Penelope

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Beitrag#11von Melusine » 19. Okt 2007 19:03

Hi, danke für eure Auseinandersetzung mit diesem Text, der - obwohl schon "alt" - mich immer noch beschäftigt. Im Detail kann ich zunächst noch nicht näher darauf eingehen, weil ich erst einmal darüber nachdenken, eure Anmerkungen sozusagen verdauen muss.

Das gilt insbesondere für die sehr ausführlichen Anmerkungen von MisterMarpel - danke dir dafür! Ich werde gern näher darauf eingehen, aber wie gesagt, erst einmal muss ich darüber nachdenken.

NDK, danke für deine schmeichelhafte Einschätzung!*) Du lieber Himmel, wir wissen doch alle, was wir mit unseren Texten sagen und in welcher Form wir es sagen wollen, oder?
Das hier war ein Gedicht, das ich sozusagen rein intuitiv aus dem Bauch heraus schrieb - da finde ich Überarbeitungen immer besonders schwierig. Bei aller Unzufriedenheit mag ich es aber noch immer und ich glaube, der Versuch lohnt sich (vielleicht).
"Morbid" stimmt natürlich - das sind meine Texte öfter mal *g*.

Deinen Link schaue ich mir nachher noch an, danke dafür!


*)
(Bis vor Kurzem hätte ich sowas, egal von wem es kommt, noch für einen Scherz gehalten - nun frage ich mich: Bin ich selbstbewusster geworden - oder bloß eitler? *g*)
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Beitrag#12von NDK » 19. Okt 2007 19:22

NDK, danke für deine schmeichelhafte Einschätzung! Du lieber Himmel, wir wissen doch alle, was wir mit unseren Texten sagen und in welcher Form wir es sagen wollen, oder?


Schmeichelhaft sollte das gar nicht sein. Mir geht’s hier nur um die Lyrik und um den Zugang zur Lyrik!

Und nein, ich weiß vorher meistens nicht genau, was ich eigentlich sagen will. Meist habe ich nur eine dunkle Ahnung und taste mich durch meine eigenen Worte zum Licht, sozusagen... alles andere wäre ja vorsätzlich kopfgesteuert, und somit keine richtige Lyrik... ;)
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Beitrag#13von Melusine » 19. Okt 2007 19:45

Ähm, ja, auch wieder wahr. Hab ich wieder mal Blödsinn gequatscht.

Ich erinnere mich dunkel, dass grad bei diesem Gedicht mal jemand genau erklärt haben wollte, was es denn nun eigentlich bedeutet, und jemand anderer nachher sagte: Na, wenn du das nicht mal selber weißt, wer soll es denn dann wissen, wozu schreibst du dann überhaupt solchen Schmus ... oder so ;)

Ehrlich gesagt weiß ich sowieso nicht, warum und wozu ich Gedichte schreibe. Warum und wozu pflückt man Blumen? Auch das kann ich nicht rational erklären, lach.

(Oder, um in der Jahreszeit zu bleiben: Warum reizt es mich immer wieder, Kastanien aufzuklauben, obwohl ich doch weiß, dass sie binnen spätestens zwei Tagen ihren wunderbaren Glanz verlieren und nach wenigen Tagen nur noch unscheinbare, mumifizierte braune Dinger auf Tisch und Fensterbank herumliegen ...?)
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Beitrag#14von Melusine » 19. Okt 2007 20:47

So, ich versuche jetzt mal auf MisterMarpels Kritik einzugehen.

MM, zu den Zeilenumbrüchen kann ich erst einmal nichts sagen, denn wie gesagt bin ich damit selbst noch nicht zufrieden. Teilweise waren und sind die Brüche beabsichtigt. Zu einem anderen Teil ergaben sie sich aus dem intuitiven Schreiben, machten damals Sinn, jetzt aber nicht mehr, nicht einmal für mich - also muss ich das ändern.
Nein, auf das äußere Erscheinungsbild allein kommt es im Grunde nicht an, nur insoweit als es das Textverständnis erschwert oder erleichtert. Zeilenumbrüche, die nicht dem natürlichen Sprachrhythmus und Lesefluß entsprechen, sind manchmal ein beabsichtigtes Stilmittel. Sogar, den Lesefluss zu erschweren, kann ein Stilmittel sein. Das kann aber auch leicht "schiefgehen" oder ins Marottenhafte abrutschen.

