Rückkehr

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 901

Rückkehr

Beitrag#1von hg » 17. Dez 2011 08:07

Bequem gemacht auf meiner Reise,
sanft schaukelt der Waggon,
dann fallen mir die Augen zu.
Schau träumend ich durch das Fenster.
Dass draußen die Flucht nach vorn gewinnt.
So wie ich sitze, tiefes Entsetzen.
Mein Albtraum fährt mich zurück.
hg
 
Beiträge: 327
Registriert: 01.2011
Wohnort: Bachs CH
Geschlecht: männlich

Re: Rückkehr

Beitrag#2von utensil » 19. Dez 2011 12:31

Hallo hg,
kann es sein, dass du in der 5. Zeile am Ende nicht 'gewinnt', sondern 'gelingt' meintest?
Die ersten Zeilen verstehe ich soweit, wobei ich gern wissen würde, was für Bilder in dir auftauchten beim Wort 'draußen' als du dieses Gedicht verfasst hast. Und - warum heißt das Gedicht 'Rückkehr'? Magst Du dazu was sagen?
Danach schreibst du
... so wie ich sitze, tiefes Entsetzen ...
das mit dem Sitzen und Entsetzen finde ich eine tolle Idee, da hast Du gut mit der Sprache gespielt! Wenn du daraus einen ganzen Satz machen würdest, wäre das vielleicht noch besser, es würde auch besser in den übrigen Text Deines Gedichts passen, glaube ich.

Im Großen und Ganzen gefällt mir dieses Gedicht, wohl weil es in mir was auslöst, nämlich eine Art Angst oder Panik als Gefühl, das in diesem Gedicht stecken mag, ob der Autor das wollte, weiß ich natürlich nicht.
An den Text angelegt, habe ich den Eindruck, der Entschluss, den Zug zu nehmen, wird als plötzlich, fast ruckartig erkannte Fehlentscheidung bereut (ein Aufschrecken, so wie es unter einem Ruckeln auf einer Zugfahrt vorkommt).
Die letzten beiden Zeilen bergen viele Möglichkeiten, sie sind auch ein 'großer Sprung' weg vom bisherigen Stil, der sich erzählerisch aneinander reiht.
Letzte Zeile: Mit 'Mein Albtraum fährt mich zurück' bleibt mir ein großes Fragezeichen. War das zuvor schon ein Albtraum? Oder lösen sich hier Träume ab und der Albtraum setzt erst ein?
Ich denke, wenn die Entscheidung im Traum bereut wird und der Träumer dadurch aufschreckt, danach weiterträumt, dann ... möglicherweise wird hier auch beschrieben, dass eine Entscheidung an sich von Angst überlagert wird und damit unmöglich macht? Ist interessant, finde ich. Wenn es sich um einen Traum handelt, wie es scheint ... okay, ich hör auf, ich will nicht so viel psychologisieren ...

Viele Grüße
U
Nichts ist weniger ergründbar als die Komplexität und der Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen, und seien es Liebesbeziehungen.
utensil
 
Beiträge: 187
Registriert: 08.2011
Wohnort: Spreeathen
Geschlecht: weiblich

Re: Rückkehr

Beitrag#3von hg » 19. Dez 2011 13:38

ebe Utensil
Herzlich Dank für Deine Antwort. Lassen wir einmal den Text da stehen. Bezogen auf den Inhalt.
Das Ereignis in mir selbst war wirklich fürchterlich.
Die Außenwelt, der Innenwelt der Außenwelt. Peter Handke: die Innenwelt, der Außenwelt, der Innenwelt, schreibt in seinem Essay, was mir immer wieder aufleuchtet.
Die Rückkehr meint mir, dass ich mich als Subjekt, mich als Objekt erfahren muss und kann. Das ist mein tägliches Entsetzen, das ich in kein System gehören kann und darf. Im Kindheitsglauben habe ich, wir hatten beide einen unsäglichen Streit. Bis ich ihn auf die Couch mir holte, (inneres Geschehen) in seine Träume zu mir sagen ließ, wir haben uns in der Gegenübertragung, uns beiden die Absolution gebegeben, hielten gemeinsam uns im Frieden die Hand. Seitdem habe ich ihn nie mehr gesehen, meinen bösen Gott.
Die Bilder mach ich mir nicht selber, sie sind nur inneres Geschenk, darüber ich nur ihren Sinn erahnen will in einem Fort und Fort. Was ich darüber denke, davon schreibe ich. Fällt der Faden im Antipodengesang in sich zusammen, es ist mir dem Text, kein böser Ort. Ich spiele nicht, ich bin im großen Spiel, mein Wort. Gott Pan der lebt heute noch, er spielt sein ewiges Lied. Es ist zwar schmerzlich, wenn man sein Instrument für seine Vielfalt der Musik sein muss. Sein Lied, nach seinem Text interpretiere, mich davor zu warnen, nur davon zu ahnen, seine Seele nicht zu berühren.
Das wäre ein frühzeitiges Sterben. Dieser Gott singt seit altersher, zu allen Menschen, er hat nicht von ungefähr, an meinen Knochen schon gerochen. Mir ist es keine Fehlentscheidung, sie geht vom Anfang bis zu meinem Ende, wenn mir die Welt, meine Reise mir begrenzen will und muss. Die Angst ist meine Schwester, es ist zwar schwer. Der dunklen Dame sage ich dann, mach’s Dir bequem, sag mir, was dich drückt. Dann tanzen wir gemeinsam ein kurzes Stück. Sie kommt wieder mit ihren Anverwandten, dem Leid, meiner Schuld, dem Tod, der lächelnd auf mich schon wartet. Mir ist der Traum, darin meine Wirklichkeit, der Welt bin ich nicht viel, das ist auch gut so denke ich. Es ist, wie es ist, wir waren, sind es nur, dem Traum nur eine Seele.

