krötenschwer

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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krötenschwer

Beitrag#1von Oellampe » 15. Sep 2008 14:04

krötenschwer



summmssss
auch menschen stauben ein
anfang august, und ich friere wie ein schneider
das t-shirt hängt mir bis zu den knien
drunter habe ich nichts an
ich beginne den tag mit eiskaltem warsteiner
und den neuesten berichten vom tage
aus dem radio
am computer schüttele ich mich
und niese in mein t-shirt
der ganze staub umgibt mich wie eine wolke
nach dem dritten niesen sehe ich aus wie
ein staubpilz
ich telefonierte vorhin mit genscher
er hört
sich immer noch an wie ein elefant
aus disneyworld
na gut, heute nacht träumte ich, ich würde auf
dem mond spazieren gehen
und ich sehe die erde aufgehen
es ist gerade so, als würde ich eine riesige iris
vor mir sehen
ich will auf sie zuspringen
über die kraterlandschaft hinein in das blaue
auge der welt
dann war ich bei mir und schloß die terassentür
ich streichelte mein fahrrad
und schaute auf die birke
vor meiner tür
sie hat viele blätter
und ich bemerkte ihre früchte
sie geht auf
die welt hat einen mund und nimmt mich
in sich - in ihren weichen gaumen
ich fühle mich wie ein baby
und halte mich an der eigenen nabelschnur
fest
der mund redet
während ich das silberpapier von der öffnung
der bierflasche kratze
die sonne gesellt sich dazu und spielt
mit den birkenblättern
danke, sage ich
du musst mich öfters entstauben
in wahrheit habe ich dich nie verlassen
summmssss
embryo – fast lurch
zeige mit dem kleinen fingerchen auf einen stern
in der galaxie
die gebärmutter
auf meinem nacken sitzt eine kröte, die quakt
ich mag nicht hinfassen
das dumme ist, dass ich nicht aufwache
ich werde nie mehr aufwachen






06.08.2002 09:29 von margot
Oellampe
 

Beitrag#2von Ich bin zwei Öltanks » 16. Sep 2008 05:17

Schön, daß ich auch mal Gelegenheit bekomme, eines deiner Werke fachquerolant zu betreuen.

So sage man mir, der ich noch neu und ungebildet bin, wenn es um Lyrik geht, um ihre Formen und Strukturen, um ihre Wirkung und Gestaltung ...

warum is das hier Vorgetragene Lyrik?
Es hat keine Form, keinen Reim. Es erzählt im Telegrammstil eine Geschichte.
War es zu mühsam, die Geschichte korrekt auszuformulieren? Eine Hintertür, ja?
Warum stehen in einzelnen Zeilen nur einzelne Worte? Zufall? Wies eben grade so kommt?

Is das nicht ein wenig ... einfach?
Alles nur Fragen, hat mich schon immer interessiert, aber wenn man z.B. michy nach sowas fragt, kriegt man nur
" :arrow: 8) 8) :evil: :!: :-? Topflappen :wink: :wink: :wink: " als Antwort, da käm ich mir blöd vor, zugeben zu müssen, daß ich solche Zeichensprache nicht verstehen kann. Aber bon, du erklärst es mir bestimmt gerne, oder?
Bitte ...



Zum Inhalt:

Galaxie der Lurche - Nasskalte Embryos trinken Bier aus eingestaubten Krötennäbeln

Ein Rätsel, ein zu Tode versinnbildlichtes.
Kennst du die drei ??? Fragezeichen
Die müssen oft Texte dieser Art entschlüsseln, weil es eigentlich geheime Schatzkarten sind, über und über mit konfusen Zusammenhangstretminen bestückt und wenn überhaupt nur demjenigen einleuchtend, der das Drehbuch gelsen hat, oder geschrieben, das würde auch helfen.

Nein, ich übertreibe.
Der Protagonist wird alt, beklagt dich darüber, dann knallt er sich die Rübe zu und sieht sich im Geiste zurück in Mamis Zwischenlager kriechen. Kurzum: ein spaßiger Abend im eigenen Rausche. Stimmt das so in etwa?


