kopflose kastanienmännchen

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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kopflose kastanienmännchen

Beitrag#1von monehartman » 6. Okt 2010 23:13

*** so, mal eben die überschrift geändernt, aus der
gelangweilten katze wurden kopflose kastanienmännchen ***

erste Fassung:
der Oktober
fällt mir golden in den Schoss
und mein Herz trägt Honigfarbe
den Frost des frischen Tages
atme ich lächelnd warm und
in der blassgelben Sonne des Mittags
lieg ich rücklings, Augen zu
auf einem Bett aus buntem Laub
riech die Erde ganz nah
und in der Ferne schon den Moder
süsse rote Trauben verzuckern mir
die frühe Dämmerung
ich mache Zündhölzer
zu dünnen Beinen
für leuchtende Kastanienbäuche
die Wesen stehn dann kopflos
auf dem Fensterbrett und erregen
keineswegs die Neugier der Katze,
die daneben sitzt und ihr Maul
in grosses Gähnen reisst


zweite Fassung:

der Oktober
fällt mir golden in den Schoss
und mein Herz trägt Honigfarbe
den Frost des frischen Tages
atme ich lächelnd warm und
in der blassgelben Sonne des Mittags
lieg ich rücklings, Augen zu
auf einem Bett aus buntem Laub
riech die Erde ganz nah
und in der Ferne schon den Moder
rote Trauben süssen mir
die frühe Dämmerung
und während nun die Dichter wieder
melancholisch die Vergänglichkeit verdichten
mach ich Zündhölzer
zu dünnen Beinen
für leuchtende Kastanienbäuche
die Wesen stehn dann kopflos
auf dem Fensterbrett und erregen
keineswegs die Neugier der Katze,
die daneben sitzt und ihr Maul
in grosses Gähnen reisst
Zuletzt geändert von monehartman am 11. Okt 2010 21:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitrag#2von debruma » 8. Okt 2010 09:22

machen
Beobachtungen
mit Zeilenumbruch
schon ein Gedicht
fragt sich
d
prosaisch
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Beitrag#3von monehartman » 8. Okt 2010 10:27

hi debruma,

natürlich machen zeilenumbrüche kein gedicht :wink: aber meine "gedichte" sind ohnehin eher
prosa. vielleicht lyrikartige prosa. wer weiss. - aber dein kommentar hat mich zu einer änderung
dieses textes angeregt... (merci dafür). er ist nämlich entstanden, weil jetzt im herbst so viele dichter den
herbst verdichten bedichten, ah du elende vergänglichkeit... und mich das einen moment lang
gelangweilt hat. einige grössere geister haben ja herrliche herbstgedichte geschrieben... *bewunder*

schönes wochenende! lg mone

hier die ergänzte fassung:

der Oktober
fällt mir golden in den Schoss
und mein Herz trägt Honigfarbe
den Frost des frischen Tages
atme ich lächelnd warm und
in der blassgelben Sonne des Mittags
lieg ich rücklings, Augen zu
auf einem Bett aus buntem Laub
riech die Erde ganz nah
und in der Ferne schon den Moder
rote Trauben süssen mir
die frühe Dämmerung
und während nun die Dichter wieder
melancholisch die Vergänglichkeit verdichten
mach ich Zündhölzer
zu dünnen Beinen
für leuchtende Kastanienbäuche
die Wesen stehn dann kopflos
auf dem Fensterbrett und erregen
keineswegs die Neugier der Katze,
die daneben sitzt und ihr Maul
in grosses Gähnen reisst
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Beitrag#4von debruma » 8. Okt 2010 13:01

Vielleicht habe ich einen Oktobersonnenstich...

Aber:
Zwei Zeilen mit erstaunlicher Wirkung.
Da zieht mal eben so eine weitere Ebene ein, stellt den Beobachtungen etwas entgegen und dichtet ab.

so was ...

d.
Kommentar 1 zurücknehmend
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Beitrag#5von bonanzamargot » 8. Okt 2010 15:36

läßt mich schwelgen - dein gedichtetes herbstliches stilleben.
und weckt weit vergangene erinnerungen: es ist ewig her, dass ich kastanienmännchen bastelte ...
so ein goldener oktober hat was. ich liebe das herbstliche licht und sein farbenspiel im laub.
dein gedicht bringt viel von dieser stimmung rüber.
bonanzamargot
 

Beitrag#6von bonanzamargot » 8. Okt 2010 17:59

ach ja: schnurr!
um dem titel rechnung zu tragen.
bonanzamargot
 

Beitrag#7von van hengel » 9. Okt 2010 00:38

schau, wie einfach das ist: kaum rücklings wollen sie sie dir zwischen die breiten beine ...
das machst du schon verdammt gut ...
du merkst , dass du hier in dieser einöd wort bist ...
du bist halt einfach du selbst was du schreibst
es giebt nur wenige die ich lesen will

dein van hengel
van hengel
 

Beitrag#8von Melusine » 9. Okt 2010 01:33

Männer!

Ich mochte die kopflosen Kastanienbäuche und die unneugierige Katze. Einfach so. Jetzt habt ihr daraus eine ungefickte Geschichte gemacht und das stört mich. Irgendwie.
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Beitrag#9von monehartman » 10. Okt 2010 20:35

nen schönen sonntagabend wünsch ich euch!

@bonanza: dass mein text dich schwelgen lässt und dir
eine Stimmung rüberbringt, macht mich rund zufrieden:
ich schreibe immerhin auch mit der absicht,
bei dem ein oder anderen menschenexemplar eine
wirkung zu erzielen. ziel bei dir erreicht :wink:

@van helden:
einöd wort. manchmal möcht ich wörter brechen,
bis mir durch die Staubkrusten der rote saft des lebens ins gesicht spritzt.
- was die dinge kompliziert: wenn ich aus wörtern texte baue, sind material und werkzeug eines: eben sprache.
ich denke MIT sprache ÜBER sprache nach.---

@melusine:
ach, lass dich nicht stören... freut mich, dass du meine kastanienmännchen mochtest.
ja, als kind hab ich die auch immer gern gebastelt, bei uns um die ecke stand ein
herrlicher kastanienbaum, bis heute erinnern mich kastanien an ein paar wirklich gute
kindheitsmomente.

lg mone
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Beitrag#10von Melusine » 10. Okt 2010 21:28

Hehe, bei mir steht JETZT direkt vor meinem Fenster ein Kastanienbaum und ich hätte große Lust ... ob ich das wohl überhaupt noch kann? ;-) Jedenfalls kann ich im Herbst nie anders als ein paar Kastanien mitzunehmen, obwohl sie ja leider sehr schnell den Glanz verlieren, wenn sie nicht mehr in der feuchten Wiese liegen.
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