Gesicht

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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Gesicht

Beitrag#1von heike keuper-g » 20. Mär 2007 23:12

Gesicht

Du warst mir so nah,
lächeltest fein,
zärtlich, vertraut.
Deine gelb-grün
irisierenden Augen
blickten direkt in mein
„bitte nimm mich zu dir“.
Wie so viele Male schon,
nahmst du mich,
so wie die anderen auch,
auf deinen warmen Schoß.
Ich genoss deine,
weichen, üppigen Brüste,
presste mich enger,
tiefer, hinein.

In meinem Herzen
das Gefühl von Damals
als ich
„Ein werdendes Etwas“
noch in dir gedeihte.

Du meine grosse Liebe,
Du meine Schönste,
Du mein Traum.

Mutter,
bleib noch ein Weilchen.

Heike Keuper – G
18.03. 07
Zuletzt geändert von heike keuper-g am 3. Mai 2007 16:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag#2von Gast » 30. Apr 2007 08:10

Liebe Heike,

wenn man, so wie ich, seine Mutter während einer langen Krankheit begleitet hat und dann schließlich viel zu früh verloren hat, ist man von deinem Text natürlich extrem berüht - eben so wie ich.

Mir ist trotzdem nicht klar, wie Augen "gelb-grün irisierend" sein können. Ich habe bei Menschen so etwas noch nie gesehen. Gibt es so eine Augenfarbe wirklich? (Das erinnert mich daran, dass in meiner Geburtsurkunde bei der Augenfarbe "bunt" drin steht, weil sich die Ärzte nicht einigen konnten... *lacht*.)

Hier hat sich ein -s zu viel eingeschlichen:
"Ich genoss deine,
weichen, üppigen Brüste,
pressste mich enger,
tiefer, hinein."

Heike, wie so oft bei dir, habe ich diesen Text gern gelesen - du hast mich berührt...

Liebe Grüße aus dem sonnigen Hamburg von no-name.
Gast
 

Beitrag#3von heike keuper-g » 3. Mai 2007 16:33

Liebe Sabine,

erst mal herzlichen dank für deine zeilen.
du das mit den gelb-grün irissierenden augen das stimmt. meine mutter hatte sie,
das eine auge mehr gelb, das andere mehr grün, lach...
so eigenwillig wie die ganze person zu ihren lebenszeiten war.
danke dir auch für das finden des tippteufelchens.

lieben gruß heike
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Beitrag#4von Dani » 10. Mai 2007 15:05

liebe heike,
hier kann ich mich no-name nur anschließen: ein unglaublich berührendes gedicht! besonders, weil es sich anfangs wie eine liebeserklärung an den geliebten partner anhört.
je älter ich werde, desto mehr liebe ich meine mutter, das ist mir in der letzten zeit sehr bewusst geworden. sie erscheint mir auch mit dem nötigen abstand zur pubertät und vielleicht auch, weil sie selbst immer älter wird, viel verletzlicher als früher.
danke für dieses schöne gedicht!
lg, dani
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liebe dani,

Beitrag#5von heike keuper-g » 15. Mai 2007 20:39

die erfahrungen die du nun machst sind sehr schöne und wertvolle, ein wahres zeichen von reife.
ich finde es wichtig das man alle unglücklich gelaufenen situationen miteinader bespricht und ungute gefühle soweit wie möglich aus dem weg räumt. wenn auch der tag x nicht feststeht. erkommt ja ganz bestimmt. und die trauer um das ungelöste, vielleicht auch belastende..die kann man gering halten in dem man zu lebzeiten seine chancen nutzt.
bei uns war auch nicht immer alles supertoll, nebenall den pupertären an-und ausfällen die meine mutter mit mir zu bestehen hatte, konnte ich mit der geburt meines ersten kindes ( 22 lenze war ich gerade geworden) plötzlich meine mutter in einem anderen licht sehen.ich entwickelte verständnis und dankbarkeit. beides wuchs im laufe der zeit. und das ist ein schönes gefühl ,das ich die letzten jahre mit ihr bewußt gelebt habe und keine alten rechnungen mehr offen blieben. ich hätte nie gedacht das mir meine mutter so sehr fehlen würde...aber ich vermisse sie, träume von ihr und denke immer wieder das ichsie anrufen oder besuchen sollte...
danke für dein lesen und deine offenheit.
herzliche grüsse heike
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Beitrag#6von Minouche » 18. Jun 2007 00:12

"Mutter,
bleib noch ein Weilchen. "

Liebe Heike,

ein schöner tiefer Text, der widerspiegelt, dass Einzelheiten
erst im Begreifen des Verlustes, wirklich wahrgenommen werden.

Der Tod gebiert die Erinnerung.

