Penelope

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 1204

Penelope

Beitrag#1von Melusine » 10. Jul 2007 01:35

(für black sparrow - des Titels wegen *g*)


an Mutterbrüsten getrunken bis zur Ekstase
Vergessen getankt
grüne Glückskäfer tanzen selbstvergessen in den Junimorgen der
Dezembernacht
kalt ist mir
nimm den Schnee aus meinem
Sommergefieder
warum hast du meine Schenkel
mit Himbeereis bemalt
ich friere in deinen Armen
die Stängel geknickt, die Knospen
verdorrt
es wird spät, Geliebter
du bist müde
leg mich ins Grab
dass wir ruhen können



(April 2006; vermutlich überarbeitungsbedürftig)
Start where you are. Use what you have. Do what you can. ~ Arthur Ashe
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich

Beitrag#2von Frank P. » 11. Aug 2007 16:03

Hallo Melusine,

ein schönes Gedicht, aber an den Zeilenumbrüchen
würde ich etwas ändern.
Was hälst du z.B. von:

an Mutterbrüsten getrunken
bis zur Ekstase
Vergessen getankt
grüne Glückskäfer tanzen selbstvergessen
in den Junimorgen der Dezembernacht

Ist nur ein Vorschlag...
Und da ist eine Leerzeile, die da irgendwie nicht hingehört,
aber das liegt wohl am Posten.

Und ähm, eine Frage hätte ich:

black sparrow war mein Pseudonym in der LL, und jetzt
frag ich mich, ob das was mit mir zu tun hat,
ob ich irgendwas verdrängt oder vergessen hab,
oder ob ich ganz allgemein paranoid bin ;-)

Am Kopf kratz...

Frank
Frank P.
Nutzerkonto inaktiv
 
Beiträge: 101
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#3von Melusine » 11. Aug 2007 17:11

Hallo Frank,

ich hatte mal in der LL nach deinen Texten gesucht und dein letztes Werk dort hieß "Ithaka" - deshalb ;).

Mit den Zeilenumbrüchen bin ich selber unzufrieden. Ich denke mal über deinen Vorschlag nach.
Unvermittelte Leerzeile seh ich keine, mag sein, dass das am Browser liegt. Muss ich mal testen.

Ach so, und: Danke fürs Lob! :)

LG Mel
Start where you are. Use what you have. Do what you can. ~ Arthur Ashe
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich

Beitrag#4von Frank P. » 12. Aug 2007 14:52

Puh, melusine,

bin ich also doch nicht paranoid.
Na dann bedanke ich mich mal für die Widmung
mit einem Knicks...

Hab einen schönen Sonntag

Frank
Frank P.
Nutzerkonto inaktiv
 
Beiträge: 101
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#5von heike keuper-g » 19. Okt 2007 00:42

an Mutterbrüsten
getrunken bis zur Ekstase
Vergessen getankt
grüne Glückskäfer
tanzen selbstvergessen
in den Junimorgen der
Dezembernacht

kalt ist mir
nimm den Schnee
aus meinem Sommergefieder

warum hast du meine Schenkel
mit Himbeereis bemalt
ich friere in deinen Armen
die Stängel geknickt,
die Knospen verdorrt
es wird spät,
Geliebter du bist müde
leg mich ins Grab
dass wir ruhen können


grins..ich habe eine sehr eigenwillige art texte zu gliedern.
aber es ist eben auch nur eine weitere möglichkeit die ich einbringen wollte.
mel, ich finde deinen text sehr kreativ in der ausdrucksweise, aber er hat auch das trübsinnige, welches der herbst trotz all seiner bunten vielfalt mit sich trägt. die schweren themen, die angst vor kälte...auch mir ist so zumute...dein text wirdmich noch eine weile beschäftigen. er hat mich erschüttert. gute nacht
sagt dir und auch dem lieben black--
die heike
Wer sich selbst über seinen Nächsten erhebt, hat es bitter nötig.
H.K.-G
Benutzeravatar
heike keuper-g
 
Beiträge: 166
Registriert: 11.2006
Wohnort: NRW-Siegerland
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#6von Melusine » 19. Okt 2007 01:11

Hallo Heike,

vielen Dank!

an diesem Gedicht "kiefle" ich nun schon eine Weile.
Ich glaube mittlerweile selber, dass die Zeilenumbrüche zu willkürlich sind.

Dein Vorschlag gefällt mir beim ersten Drüberlesen, wirkt auf jeden Fall natürlicher als meine Variante. Nur an einem Punkt denke ich, dass es den Sinn verändert:

es wird spät,
Geliebter du bist müde

bedeutet doch etwas anders als

es wird spät, Geliebter
du bist müde

(?)
Glaub ich zumindest.

Bedenke dabei bitte auch, dass ich grundsätzlich am Zeilenende keine Kommata setze. Der Satz würde in Prosa lauten: "Es wird spät, Geliebter, du bist müde." Wo man die Pause setzt - nach dem ersten oder nach dem zweiten Komma - hat einen Einfluß auf den Sinn.

Das ist aber momentan der einzige Punkt, der mir auffiel. Ich muss wirklich über die Zeilenumbrüche noch einmal gründlich nachdenken.

