Affenbaby

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 2729

Beitrag#31von rosste » 3. Dez 2006 23:54

die gesellschaft - das sind wir, brigitte
Benutzeravatar
rosste
 
Beiträge: 681
Registriert: 11.2006
Wohnort: norwegen
Geschlecht: männlich

Beitrag#32von Gast » 3. Dez 2006 23:54

Brigitte.. Du bist kein Rasisst

ich auch nicht


doch

wir sind was wir sind

und man kann nicht etwas aus mir machen was nicht in mir ist...

Ich glaube dir das du keiner bist..


es wurde nie geweckt Du hast ein soziales Gewissen -Moral- Liebe ... das sind die hohen Anteile in dir in deinem Wesen ..

wir sind anders aufgewachsen.. doch alles das ist Latent in uns..

weisst du wer du bist ?? wenn du in Afrika oder Indien in Amerika oder mitten in einem Dschungel aufwächst?

weisst du dann wer du noch bist??

Lg casy
Gast
 

Beitrag#33von Gast » 4. Dez 2006 00:00

Danke rosste hatt ich echt vergessen zu schreiben... ;) ist so ..



Der Dschungel kann mitten unter Dir sein im Hochhaus nebenan schon

oder in dem beschaulichen Einfamilienhaus da vorne...
Gast
 

Beitrag#34von Johannes » 4. Dez 2006 21:41

Dieser Text ist traurige Realität. Mir fallen spontan zehn vergleichbare Gesprächssituationen ein, in denen ich mich befand und ungezählte weitere Situationen die ich täglich live erlebe/erlebt habe.

Bezugnehmend auf Casys "Auch die Österreicher ..sind nicht so,vor allem nicht so schnell .." und die Frage nach der Möglichkeit von "latentem" Rassismus - mein persönlicher Eindruck ist, dass sich in Österreich eine Art flächendeckender Alltagsrassismus quer durch sämtliche sozialen Schichten zieht, der jedenfalls um vieles latenter ist als die Arten von Rassismus, die ich in oder aus Deutschland (mit)erlebt habe. Eine Art von Verbrüderung nach dem Motto "Es is doch so, nur darf mans heute nicht mehr sagen".
,
Ich glaube, das hat mit unserer geschichtlichen Rolle zu tun. Österreich als erstes Opfer vom bösen, bösen Nazi-Deutschland war, nein ist über weite Strecken bis heute ein unerschütterliches Tabu. Jeder Versuch daran zu rühren wurde in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zum Skandal.

Qualtinger mit seinem "Herr Karl". Thomas Bernhard mit "Heldenplatz". Die gesamte Waldheim-Causa. Etc, etc.

Alle zwei Wochen haben wir es in der Zeitung: Grazer Geschäftsbesitzer hängt Schild auf: "KEINE SCHWARZEN!" Afrikanischem Studenten Einlass in Lokal verwehrt mit der Begründung: "Heute sind schon genug Neger drin." Und gibt es eigentlich ein Jahr, in dem kein nigerianischer Schubhäftling in den Händen der österreichischen Polizei als tragischer Einzelfall unfallmäßig verscheidet?

Das sind die Extremfälle. Darunter brodelt der breite Teppich: Wann immer man mit jemandem spricht und plötzlich ist sie da, die verräterische Dialektik: "Die Jugos". "Tschuschn". "Die da." Oft nicht mal bewusst verwendet. Dafür um so tragischer.

Irgendwo hab ich mal gelesen: "Unsere größte Leistung war die Welt glauben zu machen, Hitler sei Deutscher gewesen und Beethoven Österreicher". Oder so ähnlich. Das trifft es ziemlich gut.
Johannes
 

Beitrag#35von Dani » 4. Dez 2006 22:21

Wo du das Wort "Alltagsrassimus" benutzt, Johannes, ärgere ich mich eigentlich schon, dass ich gerade diese Episode aufgeschrieben habe. Vielleicht, weil sie mir in Verknüpfung mit der sehr präsenten Schwangerschaft einfach besonders aufschreibenswert schien, ich weiß es nicht. Aber eigentlich ist der alltägliche Rassimus das größere Übel gegenüber solchen eindeutig einzuordnenden Geschichten. Die Grenzen sind hier klar: Der ist rassistisch und meint mit seinem Rassismus genau mich! Während im Alltag oft gar nicht klärbar ist, worum es eigentlich geht. Ist es schon Rassismus, wenn ich eine Wohnung nicht kriege, weil mein Name nicht deutsch klingt? Soll ich beleidigt sein, wenn jemand zu mir sagt: "Sie sprechen aber gut Deutsch!", obwohl ich hier geboren bin und nur zufällig so aussehe, als sei ich das nicht?
Das sind die Extremfälle. Darunter brodelt der breite Teppich: Wann immer man mit jemandem spricht und plötzlich ist sie da, die verräterische Dialektik: "Die Jugos". "Tschuschn". "Die da." Oft nicht mal bewusst verwendet. Dafür um so tragischer.