Hautnah empfunden,

liebe Grüße,
Minouche
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hallo du süße,

Beitrag#7von heike keuper-g » 18. Jun 2007 12:49

herzlich willkommen. ich freue mich riesig das du dich hier angemeldet hast.
vielen dank für deine antwort auf mein gedicht.
stimmt steffi, mir fehlt die mutter mehr als ich zu ihren lebzeiten je gedacht hätte.
alles liebe heike
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Beitrag#8von Minouche » 18. Jun 2007 13:48

Hallo, du Liebe!

Danke für das liebe Willkommen! Das ist schön, dass Du hier bist,
dann bin ich nicht ganz so alleine, sondern kenne auch schon jemanden, das macht mich ein bisschen sicherer und mutiger. ;-)

Ich habe hier schon sehr viel gestöbert und gelesen und soviel
Schönes schon gefunden....und nun kann ich dazu auch etwas
sagen und sei es auch nur, dass mir etwas sehr gut gefällt, ohne
Kritikzwang. :-)

Ich freue mich auf euch alle!

Und dein Text gibt genau das wieder, was du mir geschrieben hast:
Das Nicht-Begreifen-Können, die fast unmögliche Erkenntnis, dass man
die Eltern, die doch immer da waren, überlebt. Ich habe mich schon von kindauf immer wieder damit auseinandergesetzt, dass meine Eltern irgendwann sterben werden. Allein die Vorstellung löste einen derart unmittelbaren Schmerz aus, dass ich den Gedanken nie zuende denken konnte. Vielleicht, weil es so unabwendbar ist und diese Gewissheit in sich trägt, dass es passieren wird, so oder so und man nichts dagegen tun kann. Du hast es durchlebt und gefühlt, deine Mutter zu verlieren, dein Text spiegelt all die Liebe und den Verlustschmerz wider, den du erlebt hast. Ein konsequenter starker Text, der mich sehr berührt hat.

Viele liebe Grüße,
Minouche
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Beitrag#9von Melusine » 18. Jun 2007 18:30

Hallo Minouche!

Ich hoffe, Heike wird mir verzeihen, wenn ich dich hier begrüße statt - wie es sich gehört - unter deinem eigenen Text. Es passt aber hier besser. Vermute ich richtig, dass ihr beide euch aus der Leselupe kennt? Dann wirst du hier vielleicht auch andere Bekannte finden, Minouche. Oder wenn schon nicht das (ich hab eben geguckt und gesehen, dass du zuletzt 2004 dort was geschrieben hast), dann wenigstens Leute, die Leute kennen, die du kennst ;).

Sei jedenfalls herzlich willkommen - und ich hoffe, du fühlst dich hier wohl.

Liebe Grüße
Mel
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Hallo Melusine...

Beitrag#10von Minouche » 19. Jun 2007 20:14

danke für deinen lieben Willkommensgruß. Ich schätze Heike so ein, dass sie der letzte Mensch wäre, darüber verstimmt zu sein, dass du mich hier unter einem ihrer schönen Texte, begrüßt.

Sozusagen ist sie ja auch der Initiator dafür, dass ich nun hier bin,
denn sie hat mich erst auf dieses kleine, feine Forum hingewiesen.
(augenzwinkernde Grüße zu Heike)

Ich habe mich hier, vor meiner Registrierung, in manchen Texten derart festgelesen, dass ich die Uhrzeit vergaß und Schwierigkeiten
bekam, morgens früh um sieben aufzustehen.

Das ist mir lange nicht mehr passiert und es ist ein aufrichtiges
Kompliment an die Leute, die hier schreiben.

Bekannte und Unbekannte habe ich hier gefunden, aus Lupenzeiten
und auch ganz neue, spannende Leute.

Manches, was ich lese, macht mich verlegen, ob ich texten soll.
Aber schließlich mache ich das nicht ohne Eigennutz!
Denn verbessern möchte ich mich und lernen und kommentieren,
nach all dem Lesen zuvor, ohne die Mitgliedschaft.

Ich bin sehr ehrlich, was das Schreiben angeht, fühle ich mich mit
einer Resonanz wohl. Egal, wie sie ausfällt. Aus manchem lerne ich
oder es ist eine neue Idee, die mich weiterbringt und positive Kritik
ist einfach auch ein Anreiz dafür, weiterzumachen, denn es gehört
auch immer eine Portion Nervenschmalz dazu, mit den eigenen
Sachen in die Öffentlichkeit zu gehen. Ich habe Lampenfieber bei
jedem Posting und lese alles mindestens dreimal hinterher noch durch.

Also....ich freue mich hier zu sein. Und auf diese freundliche Moderation, die ich hier kennenlernen durfte.

Ihr seid sehr symathisch allesamt.

Liebe Grüße,
Minouche
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