LG Mel


Nachtrag:
Es wird spät
Geliebter, du bist müde

... vielleicht wär's doch so besser. Hmm. Grübel grübel grübel (geht in die Dichterklause *g*)
Start where you are. Use what you have. Do what you can. ~ Arthur Ashe
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich

Beitrag#7von Melusine » 19. Okt 2007 01:28

Schnellschuss-Überarbeitung:

an Mutterbrüsten
getrunken bis zur Ekstase
Vergessen getankt
grüne Glückskäfer tanzen
in den Junimorgen der
Dezembernacht

kalt ist mir
nimm den Schnee
aus meinem Sommergefieder

warum hast du meine Schenkel
mit Himbeereis bemalt
ich friere in deinen Armen

die Stängel geknickt
die Knospen verdorrt

es wird spät
Geliebter
du bist müde

leg mich ins Grab
dass wir ruhen können
Start where you are. Use what you have. Do what you can. ~ Arthur Ashe
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich

Beitrag#8von MisterMarpel » 19. Okt 2007 09:56

an Mutterbrüsten getrunken bis zur Ekstase
Vergessen getankt
grüne Glückskäfer tanzen selbstvergessen in den Junimorgen der
Dezembernacht
kalt ist mir
nimm den Schnee aus meinem
Sommergefieder
warum hast du meine Schenkel
mit Himbeereis bemalt
ich friere in deinen Armen
die Stängel geknickt, die Knospen
verdorrt
es wird spät, Geliebter
du bist müde
leg mich ins Grab
dass wir ruhen können


Deine Aussage sind lyrisch, gefühlvoll, doch werden sie druch die Formatierung zerhackt.

Die fehlende Interpunktion macht es m.E. notwendig, Satzzusammenhänge im grafischen Bild zusammen zuhalten und nicht durch den Sprung in eine neue Reihe auseinander zunehmen.
So steht der Begriff "Dezembernacht" allein.
grüne Glückskäfer tanzen selbstvergessen in den Junimorgen der
Dezembernacht

Warum? Welche Potentierung ist beabsichtigt? Dergleichen geschieht in der nächsten Zeile:
nimm den Schnee aus meinem
Sommergefieder


Sorry, Melusine, aber selbst bei Gedankengängen ist es bei der Wiedergabe von Gefühlen m.E. wichtig, eine roten Faden als lyrische Kadenz beizubehalten.
ich friere in deinen Armen
die Stängel geknickt, die Knospen
verdorrt

Da Du uns diese Zeilen netterweise überlassen hast, um uns Deine Gedanken an einen Geliebten mitzuteilen, frage ich mich, wie wir diese Zeilen interpretieren sollen.
Wenn ich an den Armen friere, müssen es bei dünnen Armen gebrochene sein?
Nein! (selbst ich bin nicht so dumm) Aber es drängt sich der Eindruck auf. Der Hinweis, dass Du von Blütenknospen sprichst, kommt dann in der Zeile zu spät, um noch einen Zeitsprung weiter zu sagen, sie sei verdorrt.
Die zerrissenen Bilder (ich zähle nicht weiter auf) können durch Formatierungen, die von Frank P. vorgeschlagen wurden, nicht präziser werden und sie bekommen dadurch auch keinen engeren Zusammenhang. Das einzige, was sich ändert ist das äußere Erscheinungsbild. Doch darauf kommt es Dir doch nicht primär an, oder?

Solltest Du mit meiner Betrachtung ein wenig in Zwiesprache gehen, würde es mich freuen.

Lieben Gruß
MM
MisterMarpel
 

hallo mel,

Beitrag#9von heike keuper-g » 19. Okt 2007 16:35

du hast recht mit deiner anmerkung zu meinen formvorschlägen,
es war wiedermal zu spät für mich ... ich müde...
durch zusammenarbeit lässt ja ein werk am ende oftmals optimieren.

lieben gruß heike
Wer sich selbst über seinen Nächsten erhebt, hat es bitter nötig.
H.K.-G
Benutzeravatar
heike keuper-g
 
Beiträge: 166
Registriert: 11.2006
Wohnort: NRW-Siegerland
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#10von NDK » 19. Okt 2007 18:33

Hallo Melusine,

ich kann hier nur für mich sprechen:
Dies ist ein Gedicht, das für mich einen eindeutig morbiden Charakter hat. Das mag auch der Grund dafür sein, dass ich anfangs (vor über einem Jahr) keinen rechten Zugang fand.
Mit einigem zeitlichen Abstand und nachdem ich nun viel Gegenwartslyrik gelesen habe, würde ich es anders sehen:
Der durch die Formatierung unterbrochene Lesefluss unterstützt die „Brüchigkeit“ eigentlich recht gut. Das doppelte Vergessen in Zeile 2 und 3 ist das einzige, das mir nicht so gefallen hat, aber das hast du in deiner überarbeiteten Version schon geändert, sehe ich gerade.

Die Akzente, die du als Autorin durch deine Formatierung setzt, würde ich unbedingt dir überlassen, denn du bist - mehr als jede/r andere von uns - mit deinem Text verwachsen und weißt deshalb am besten, worauf du unsere Blicke lenken willst bzw. welche Sprachmelodie du deinem Text geben willst. Hier gibt’s zum Glück kein Richtig oder Falsch – zumindest nicht in der Lyrik der Gegenwart.

Schöne Grüße, NDK

P.S. Wenn du Beispiele dafür suchst, wie aussagekräftig Formatierung sein kann, empfehle ich die Texte bekannter Gegenwartslyriker zu lesen bzw. auch anzuhören, z.B.
Michael Lentz
NDK
 
Beiträge: 1154
Registriert: 11.2006
Geschlecht: weiblich

Nächste

Zurück zu "Lyrik allgemein"



cron