lghg
hg
 
Beiträge: 327
Registriert: 01.2011
Wohnort: Bachs CH
Geschlecht: männlich

Re: Rückkehr

Beitrag#4von utensil » 19. Dez 2011 14:34

Hallo hg,
ich verstehe nicht alles von dem, was du da geschrieben hast. Was ich empfinde, ist: Wir können so gut wie nichts am 'Außen', wie immer wir es definieren, beeinflussen. Was wir können, ist, es nicht so sehr auf uns einwirken lassen, dass es uns bestimmt und wir in einen großen Konflikt mit uns oder in uns geraten. Vielleicht wäre es ratsam, den Lieblingsautoren mal an die Seite zu legen und einen neuen auszuprobieren und zu sehen, wie der neue - so rein experimentell - auf dich wirkt. Für die Weihnachtstage oder für ein oder zwei Tage in der nächsten Zeit würde ich dir wünschen, dass du dir ein neues Buch gönnst - als Weihnachtsgeschenk an dich selbst.
Ich hab spontan eine Idee gehabt, was ich dir empfehlen würde und möchte, es ist sehr unterhaltsam. Es heißt:
'Fleisch ist mein Gemüse - Eine Landjugend mit Musik' und ist von Heinz Strunk geschrieben.
Wie gesagt - frag mich nicht, warum es mir einfiel, ich kann es nicht erklären. Ich empfehle es dir, weil ich es damals - längst bevor es verfilmt wurde (den Film hab ich nie gesehen) - supergerne gelesen und kaum aus der Hand gelegt habe :)
Ich weiß nicht ... vielleicht gibt es noch mehr Leute hier, die dir was empfehlen können, was dich zeitweilig ein wenig 'entführen' kann aus deinen derzeitigen Gedanken.
Viel Grüße
U.
Nichts ist weniger ergründbar als die Komplexität und der Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen, und seien es Liebesbeziehungen.
utensil
 
Beiträge: 187
Registriert: 08.2011
Wohnort: Spreeathen
Geschlecht: weiblich

Re: Rückkehr

Beitrag#5von bonanzamargot » 19. Dez 2011 16:52

wat`n schrott!
bonanzamargot
 

Re: Rückkehr

Beitrag#6von utensil » 19. Dez 2011 18:34

Hi Bon,
meinste das Buch oder meine Antwort?
Ich empfinde die Erklärung hg's, soweit ich sie verstanden habe, so, als täte ihm sein momentaner 'Zustand' nicht wirklich gut, und es ist doch ratsam, dagegen was zu unternehmen. Die bevorstehenden Feiertage sind für viele Menschen nicht mit positiven Gedanken verbunden, ich nehme mich da nicht aus.
Und das Buch, das finde ich gut, hab ich gerne gelesen.
Was treibt DICH um, Bon, dass Du so einen seltsamen Kommi setzt, ohne eine Aussage zu treffen, ohne Dich überhaupt mit was dahingehend zu befassen? Wir wissen doch alle, dass Du existierst, auch dann, wenn Du gerade nicht brüllst und um Dich strampelst ... :)
Nichts ist weniger ergründbar als die Komplexität und der Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen, und seien es Liebesbeziehungen.
utensil
 
Beiträge: 187
Registriert: 08.2011
Wohnort: Spreeathen
Geschlecht: weiblich

Re: Rückkehr

Beitrag#7von hg » 20. Dez 2011 10:36

Liebe utensil

Ich bin ein gläubiger Atheist.
Weihnachten ist mir die Hölle.
Mein Gemüse in meinem Fleisch.
Auf dem Land die Jugend mir verbrachte.
Schuld war nur der Bossa nova.
Als Lina Moser mich fragte.
Den Aknebeutel in meinem Gesichte entdeckte.
Von daher die Liebe von mir Abschied nahm.
Bücher, die sich selber lesen wollen.
Ich lese nur Gedichte,
und quatschen kann ich mir selber.

Gilt nicht der ewig Tanzenden.
hg
 
Beiträge: 327
Registriert: 01.2011
Wohnort: Bachs CH
Geschlecht: männlich


Zurück zu "Lyrik allgemein"



cron