Sonett oder nicht so nett?

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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Sonett oder nicht so nett?

Beitrag#1von Melusine » 22. Apr 2008 19:36

Sonett oder nicht so nett?


Das Dichten ist fürwahr kein Zuckerschlecken,
wie mancher Laie bitter musst’ erfahren.
Schon naht mit eitel hoffärt’gem Gebaren
der Meister. Rasch, ihr Leut’, lasst uns verstecken

die Jamben, Anapäste und Trochäen
auf dass sein Auge nicht auf diese falle
denn andern Falles fallen wir hier alle.
Doch weh’: Er hat sie leider schon gesehen

und würzt mit saurem Essig unsre Speisen,
mit Pfeffer auch. Was will er uns beweisen?
Dass nur sein eigner Brei dem Leser munde?

Schon manchen Hobbykoch hat er vernichtet
der unbedarft sein Süppchen hier gedichtet.
Wo soll das enden?, frag ich in die Runde.



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Das war mal ein Antwortgedicht in einem Fingerübungsthread ... ich hoffe, dass es auch allein stehfähig ist ;).
Vielleicht ist ja wer so nett und dichtet auch mal ein Sonett?
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Beitrag#2von t.a.j. » 24. Apr 2008 09:12

Ich finde das Thema ja eher anstrengend. Ich bin da polystilistisch, was gut passt ist gut und was nicht passt, wird passend gemacht. Sich an strenge Regeln zu halten ist oft ein gutes Stilmittel, aber als Selbstzweck doof.

Zum Beispiel hier:

So mancher denkt es gibt nur einen Gott,
der Mensch hat viele Namen im gegeben -
bei jedem Namen Prädikate leben -
die immer mitgedacht in Denkertrott.

So denkt man über Allah im Islam
so manches, was die Christen gar nicht glauben
und unter bunten Indianerhauben,
manch Manitu in wilden Träumen kam.

Dass alle nun im Herz das Gleiche tragen
auch wenn sie gänzlich Andres drüber sagen
das scheint mir, mit Verlaub zu hoch gegriffen.

Denn voller Vielfalt sind der Welt Kulturen
sie wandeln auch auf andrer Götter spuren.
Kein einig Ding hat man in "Gott" begriffen.

Also: Auf ein behauptendes Gedicht eine eigene Behauptung in Gedichform gießen ist irgendwie doof. In Gedichten argumentiert sichs eben schlecht.
:.:: http://gedichtblog.de ::.:
Das Bild hat mit dem Abgebildeten die logische Form der Abbildung gemein.
.[Das Gedicht ist das logische Bild des Gedichteten]
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