Wenn unser Schiff einst untergeht

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 2305

Wenn unser Schiff einst untergeht

Beitrag#1von NDK » 29. Nov 2007 09:44

Wenn unser Schiff einst untergeht,
die Welt in hellen Flammen steht:
Ich bleib dir treu.

Wenn du mich morgen nicht mehr liebst
und Herz und Hof `ner andren gibst:
Ich bleib dir treu.

Wenn du mal nicht mehr bei mir bist,
was posthum sehr wahrscheinlich ist:
Ich bleib dir treu.

Als du heut früh die Segel strichst,
begriff ich schnell: es fehlt mir nichts.
Das war mir neu.
NDK
 
Beiträge: 1154
Registriert: 11.2006
Geschlecht: weiblich

Beitrag#2von Ich bin zwei Öltanks » 5. Dez 2007 22:10

Isses nich schön, wenn der Alte ma ausm Haus is? :-D

Was offen bleibt ist die Frage, ob du dem Langweiler in seiner Abwesenheit immernoch treu bist oder erst dann wieder, wenn er zurückkehrt.
Benutzeravatar
Ich bin zwei Öltanks
Nutzerkonto inaktiv
 
Beiträge: 2482
Registriert: 11.2007
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#3von NDK » 5. Dez 2007 23:00

Ich bin nicht identisch mit meinen LyrIchs. Bitte nicht verwechseln.

Widerspricht sich frei sein und treu sein? Ich glaube nicht. Ich denke, beides gehört unbedingt zusammen, denn Liebe begründet die stärkste Form der Treue und ist gleichzeitig ein Kind der Freiheit.
Wenn Treue nur ein Lippenbekenntnis ist, sieht die Sache anders aus, dann ist Deine Frage durchaus berechtigt.

Schönen Dank für Deinen Kommentar!
NDK
 
Beiträge: 1154
Registriert: 11.2006
Geschlecht: weiblich

Beitrag#4von Ich bin zwei Öltanks » 5. Dez 2007 23:38

NDK hat geschrieben:Ich bin nicht identisch mit meinen LyrIchs. Bitte nicht verwechseln.



Oh. Das sollte ich mir auch mal angewöhnen. So kann man verhindern, ständig verdroschen zu werden, oder?!



Widerspricht sich frei sein und treu sein? Ich glaube nicht. Ich denke, beides gehört unbedingt zusammen, denn Liebe begründet die stärkste Form der Treue und ist gleichzeitig ein Kind der Freiheit.


Hä?
Liebe begründet die stärkste Form der Treue! OK, das mag sein... halt auch nur, wenn die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht. Merkwürdigerweise geht man bei Diskussionen um dieses leidige Thema nahezu prinzipiell von dieser eher selten vorkommenden Idealkonstelation aus. Nicht erwiderte Liebe begründet keine Treue, allerhöchstens ein neues Premiere-Abo und die obligatorische Stammkundschaft beim Pizzalieferservice.
Von Freiheit kann bei Liebeseinbahnstraßen natürlich erst recht keine Rede sein... aber egal, im Text gehts ja um zwei paar beide Liebenden.


Kind der Freiheit?
Ja... und? Ich bin das Kind eines Dachdeckers, deswegen aber, sei dir versichert, selber kein Dachdecker! Treu sein bindet immer - definitionsgemäß - , Freiheit bindet an jarnüscht. Das is ja der Witz dran. Natürlich schließen sich diese beiden Begriffe gegenseitig aus. Man hat lediglich die Freiheit, sich freiwillig für die Treue zu entscheiden, ist dann aber nicht mehr frei in seiner Lebensgestaltung, bei den meisten anderen Entscheidungsfindungen ect., obwohl man - theoretisch - jederzeit frei darüber entscheiden kann, das Treueverhältnis zu Gunsten der eigenen Freiheit wieder aufzulösen.

Die Praxis ist leider oft wesentlich komplizierter.
Benutzeravatar
Ich bin zwei Öltanks
Nutzerkonto inaktiv
 
Beiträge: 2482
Registriert: 11.2007
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#5von NDK » 6. Dez 2007 10:22

Treu sein bindet immer - definitionsgemäß - , Freiheit bindet an jarnüscht.

