boot fahren

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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boot fahren

Beitrag#1von rosste » 4. Jan 2007 01:52

im sicheren kasten treibt benzin uns westwärts
an kleinen inseln vorbei
zwei seeadler am gleichen platz wie gestern
weiße schwanzfedern an dunklen riesen
sie sind sie selbst
jetzt flüchten sie
vor schwächeren

die wellen werden meterhoch
und salzwasser putzt mein fernglas

kormorane sitzen stolz auf nassen steinen
und wie düsenjäger zeichnen sie parallelen zum meer
sie selbst sind sie

ich habe heute noch nichts vernünftiges gesagt
geschweige denn gemacht
der kapitän fährt steuerbord
drei junge braune fischotter inspizieren den strand
lass sie sein
rufe ich dem kumpel mit der schrotflinte nach
morgen bin ich
selbst



zweite fassung "boot fahren" 4.1.2007:


im sicheren kasten treibt benzin uns westwärts
an kleinen inseln vorbei
zwei seeadler am gleichen platz wie gestern
weiße schwanzfedern an dunklen riesen
sie sind sie selbst
jetzt flüchten sie
vor schwächeren

die wellen werden meterhoch
und salzwasser putzt mein fernglas

kormorane sitzen stolz auf nassen steinen
und dann
wie düsenjäger zeichnen sie parallelen zum meer
sie selbst sind sie

ich habe heute noch nichts vernünftiges gesagt
geschweige denn gemacht
der kapitän fährt steuerbord
drei junge fischotter inspizieren den strand
lass sie sein
rufe ich dem kumpel mit der schrotflinte nach
morgen bin ich
selbst
Zuletzt geändert von rosste am 4. Jan 2007 20:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag#2von Gast » 4. Jan 2007 11:11

gestern zog an uns ein Schwarm Pelikane vorbei in die Abenddämmerung..

es ist ein schönes Schau-Spiel in Formation diese großen schönen Vögel fliegen zu sehen..

der Natur so nah sein zu dürfen ein Geschenk..
das ich stest zu schätzen weiß

Du auch.. warm geschrieben rosste..

schön zu lesen am Morgen noch mit einem Cafe in der einen Hand..
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Beitrag#3von brigitte.m » 4. Jan 2007 11:16

bei mir wäre nur ein problem - ich wäre wahrscheinlich seekrank, bei dem geschaukel - würde diese schönheiten nicht geniesen können. fester boden unter den füßen ist mir lieber - da sehe ich nicht so grün aus.

aber du hast es, so schön bildlich beschrieben, das ich es vor mir sehe - ohne auf das boot zu müssen - danke

lg brigitte
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Beitrag#4von rosste » 4. Jan 2007 20:28

danke casy,
die nähe zur natur ist ein geschenk, das wir uns selber geben können. um zu sein, wie wir sind.
in berlin bin ich nicht ich, auch wenn mich diese stadt fasziniert. ein paar tage dort - ist gerade richtig für mich.

danke brigitte,
vielleicht hab ich das gedicht für dich geschrieben. ich glaube, alle können seekrank werden. ich war es auch schon.

habe eine zweite fassung geschrieben.
die parallelen entstehen ja erst beim fliegen der schwarzen vögel
und fischotter sind braun, das braucht nicht noch im gedicht zu stehen.

lg
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Beitrag#5von Zefira » 4. Jan 2007 23:30

Genial der Doppelsinn der letzten Zeilen. Unausgesprochen schwingt mit: morgen bin ich selbst ... ein ... ?

lG Zefira, die das Klasse findet *daumenhoch*
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Beitrag#6von brigitte.m » 5. Jan 2007 00:28

naja,
ich glaube es gibt schon viel menschen die nicht wissen wie die tiere aussehen, deshalb fand ich die beschreibung gut. denk dran manche denken kühe sind lila. andererseits weiß man nicht, ob solche leute trotz beschreibung dies nach vollziehen könne. sehen und fühlen.

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Beitrag#7von rosste » 5. Jan 2007 13:01

danke zefira,
morgen bin ich, wie ich bin. ein stück vom ganzen, ein stück natur, ein wal. die wildnis ist uns immer noch einen schritt voraus.

danke brigitte,
ich denke, manchmal ist weniger mehr: drei junge braune fischotter finde ich eine spur zu viel beschrieben - es gibt ja keine grauen oder gelben fischotter.
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Beitrag#8von Gast » 5. Jan 2007 13:07

manchmal fällt es schwer, aus sich heraus zu kommen, wenn das erlebte, das leben unmittelbar ist, so daß man geistig
wie gelähmt scheint. dabei drängt sich das wunderbare uns doch auf - was ist das bloß für eine unsichtbare mauer, daß ich nicht
einfach eintauchen kann?

so in etwa ging mein fühlen, als ich dein gedicht las, rosste.

bon.
Gast
 

Beitrag#9von rosste » 5. Jan 2007 13:28

danke für deine interpretation, bon.
ja, so ungefähr kann das gedicht gerne rüberkommen.
die möwe ist eine möwe - und ich muss erst tausend prüfungen bestehen, bevor ich ich bin.
am besten heute, spätestens morgen.
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