Gott ersoffen

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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Gott ersoffen

Beitrag#1von monehartman » 21. Mai 2010 22:59

Paula schaut und überall Scheitern
Untergänge blühn
aus kranken Geistern und kalten Herzen
die Welt rauscht runter den Bach
der besprudelt blutig den Vollmond
die traurige Wölfin heult Richtung Himmel
bis ihre Kehle nur noch heiser jault
überdröhnt vom Donnergalopp
der apoklyptischen Reiter
das rote Pferd
macht Pause und pisst eine Pfütze
Gott ersäuft im Urin
und Paula tanzt
mit den Bacchantinnen
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Beitrag#2von Der Ohrenschützer » 21. Mai 2010 23:35

Oh, das würde ja fast zur aktuellen Ausschreibung passen.

Meine Eindrücke:
Seltsame Bilder; einige Fragen bleiben offen; eine Paula beobachtet und überlebt die Apokalypse mit Bacchantinnen; sprachlich sehr gerade Sätze, eine herausstechende ungewöhnliche Wortdrehung mit "runter den Bach" statt "den Bach runter"; der Anfang mit dem Weglassen des "sieht" wirkt auf mich gelungen, weniger jedoch die jaulende Kehle und die gepisste Pfütze.

Der Text hinterlässt mich einerseits zu ratlos, als reines Stimmungs- und Wortlautgedicht fehlen mir sprachliche Höhepunkte.

Schöne Grüße,
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text

Beitrag#3von van hengel » 22. Mai 2010 01:39

text gut ... ins freie wollend fängt sich aber immer wi(e)der ein, um den bedeutungen der wörter zu gehorchen.
klar, was will das hirn anderes.
also: allmähliches spüren, dass wir irgendwo anders glücklicher wären.
als in der vernünftigkeit.
stell dir vor, du erfindest eine sprache, die nicht in diese falle tappt.

van hengel
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Beitrag#4von monehartman » 24. Mai 2010 22:45

dank fürs lesen und für eure worte!

ein rotes pferd, das eine pfütze pisst: ist auf dem cover einer platte von den einstürzenden neubauten (haus der lüge),
und während ich den text schrieb, fiel mein blick drauf. so ist das pferd da reingekommen :wink:

liebe grüsse, mone
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