dachsteinlied") heißt es auch: "Bis ins Wendenland am Bett der Drav". Die ist übrigens ca. so alt wie das Deutschlandlied. 1840er Jahre. Damals war es "in", sich eine Hymne zuzulegen.

(Der kleine Unterschied ist der: 1,2 Millionen Steirer sind keine ernste Bedrohung, selbst wenn sie besoffen sind. 80 Millionen Deutsche vielleicht schon... außerdem haben die doch Panzer und sind in der NATO und so ...)
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Beitrag#14von t.a.j. » 2. Mai 2008 09:05

Hymnen (im obigen Sinne) sind immer propagandistische Mittel zur Konstruktion einer Nationalität (oder eines korrespondierenden "Wir" Konzepts, und ganz ohne das N-Wort auch nur anzudenken, kann man mit dem Nationalismus ein Problem haben. Ich zum Beispiel bin viel eher und mehr Philosoph und Metaller (und vielleicht noch Dichter) als Deutscher. Ich bin sogar noch eher Bayer als Deutscher und Bayer bin ich nur mit Widerstreben. Oder, um es kurz zu machen: Ich bin nationalistisch unmusikalisch.
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Beitrag#15von Ich bin zwei Öltanks » 2. Mai 2008 12:21

Ich zum Beispiel bin viel eher und mehr Philosoph und Metaller


Die hamm bestimmt auch ne Hymne. :lol:


Hymnen (im obigen Sinne) sind immer propagandistische Mittel zur Konstruktion einer Nationalität oder eines korrespondierenden "Wir" Konzepts


"Wir"-Konzepte können etwas sehr nützliches sein. Nationalitäten sind ja nicht der einzig denkbare Oberbegriff für so ein Konzept, Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt und hilft dabei, Probleme zu lösen, die der Einzelne nicht bewältigen könnte.

Bayer? Tut mir leid. :-x
Es gibt natürlich auch ein Bayernlied, is übrigens wesentlich patriotischer als das Gegenstück in Niedersachsen und erwartungsgemäß nicht mal annähernd so groooooovy.
Ich bin Pfälzer, ich darf "Wir sind die Niedersachsen" gröhlen, ohne das es jemand ernst nimmt. Das ist schön, macht frei und ist ein an vielerlei Lokalitäten dieserorts erprobtes Wundermittel, mit schüchternen Schnitten ins Gespräch zu kommen.
Also ... nicht von MIR erprobt ... ich hab ja ... Hallo, Hasi. Du liest hier nich, oder? :oops:




1,2 Millionen Steirer sind keine ernste Bedrohung, selbst wenn sie besoffen sind. 80 Millionen Deutsche vielleicht schon...



Oh, wollen wir wettschwarzmalen? :-D
Ich bin dran:

AMERIKA! JUUUUUESSSÄHHH! JUUUUUESSSÄHHH!
"Then conquer we must
when our cause it is just.
And this be our motto:
In God is our trust."

(US-Amerikanische Hymne, Auszug aus der letzten Strophe)




Überbiete das! 8)
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Beitrag#16von t.a.j. » 2. Mai 2008 12:38

Ich bin zwei Öltanks hat geschrieben:Die hamm bestimmt auch ne Hymne. :lol:


Hunderte :)
z.b. http://www.youtube.com/watch?v=o-pN8qAiZhQ

"Wir"-Konzepte können etwas sehr nützliches sein. Nationalitäten sind ja nicht der einzige Oberbegriff für so ein Konzept, Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt und hilft dabei, Probleme zu lösen, die der Einzelne nicht bewältigen könnte.


Jede Sozialität bring "Wir" und "Die" Konzepte mit sich. Es geht schlicht nich anders. Aber es sind doch einige davon "realistischer" in dem Sinne, dass sie eine gelebte Gemeinschaft bezeichen.

Bayer? Tut mir leid. :-x


bassd scho.

Es gibt natürlich auch ein Bayernlied, is übrigens wesentlich patriotischer als das Gegenstück in Niedersachsen und erwartungsgemäß nicht mal annähernd so groooooovy.


"Gott mit dir, du Land der Bayern, Heimaterde, Vaterland. Über deinen weiten Auen walte seien Segenshand.." oder so ähnlich.
Hast schon recht.


AMERIKA! JUUUUUESSSÄHHH! JUUUUUESSSÄHHH!
"Then conquer we must
when our cause it is just.
And this be our motto:
In God is our trust."

(Amerikanische Hymne, Auszug aus der letzten Strophe)



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