An den Älteren

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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An den Älteren

Beitrag#1von Minouche » 30. Jan 2009 02:21

Manchmal ist für dich
dieses Blond
nur noch schwer zu ertragen
es ist so allgegenwärtig,
wie du dich nie fühltest

Die ständige Unmittelbarkeit
ihrer hellen Stimme
fräst dir unbarmherzig
Kieswege
in den Wald
deiner stillen Gedanken
dein Wunsch wurde Wirklichkeit
- und erfüllte Wünsche
können grausam sein

sie versteht nicht
deine Spiele und warum du sie spielst
und doch bringst du ihr bei
mit aller Ungeduld eines Lehrenden
wie man spielt und mit was -

und freust dich still
wenn sie dich als das anbetet,
was du bist:
Der Ältere

Du bist klug.
gibst solange nach,
bis du der Dümmere bist,
großherzig, nachsichtig.

Du bist eitel, eifersüchtig
bist ein Geck
wenn du Größe zeigen musst,
trittst sie
vor den Augen der anderen.
Immer die Anderen.

Sie macht dir Angst.
mit ihrem Blond, ihrer Süße,
ihrer Einfachheit

willst du in ihrer Haut stecken.

und was bist du?

Du bist dunkel,
deine Augen sind jadegrün,
deine Seele ist tief und schwer,
die Leichtigkeit der meisten
wirst du nicht verstehen,
mein Sohn,
du bist sehr ernst.

Du hast tiefen Sinn,
in allem, was du bist
du fragst nach Picasso
und erkennst ihn vielfach,
wenn ich ihn dir zeige.
Das ist mehr,
als andere können.

Du siehst Schönheit,
wenn sie dir begegnet
und weist darauf hin.
Manchmal sagst du Dinge,
die Philosophen erkannten,
als sie alt waren
und niederschrieben

fragst mir Löcher in den Bauch
den Hohlraum in meinem Wissen
füllst du
weil ich es mir aneigne
und lerne für dich,
was ich nicht weiß

In deinen tiefen Augen
ist seit einiger Zeit
Glanz ohne Leuchten
du bist sehr krank
hast aufgehört zu vibrieren
zu fragen
liegst nur noch da
mit diesen Augen
die so alt scheinen
und es ist erschreckend
wie schnell die Zeit
Jugend in Alter verwandelt
wenn Krankheit und Traurigkeit
Seele und Körper
besetzen.

Werde gesund.
Ruhe.
Ich werde wachen.
_________________
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
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Beitrag#2von Melusine » 2. Feb 2009 20:45

Hallo Minouche,
ich möchte einen Kommentar schreiben, damit du weißt (und auch andere sehen), dass deine Texte wahrgenommen werden. Wie so oft weiß ich nicht, WAS ich dazu sagen soll, da es sehr persönlich wirkt und sehr tief geht. Also sag ich einfach: Schreib weiter so. Ich lese es gern.

LG Mel
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