Scherbenschloss

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Scherbenschloss

Beitrag#1von Erich Gewalthuber » 13. Jul 2008 02:31

Mein bitterwarmes Scherbenschloss
Splitter aus Leben, Hass und Verzweiflung
Von Blutgräben rot umringt
Darinnen bin ich König

Und leistet es mir auch blinden Schutz
Fallen doch beständig Steine
Vom schwarzen Himmel, selbst beschmutzt,
Wo einst die Sonne weinte

Mein bitterkaltes Königreich
Bedeckt mit Tod und Trauer
Es spottet seinem alten Glanz
Da überall Feinde lauern

Ich kann es nicht mehr betreten
Die Brücke ist eingestürtzt
Es straft mich noch immer Lügen
Dass nichts mehr gedeihen mag

Einst wird das alles dir gehören
So fern dein Auge sehen kann
Doch niemals wird es dich betören
Sofern dein Auge sehen kann
Erich Gewalthuber
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Beitrag#2von Der Ohrenschützer » 16. Sep 2008 23:04

Die letzte Strophe hat's in sich, Herr Gewalthuber. Das davor hat mich nicht so beeindruckt, ein paar mächtige Worte, die trotzdem seltsam kraftlos auf mich wirken. Aber die zweite Zeile der letzten Strophe - sehr schön. Macht alles wieder wett. Da hätt's die letzte Zeile gar nicht mehr gebraucht - für mich zumindest, weil ich die Doppeldeutung schon kapiert hab.
Also insgesamt hab ich eine Ahnung, was Du transportieren willst, finde aber keinen Zugang zur Rhythmik. Sehr... bemüht eigentlich. :-? Aber wenn Du öfter solche Ideen wie "so fern dein Auge sehen kann" hast, kann's nur besser werden. :)
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Beitrag#3von Ich bin zwei Öltanks » 17. Sep 2008 08:51

Erinnert mich an diese qualvollen Moderne-Lyrik-Interpretationsstunden bei FAMULLA, wo Zweizeiler mit mindestens vierseitigen Anmerkungen bedacht werden mußten.
Da gabs sowas Ähnliches, die Doppeldeutigkeit von "im Auge haben", also entweder Obacht oder Aua!
Leider kenn ich die Namen der Texte und Autoren nicht mehr. Wat ein Humbug!


Auch schön:

Schütznkrmm. Rattattattatt. Brrrrrrrrr.

... Gedichte, die Geräusche und damit verbundene Emotionen transportieren sollten. Was haben wir gelacht, NACH den jeweiligen Stunden natürlich, und die Kunstwerke verhöhnt.
FAMULLA nahm den Mist echt voll ernst.

Da ist mir die "bemühte Rhythmik" an sich wesentlich lieber. Rattattatt.
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Beitrag#4von Der Ohrenschützer » 17. Sep 2008 10:21

Das war jetzt Kritik an der Kritik, gell? :wink:
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Beitrag#5von Melusine » 17. Sep 2008 12:44

Ich bin zwei Öltanks hat geschrieben:Schütznkrmm. Rattattattatt. Brrrrrrrrr.

... Gedichte, die Geräusche und damit verbundene Emotionen transportieren sollten. Was haben wir gelacht, NACH den jeweiligen Stunden natürlich, und die Kunstwerke verhöhnt.
FAMULLA nahm den Mist echt voll ernst.


:shocked:
Vorsicht! Meine Schwester sagt, nur wer Ernst Jandl schätzt, kann auch DEINEN Werken was abgewinnen.
http://www.fen-net.de/christian.scholz/ ... Jandl1.htm
Hörfassung (gelesen vom Autor selbst):
http://www.ernstjandl.com/archiv_sound.html


(Sorry, Erich, das war jetzt etwas offtopic ...)
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Beitrag#6von Ich bin zwei Öltanks » 17. Sep 2008 15:06

Vorsicht! Meine Schwester sagt, nur wer Ernst Jandl schätzt, kann auch DEINEN Werken was abgewinnen.


Na, dann hoffen wir mal, daß deine Schwester irrt. Deduktiv logisiert würde das nämlich bedeuten, FAMULLA könnte mein Zeuch unter Umständen ebenfalls schätzen.

Dann doch lieber auf schnellstem Wege zurück in den Uterus.




Ernst Jandl. Früher oder später werd ich mich mit dem wohl auseinandersetzen müssen.
Immer wieder kreuzt er meine Wege, aus dem Grabe heraus mit zittriger Stimme röchelnd.

:-x
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