Tragisch ist das besonders, wenn man die eigenen Eltern oder Bekannte so sprechen hört. Ich kann mich leider nicht mit jedem überwerfen, von dem ich mal gehört habe "Ach, die Russen haben ihren dicken Benz ja vom Staat geschenkt bekommen!" (Ein in Deutschland gern verwendeter Rassismus gegenüber sog. Spätaussiedlern.).

(Schön, dass du da bist, Johannes. Das nur nebenbei.)

LG, D.
Dani
 
Beiträge: 340
Registriert: 11.2006
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#36von Melusine » 4. Dez 2006 22:23

Hallo Johannes,
damit bringst du es auf den (traurigen) Punkt.
Hab nicht alles hier im Thread genau gelesen (stressbedingt), aber ich sehe es genau so wie du. In Österreich ist Alltagsfaschismus sowas Normales, dass er quasi gar nicht auffällt. Ist ja eh alles in Ordnung, es brennen doch keine Asylantenheime ...

Im Übrigen willkommen im Forum! :)

LG Mel
Start where you are. Use what you have. Do what you can. ~ Arthur Ashe
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich

Beitrag#37von Johannes » 5. Dez 2006 19:18

Hallo.

Danke nochmal für die nette Einladung.

Ich finde es ... mir fehlt das Adjektiv. Ich verstehe und sympathisiere mit der inneren Notwendigkeit die einen dazu anhält, solche Erlebnisse niederzuschreiben. Mir geht es sehr oft ähnlich, wenn ich mit so was konfrontiert werde.

Für mich persönlich finde ich es allerdings extrem schwierig, dafür eine geeignete Form zu finden. Man muss sehr aufpassen, nicht in so einen mahnenden Jetzt-tret-ich-aber-mal-für-was-Gutes-ein-Gestus zu verfallen. Zumindest ich muss das und es gelingt mir selten.

Das alte Argument von wegen "Ein Bewusstsein Schaffen" hat für mich immer einen sehr träumerischen bis leicht heuchlerischen Beigeschmack. Die, bei denen ein solches Bewusstsein dringend notwendig wäre, die Zielgruppe sozusagen, ist über solche Wege der Kommunikation nicht erreichbar. Und die, die erreichbar sind, sind es deshalb, weil bei ihnen bereits ein solches Bewusstsein vorhanden ist.

Andererseits ist es in einem drinnen und muss und soll raus. Sich selbst zurückzunehmen, moralisierende Tendenzen weitgehend zu vermeiden und die tristen Tatsachen vordergründig nüchtern zu protokollieren um sie für sich selbst sprechen zu lassen scheint mir vielleicht nicht die einzige, mit Sicherheit aber eine der besseren Möglichkeiten, so etwas zu thematisieren.

Das ist dir mit diesem Text gelungen, Dani.


"Tragisch ist das besonders, wenn man die eigenen Eltern oder Bekannte so sprechen hört"

-- Das stimmt leider. Ein ungeheuer komplexes Problem. In der Leselupe (ironischerweise) hab ich mal einen interessanten Text dazu gelesen. Moment ...

... yup, gibts noch:
http://www.leselupe.de/lw/showthread.php?threadid=65454
Johannes
 

Beitrag#38von Dani » 6. Dez 2006 17:26

Hallo,

danke für den Link zu dem Text von sohalt. Sie trifft das Problem.

Ich dachte mir auch, dass es wichtig wäre, stilistisch relativ nüchtern zu bleiben. Ich habe einige verworfene "politische" Gedicht auf der Festplatte herumliegen. Da finde ich einfach nicht den richtigen Tonfall. Vielleicht haben die Nachbarn es mir auch leicht gemacht dadurch, dass sie selbst schon darüber hinweg geholfen haben mit ihrer Erzählweise. Ich wollte dann keinen "Betroffenheitsgürtel" darum schnallen, der mir fehl am Platz vorgekommen wäre. Irgendwie habe ich deshalb versucht, die Sache über Semra aufzurollen.

Ach, keine Ahnung, ich denke, man kann es besser machen, aber es geht mir da wie dir: Wie? Wie sollte es sein?
Wir können ja noch ein bisschen üben Bild
LG
Dani
 
Beiträge: 340
Registriert: 11.2006
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#39von Melusine » 6. Dez 2006 17:50

== offtopic - Adminzeugs ==
Hi Johannes, hab deinen Link sozusagen "deaktiviert". Bin mir nicht ganz sicher, ob direkte Links evtl. ein rechtliches Problem sein könnten und gerade in der Leselupe sind sie momentan ohnehin "happig" auf alles was hier passiert ... nur zur Vorsicht. (Muss man halt in die Browser-Adresszeile kopieren.)

LG Mel
Start where you are. Use what you have. Do what you can. ~ Arthur Ashe
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich

Vorherige

Zurück zu "Prosagedichte"



cron