Wenn Du Treue von vornherein als etwas Statisches, Unveränderbares, für alle Zeiten Endgültiges ansiehst, hast Du natürlich Recht. Diese Vorstellung wäre auch völlig lebensfern, denn Leben ist nie statisch. Leben heißt immer Entwicklung und Entfaltung mit ungewissem Ausgang.

Die wichtigste Form von Treue ist (für mich) die Treue zu mir selbst, und das bedeutet, dass ich versuche, mich zu jedem Zeitpunkt selbst anzunehmen, auch dann, wenn ich mich aufgrund veränderter Lebensumstände weiterentwickeln muss.

Ich habe (wiederum nur für mich und ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit) festgestellt, dass immer dann, wenn ich mir auf diese "dynamische" Weise treu bleibe und auch Andere so sein und so werden lasse, wie sie wollen, das Gefühl von Verbundenheit wie auch das der inneren Freiheit maximal ist - und zwar gleichzeitig, so blödsinnig unlogisch das klingen mag.

Wenn ich dagegen eine bestimmte Erwartungshaltung einnehme, also meine ausgedachte Vorstellung in die Welt hinaus und damit auch auf Andere projiziere, dann kann ich mir einigermaßen sicher sein, dass ich damit Schiffbruch erleide, denn natürlich kommt es oft erstens anders als man zweitens denkt.

Diese Überlegungen haben nichts mit Religion oder Esoterik zu tun, das ist einfach nur ein persönlicher Erfahrungswert. Vermutlich ein Produkt meiner Hirnchemie, die sich ja durchaus mal ändern kann, aber für mich funktioniert diese Vorstellung hier und heute und höchstwahrscheinlich auch morgen noch.

Schöne Grüße, NDK
NDK
 
Beiträge: 1154
Registriert: 11.2006
Geschlecht: weiblich

Beitrag#6von MisterMarpel » 9. Dez 2007 03:15

Hallo NDK,

ich habe heute eine schlaflose Nacht und lese erst jetzt Dein Gedicht.

Nachvollziehbar und so unendlichg in seiner Wiederholung, dass man es mittlerweile - eigentlich schon sehr lange, immer wieder in Variation liest.
Dieser Text ist für mich etwas moderater gestaltet, als die selben Gedanken von michy umgesetzt. Trotz meiner klaren Präverenz könnte ich mich noch nicht einmal entscheiden, welches ich besser finde.

Lieben Gruß
MisterM
MisterMarpel
 

Beitrag#7von NDK » 9. Dez 2007 08:25

Hallo MisterM,

das, was Du in diesen Text hinein liest, liegt ganz bei Dir.
Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren.

Schöne Grüße, NDK
NDK
 
Beiträge: 1154
Registriert: 11.2006
Geschlecht: weiblich

Beitrag#8von Ich bin zwei Öltanks » 9. Dez 2007 09:54

Die wichtigste Form von Treue ist (für mich) die Treue zu mir selbst, und das bedeutet, dass ich versuche, mich zu jedem Zeitpunkt selbst anzunehmen, auch dann, wenn ich mich aufgrund veränderter Lebensumstände weiterentwickeln muss.

Ich habe (wiederum nur für mich und ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit) festgestellt, dass immer dann, wenn ich mir auf diese "dynamische" Weise treu bleibe und auch Andere so sein und so werden lasse, wie sie wollen, das Gefühl von Verbundenheit wie auch das der inneren Freiheit maximal ist - und zwar gleichzeitig, so blödsinnig unlogisch das klingen mag.

Wenn ich dagegen eine bestimmte Erwartungshaltung einnehme, also meine ausgedachte Vorstellung in die Welt hinaus und damit auch auf Andere projiziere, dann kann ich mir einigermaßen sicher sein, dass ich damit Schiffbruch erleide, denn natürlich kommt es oft erstens anders als man zweitens denkt.

Diese Überlegungen haben nichts mit Religion oder Esoterik zu tun, das ist einfach nur ein persönlicher Erfahrungswert. Vermutlich ein Produkt meiner Hirnchemie, die sich ja durchaus mal ändern kann, aber für mich funktioniert diese Vorstellung hier und heute und höchstwahrscheinlich auch morgen noch
.