Die beiden Brüche, die du ansprichst, waren zwar beabsichtigt, wirkten aber wohl durch die Länge der jeweils vorausgehenden Zeile überbetont. Mal sehen, wie ich das endgültig löse.

Warum du mit "ich friere in deinen Armen" dünne Arme assoziierst, ist mir nicht ganz klar. Ich kann auch sagen "Ich friere unter meiner Daunendecke". Würdest du dann auch davon ausgehen, dass die Daunen kaputt sind, nass sein müssen oder was auch immer?

Die "zerrissenen Bilder", wie du es treffend nennst, sind der Inhalt des Gedichts. Ich kann daraus kein mollig-warmes Bild einer kuscheligen Liebesnacht machen, denn das ist nicht das Thema und nicht die Absicht.

"Knospen" nennt man u.a. auch die Brustspitzen.

Sicher weißt du, wer Penelope war. Die Frau des Odysseus, die zwanzig Jahre oder mehr auf ihren Mann, ihren Geliebten wartete. Das war freilich nur symbolisch gemeint. Es ging mir beim Schreiben darum, ein Gefühl des "zu spät" auszudrücken.
Zu spät, eine verfahrene Beziehung noch zu retten. Zu spät, weil das lang ersehnte Glück zu spät im Leben kommt. Etwas in der Art.

Übrigens hätte ich das zunächst, unmittelbar nachdem ich das Gedicht schrieb, nicht erklären können. Da war es erst einmal nur "gefühlt".
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Beitrag#15von MisterMarpel » 21. Okt 2007 02:49

Warum du mit "ich friere in deinen Armen" dünne Arme assoziierst, ist mir nicht ganz klar.


Weil Du, Melusine,

in der nächsten Zeile von dünnen Stängeln sprichst und wiederum danach erst die Auflösung gibst, dass Du eine Blume meinst.

Ich kenne die Geschichte von Penelope, aber ich habe sie nicht in Deiner Lyrik wiedergefunden. Die Abfolge Deiner Worte zäumen in jeder Zeile das Pferd von hinten auf (deswegen die Anmerkung mit den "dünnen" Armen)
Dieses projektive Schreiben kann dynamisch sein, aber nur dann, wenn es mal verwendet wird. Eine Wiederholung der Wiederholung hingegen lähmt den Lesenden.

Lieben Gruß
MM
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Beitrag#16von Melusine » 21. Okt 2007 13:12

Hmm. Das verstehe ich nun überhaupt nicht mehr. Ich meine keineswegs eine Blume - oder allenfalls in dem Sinn, dass das Lyr. Ich sich selbst mit einer Blume vergleicht. Ergänze: Meine Stängel sind geknickt, meine Knospen verdorrt.
Vielleicht sind diese Zeilen nicht ganz glücklich gewählt. Ich überlege, ob ich sie einfach streichen soll.

Also etwa so:

an Mutterbrüsten
getrunken bis zur Ekstase
Vergessen getankt
grüne Glückskäfer
tanzen in den Junimorgen
der Dezembernacht

kalt ist mir
nimm den Schnee
aus meinem Sommergefieder

warum
hast du meine Schenkel
mit Himbeereis bemalt
ich friere in deinen Armen

es wird spät
Geliebter
du bist müde

leg mich ins Grab
dass wir ruhen können


Hab jetzt die Zeilenumbrüche noch einmal ein wenig geändert.
Die abgesetzte Dezembernacht muss bleiben, das geht irgendwie nicht anders.

Was anderes: Vielleicht stehe ich auf der Leitung, aber ich habe keine Ahnung, was du mit "projektivem Schreiben" meinst. Auch unter "Wiederholung der Wiederholung" kann ich mir in Bezug auf meinen Text nichts vorstellen. Wo siehst du die?

Auch, warum du Penelope in dem Text nicht wiederfinden kannst, interessiert mich. Du bist nämlich nicht der einzige. Ist es wirklich so unverständlich, dass man Penelope als Symbol für eine Frau betrachtet, die viel zu lange auf den einen und einzigen Geliebten gewartet hat, so dass ihr Leib und ihre Seele nun ganz vertrocknet und nicht mehr zum Liebesglück fähig sind?

Vielleicht ist das ganze Gedicht überhaupt Quatsch. Wenn kein Mensch versteht, was ich meine, und es stilistisch scheinbar auch ziemlich misslungen ist ... wozu dann noch dran rumbasteln. Fort damit und in den Trichter.
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