ICH LAUFE UM DEN RING

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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ICH LAUFE UM DEN RING

Beitrag#1von Fritz Rainer Polter » 1. Mär 2010 10:58

21.02.2010





ICH LAUFE UM DEN RING

(Leipzig, Oktober 89; für alle Helden der „Echtzeit“)



Montag ist Schon-Tag? Vorbei!
Nicht für euch – nicht für uns
im gläsernen Glasnost Oktober.


Und wir laufen uns endlich
den Zorn von der Seele
bis er heilig wird,
bis die Stiefel qualmen
-oder eure Knarren, fast schon egal,
gebt ihr uns auch himmlischen Frieden
wie im Tian`a(n)men, früher dies` Jahr,
-seht wir laufen im Haufen
urbaner Macht, der euch Qualen schafft.


Und ich laufe um den Ring.
Jeden Montag, endlich mach ich mein Ding!
Ich laufe an gegen Knarren
muß in Mündungen starren.
Gebt ihr uns auch Blut und Tod
- seht, wir schaffen euch Not!


Natur-gemäß zögernd, doch stets mehr als dabei,
-zögernd, denn nie war ich Teil eines Ganzen,
da ihr jede Menge in Blutrot getränkt.
Einzeln. Ein-Zell. Immer nur: Ich.
Und so auch hier; doch niemals allein.
Endlich: Einmal im Leben. Einmal eben.
Einmal ist kein Mal. Kein Kainsmal – mein Einmal-
eins als Essenz meines endlichen Seins.



Und ich! laufe, skandiere -Baum im Friedwald-
euch zu, meine Feinde: „Keine Gewalt!“
„Stasi in die Volkswirtschaft!“
Obgleich ich in eure Knarren starre
-und mach schnell noch `nen Witz:
Was sollen die bloß in der Volkswirtschaft?
Erstens: Lange schon da!
Zweitens: Falscher Ort
für das lichtscheue Pack.
Als ob jene nicht längst
im Totenbett läge!
-doch aufgepasst! Die Gegenschläge
plant schon so mancheine Hunderschaft.
Ihre Truppen stehen, im Abseits, bereit
für End-Gültigkeit.



Doch wir sind das Volk, und wir sind das Meer,
das euch schluckt - und wir sind entscheidend mehr,
an Menschen, Leben, Herzen,
das Volk, dass auf eure Aufrufe spuckt
zur Besonnenheit, Einkehr, Heimkehr.
Und zurück zuckt nun ihr,
-(uneins, verlassen von jenen Dämonen
die euch lüstern bewohnen);
unser Sieg, unser Glück!
Wir besetzen die „Stasi“ und exorzieren
uns quasi die Dämonen heraus
ziehen ein in das Haus eurer Bösartigkeit,
nun gewandelt durch Raum und Zeit
zum Museums-Alptraum.
Verpasst, Erblasst, Erb-Last;
euer Streben.
Doch wir sollen leben!




Copyright © 2010 by Fritz Rainer Polter
Fritz Rainer Polter
 

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