Gedankensprung

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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Gedankensprung

Beitrag#1von NDK » 17. Mai 2007 13:47

Überfüllte Ausflugsdampfer im Sommer
bunte Papierschirmchen auf den Eisbechern
beim Italiener an der Uferpromenade der Duft
von Sonnencremes auf vorgebräunter Touristenhaut
hinter teuren Designerbrillen Träume im Dutzend
vom Fluss und vom Meer und noch weiter
stromabwärts schrottbeladene Frachtkähne
nur einen Gedankensprung entfernt.
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Beitrag#2von Gast » 22. Mai 2007 06:32

Liebe NDK,

das hast du gut beobachtet. Ich konnte die von dir beschriebene Szene beim Lesen deines Textes sehr gut visualisieren. Was für ein interessanter Gegensatz... ;-)

Grüße von no-name.
Gast
 

Beitrag#3von NDK » 27. Jun 2007 11:23

Danke sehr, no-name. Leider habe ich Deinen Kommentar erst jetzt entdeckt.

Dieser Text ist einigen Ausflügen ins landschaftlich und kulturhistorisch ziemlich imposante mittlere Rheintal zu verdanken. Anfangs sah ich vor allem das, was alle Touristen dort sehen, später dann auch das Alltägliche und Widersprüchliche...

Begeisterung und Ernüchterung liegen halt manchmal sehr nah beieinander. ;)

Liebe Grüße Dir, NDK
NDK
 
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Beitrag#4von Jakob » 27. Jun 2007 20:48

Hallo NDK

Jede Zeile ein Gedankensprung.
Sehr schön gemacht!
Vor allem gefällt mir die Stelle mit dem Enjambement:

"bunte Papierschirmchen auf den Eisbechern
beim Italiener an der Uferpromenade der Duft"

Das Gedicht liesse sich noch mehr "aufladen", wenn du einige der anderen Zeilen ebenso gestaltest.
Auf diese Weise würde der Titel "Gedankensprung" mit dem lyrischen Werkzeug "Zeilensprung" noch weiter verstärkt werden.

herzlich
Jakob
Jakob
 

Beitrag#5von NDK » 28. Jun 2007 09:43

Vielen Dank, Jakob, für Deinen Leseeindruck.

Nun ja, der "Gedankensprung" sollte sich eigentlich auf den Perspektivewechsel in der vorletzten Zeile beziehen - aber Du hast natürlich recht, auch die Gedanken davor wirken reichlich sprunghaft. ;)

Ich hatte ohnehin vor, diesen Text bei Gelegenheit zu erweitern. Er scheint mir schon wegen der Bilderdichte etwas näher an der Gegenwartslyrik zu sein bzw. er wird den heute bevorzugten Lesegewohnheiten vielleicht eher entsprechen als das, was ich bislang "ausprobiert" habe in meinen lyrischen Texten. Danke Dir für die gute Anregung!

Schöne Grüße, NDK
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