Das Mädchen

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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Das Mädchen

Beitrag#1von Minouche » 20. Nov 2007 02:49

Das Mädchen

Langsam biege ich
Um die Ecke der Straße
Da stoße ich an ihre
Schwarz-weiß-ringelhalterlosbestrumpften Beine
Fast mit meiner Nase
Stocke, weil sie steht
Ihre Fersen hoch bis zu den
langen Oberschenkeln leicht beschürzt
Im verbreiterten Gürtel
Ihres Rockes
Unter dem der Slip lugt
Nur die schmalen rosa Bänder an den Hüften
Wandere ich aufwärts
sehe ein Röllchen
von bisschen Speck
und unter der schwingenden Jacke
unterhüftlang
ein Shirt, dass die Schultern mehr freilässt als bedeckt
erahne ich
jede Menge unbefleckter Haut.
Den Hals lang und weiß
Reckt sie das Gesicht gen Himmel
Der sich spiegelt im Metall in der Nase
Ihr Mund lächelnd
Sanft und geschwungen
Hauch dunkelroter Lippenstift
In den faltenlosen Augen
Den Wunsch nach Unruhe
Kunstvoll gerahmt von schwarzen Locken
Holt sie aus der Handtasche
An ihrem fast nackten Arm
Bei drei Grad minus
Eine Zigarette
Streicht über ihre verkühlten Nieren
zündet frierend das Ding an
raucht so lang ihr Leben dauern wird
drei Minuten
ich halte sie noch
am Kragen
der kurzen Jacke, die sie trägt,
Webpelz,
und schreie: Steh!

Kein Pferd
das Mädchen geht
Bei Rot
und verliert den Kopf
ein Laster
das schnelle Leben
dauert beim Sterben noch an
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
Minouche
 
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