Du verwirrst mich mit Naheliegendem.
...
Treue bedeutet nach deiner persönlichen Definition also in etwa soviel wie "Toleranz"; Anpassungsfähigkeit an alle Gegebenheiten und Freiheit für Gedanken in alle Richtungen ?!?
Ehrlich, ich hätte dich anders eingeschätzt. Deine Erwartungshaltungen, die du ja zu vermeiden versuchst, trifft man überall im Forum an... ohne dich angreifen zu wollen... sie prägen geradezu dein Schriftbild.

Verbundenheit und Freiheit werden eins. Wie fühlt sich Freiheit überhaupt an?

:typo_017:


Sicherlich ist TREUE etwas Beständiges, Grundsatzgebundenes. Das muß sie sein, sonst verliert sie ihren Sinn.
Die TREUE zu sich selbst ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit... ich überlege gerade, ob und wie man sich selber überhaupt untreu werden kann, legt man vorher deine Definition zugrunde.

:typo_119:

...
Es liegt in der Natur der Treue, zu binden. In der Natur der Bindung liegt es, Freiheiten einzuschränken.
Ich finde meinen Denkfehler nicht....
Benutzeravatar
Ich bin zwei Öltanks
Nutzerkonto inaktiv
 
Beiträge: 2482
Registriert: 11.2007
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#9von NDK » 9. Dez 2007 11:15

Ich bin zwei Öltanks hat geschrieben:Ehrlich, ich hätte dich anders eingeschätzt. Deine Erwartungshaltungen, die du ja zu vermeiden versuchst, trifft man überall im Forum an... ohne dich angreifen zu wollen... sie prägen geradezu dein Schriftbild.


Sehr schön! Das ist ein Zeichen für Dein Nachdenken. Nichts Anderes will ich mit meinen Texten und Kommentaren erreichen. Dafür nehme ich auch gerne mal in Kauf, dass sie auf den ein oder anderen dümmlich wirken.

Nur mal als Vergleich: Ich habe diesen Text auf der LL eingestellt und damit recht viel Lob eingefahren, weil die Leute ihn dort lustig fanden, was mich selbst ein Stück weit irritiert hat.

Fakt ist: Wir lesen Texte und auch Kommentare immer in unserem eigenen Kontext bzw. dem (vermeintlichen) Kontext der Gruppe, in der wir uns bewegen. Ich wage zu behaupten, dass es eine von diesem Kontext unabhängige Leseart gar nicht gibt.

Zur Treue: Treue ist zunächst mal nichts weiter als ein Wort. Ich mag es, in meinen Texten den verschiedenen realexistierenden Wortbedeutungen nachzuspüren.

Dass ich dafür in so manche Schublade gestopft werde, ist der Preis, den ich gerne zahle, denn ich werde ja nicht dümmer dabei... ;)

Schöne Grüße, NDK
NDK
 
Beiträge: 1154
Registriert: 11.2006
Geschlecht: weiblich

Beitrag#10von Sarina » 9. Dez 2007 20:48

nur wer sich ändert, bleibt sich treu....hab ick ma jelesen....und ich denke, det stümmt...ich bin zur zeit ständig unterwegs und wache dauernd in einem anderem bett auf (nein, nicht was ihr denkt :) ) und immer sehe ich eine andere landschaft draußen. anfangs hatte ich angst, mich selbst zu verlieren oder meine bindungen zu verlieren.

das beste war - neulich pennte ich vorm abflug ein und wachte auf, als der flieger schräg nch oben flog und die welt darunter noch schräger war.

ick verstand gar nischt mehr, nur eins - ick war immer icke - das fand ich sehr beruhigend und seitdem sind mir veränderungen willkommen. zudem hat treue auch
nichts mit aufeinanderkleben zu tun. das wird oft verwechselt. wenn man treu ist, ist man
treu, auch wenn man fremdgeht oder der eine in afrika hockt und der andere in schweden. das ist komisch, aber das ist so...smile...

das gedicht find ich klasse :lol:
Sarina
 
Beiträge: 123
Registriert: 01.2007
Geschlecht: nicht angegeben

Nächste

Zurück zu "Lyrik allgemein"



cron