ZEIT/ZU/(UNZEIT)/STERBEN

Reime, freie Verse, "moderne" Lyrik (themenunspezifisch)

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ZEIT/ZU/(UNZEIT)/STERBEN

Beitrag#1von Fritz Rainer Polter » 14. Mär 2010 16:40

14.03.2010

ZEIT/ZU/(UNZEIT)/STERBEN




Ich möchte nicht im Herbste sterben
Oktobersturm behagt mir nicht
zu viele da schon Asche werden
wenn ohnehin die Vögel zieh'n
Gevatter, lass mich nochmal glüh'n.


Ich möchte nicht im Winter sterben
wenn Kälte, klar, an Seelen webt
und mir das Leichentuch nur färben
ein kaltes Weiß; gewebtes Eis.
Und du, Gevatter: Ab, mit Geklapper.


Ich möchte nicht im Frühjahr sterben
wenn neue Hoffnung grünt und keimt
wie trostlos wär's, ging ich von Erden
zu dieser, -weil zu falschen- Zeit.
Gevatter, wende; vergiss mein Ende.


Ach lass mich doch des Sommers sterben
wenn alles warm und prall gefüllt
Laß junges Leben mich beerben
Löschst Du mich aus; tu's nur: geschwind.
Gevatter; handle; mich, -mit mir-, wandle.



...we had joy, we had fun, we had seasons in the sun...
Terry Jacks; 1974
Zuletzt geändert von Fritz Rainer Polter am 16. Mär 2010 22:49, insgesamt 4-mal geändert.
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#2von Melusine » 14. Mär 2010 19:56

Gefällt mir gut, aber ich hätte ein paar formale "Meckereien". Soll ich?
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Beitrag#3von Fritz Rainer Polter » 14. Mär 2010 20:29

release Your goad, please.
u.a. dass Komma vor ,Zeit -sztimmts?
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#4von Melusine » 15. Mär 2010 01:52

Komma? Nö, ich bin nicht kommatös. Es war irgendwas an den Reimen, hab es mir aber blöderweise nicht aufgeschrieben und jetzt bin ich schon zu müde. Morgen, okay?
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Beitrag#5von Fritz Rainer Polter » 15. Mär 2010 08:48

jo, für die aufdeckung von idiosynkrasien stets froh.
FRP
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#6von Melusine » 15. Mär 2010 19:23

So, jetzt noch mal. Okay, hast recht, das Komma vor der Zeit kam mir schon komisch vor, aber wenn du es selbst erwähnst, war es wohl Absicht.

Was mir auffiel:
*) sterben / werden ist ein unreiner Reim. Stört mich allerdings nicht wirklich. Wiederholt sich außerdem in der dritten Strophe, also möglicherweise Absicht.
*) ohnehin schreibt man mit h

*) Der Plural "färben" verwirrt mich. Da muss man schon sehr genau hinschauen, um zu kapieren, dass er sich wohl auf das folgende Weiß und Eis bezieht.

*) Die letzte Zeile finde ich etwas enttäuschend, sie wirkt so ... nichtssagend.


Ansonsten: Wie gesagt, gefällt mir gut. Sehr ansprechend, aussagekräftig, rhythmisch gelungen.
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Beitrag#7von Sabeth » 15. Mär 2010 22:26

Schönes Sterben
http://www.youtube.com/watch?v=0zFP3Fi2Hv8&NR=1
Grüße
Sabeth
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Beitrag#8von Fritz Rainer Polter » 15. Mär 2010 23:23

thxs, sabeth, na ja, den Udo hab ich schon
1966 nicht wirklich gemocht.
Allerdings gibt es von ihm eine beachtliche Gypsy-Version von "Pain't It, Black".

Danke, Melusine; für Deine Mühe.
Einiges nehme ich mir an; anderes nicht.
Wie immer. Wiederholungen der Reime
waren auch Georg Trakls Problem;
und, verglichen mit jenem nenne ich Rilke einen Meister des Kitsches.
Sonst natürlich nicht.
Die letzte Zeile war eigentlich die Quintessenz des ganzen Gedichts
und somit die mir liebste - aber gelungen ist sie nicht; das ist wahr.
Obgleich politisch unkorrekt habe ich oben nun einiges geändert.
Sinn und Aufgabe von (meiner) Lyrik ist das "sehr genaue Hinschauen",
oHne dies (danke) geht's nun mal nicht...

>sterben / werden ist ein unreiner Reim. Stört mich allerdings nicht wirklich. Wiederholt sich außerdem in der dritten Strophe, also möglicherweise Absicht. <
1.) stört mich auch nicht
2.) keine Absicht; doch auch keine Alternative, bislang
und, bezüglich der letzten Zeile: Nichts den Gevatter betreffendes
kann jemals nichtssagend sein; auch dann nicht; wenn von mir stammend.
Habe es geändert, bin aber jetzt verdammt nah am jungen HRKunze
(Du also bist mein Tod > "Schließ schnell die Tür, mir wird kalt").
von: Die Städte sehen aus wie schlafende Hunde - Live 1982
Der ist übrigens genial, der junge Kunze; ab 1985
mutierte er dann zum Schlagersänger; Little by Little.
Diese Nähe zu ihm wollte ich vermeiden; aber na ja;
vielleicht fällt mir der Brüller noch ein.
vielleicht doch so (schon dahin geändert:
Gevatter, handle, und mit mir: Wandle.
Na ja, die Nachbesserungen;
da stimmt dann oftmals das ganze Gefüge nicht mehr...

Nochmals Dank sei Dir beschieden for considering my poem

R.
Fritz Rainer Polter
 

Beitrag#9von Melusine » 15. Mär 2010 23:46

Hm, vielleicht hast du zu schnell geändert. Meine Anmerkungen sind immer nur das: Anmerkungen. Gefragt hab ich, weil ich dich noch nicht gut genug kenne. Es ist immer schwirig, zu Lyrik was zu sagen. Zudem bin ich weder schreibend noch lesend damit wirklich vertraut. Rilke mag ich, kennen wäre übertrieben. Trakl? Sagt mir fast nur als Name was. Ich weiß, dass viele Rilke kitischig finden. Ich nicht.

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen
wagt er zu weinen
mitten in uns.

Ist das kitschig?

(Auswendig aufgeschrieben übrigens. Sicherheitshalber nachgeschaut. Scheint zu stimmen.)
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Beitrag#10von Fritz Rainer Polter » 16. Mär 2010 10:04

ich sagte ja schon anderenorts, dass nicht den Gevatter betreffendes
jemals banal oder nunmehr> kitschig sein könne
die metapher, -der tod lache-, zu vermeiden -war selbst zu Rilkes
Zeiten schon mehr als nur weise oder poetisch.
warum aber der tod, statt unserer, weine, würde ich ihn gern fragen
nimmt er uns nicht nur; sondern substituiert uns auch?
soviel. aber: d'accord trotzdem: ich mag Rilke; habe ja keinen
zweifel daran gelassen, als ich sagte, im vergleich zu trakl
(für mich DER Österr. Poet des frühen 20th. century schlechthin).
die duineser elegien des R.
mag ich echt nicht lesen, da dreht sich mir
mein herz
um - ansonsten, klar - großer Meister, der R.
nein, Dein Rilke Zitat besteht, hat Bestand, nur
vielleicht (weniger) aber gegen:

Georg Trakl:

GRODEK

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunklen Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.
Fritz Rainer Polter
 


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