Tja, was halte ich nun davon?
:-?
Ich kann dir sagen ... ohne rot zu werden ...
subjektiv als wahrheitsgetreu empfunden ...
...
Warsteiner mag ich. Gute Wahl. Würde nix anderes aus Krötennäbeln trinken wollen.
Dat find ick knorke.
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Beitrag#3von Gast » 16. Sep 2008 07:12

:wink: nu nu nu doppeltank: bin ich lyriker? nee :mrgreen: na siehste. für meine drecktate reichen also strich mans zu erklärung auf unziemliche nach fragen :-P :-P
Gast
 

Beitrag#4von Gast » 16. Sep 2008 11:36

danke für deine mühe, ölinsel, leider kann ich mit deinen kritischen bemerkungen nichts anfangen - zu wenig ausformuliert, abschweifend, thema verfehlt.
ob das lyrik ist oder nicht?
gucke mal auf die forenüberschrift.
Gast
 

Beitrag#5von Melusine » 16. Sep 2008 14:17

bon, warum erklärst du denn nicht einfach, was ein Prosagedicht ist? Ich weiß, dass du das kannst, schließlich hast du es mir auch mal erklärt.
Wir könnten das dann als eine Art Forentext oben anpinnen, denn die Frage wird bestimmt noch öfter auftauchen.


In Bezug auf Inhaltliches sehe ich da eigentlich nur eine "kritische Bemerkung", nämlich: Der Text sei konfus und kaum bzw. gar nicht entschlüsselbar.
Hinzu kommt ein knapper Interpretationsversuch, verbunden mit der Frage, ob dieser denn so stimme.

Okay, wenn du nicht antworten willst, versuche ich es mal, aus meiner mittlerweile recht umfassenden Rezeption deiner Werke heraus.


@ Öltanks:
Dies ist ein für bon recht typisches Gedicht. Es geht dabei nicht ums Entschlüsseln. Der Leser sollte die freien Assoziationen einfach auf sich wirken lassen wie beim Betrachten eines modernen Gemäldes.
In mittelalterlichen bildlichen Darstellungen wirst du eine Bildsymbolik finden, die einer festgelegten Ikonographie folgt; so du diese kennst, kannst du das Bild "lesen". (Weiß ich deshalb, weil ich das Zeug mal zu studieren versuchte - es interessierte mich aber zu wenig.)
Bei modernen Kunstwerken ist das in der Regel nicht der Fall. Ebensowenig in diesem Gedicht. Wenn hier etwas verschlüsselt ist, dann wurde es vom Unterbewusstsein des Autors verschlüsselt. Es ist offenkundig eine Vermischung von erinnerten Traumbildern und Wachträumen, sowas macht bon öfter, und es ergibt manchmal ganz fantastische Texte. Diesen hier würde ich nicht gerade zu seinen herausragenden Meisterwerken zählen, aber er gefällt mir.

Der Protagonist wird alt, beklagt dich darüber, dann knallt er sich die Rübe zu und sieht sich im Geiste zurück in Mamis Zwischenlager kriechen.

Hui. Ich würde sagen: Du hast es knapp und präzise auf den Punkt gebracht. (Was bon vermutlich leugnen wird - es deckt sich aber weitgehend mit MEINER ganz persönlichen Interpretation.)
Interessanterweise kommt das Embryonalstadium in bons Gedichten ziemlich häufig vor, meist in traumartigen Sequenzen.

Guck mal hier:
http://bonanzamargot.twoday.net/stories/3066000/
Damit kannst du möglicherweise mehr anfangen, es ist ein gut durchkomponiertes Gedicht.
Könnte dir evtl. auch ein bisschen näherbringen, was das Wesen eines Prosagedichts ist, wenn bon es schon nicht erklären mag.
(Ist übrigens eins meiner Lieblingsgedichte von ihm.)
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Beitrag#6von Ich bin zwei Öltanks » 17. Sep 2008 07:55

Ja, die Nummer mit der Innenarchitektin gefällt mir tatsächlich besser.
Wenn ich dereinst im Uterus was unterzeichnetet hab, war dat auf jeden Fall auch so'n linkes Ding, wenn auch ganz anders link. Ok, ICH hätt bestimmt ALLES unterschrieben damals, hauptsache raus aus diesem düsteren, verqualmten Cognacschwenker!


Trotzdem weiß ich noch immer nich, warum bonnönchen sowas in merkwürdigen Zeilenumbrüchen ohne Satzzeichen als "Gedicht" verarbeiten und nicht in solider Prosaform ausformulieren tut.
Wegen des eindrucksvolleren, künstlerischen Touches womöglich?
Sieht merkwürdig aus, hört sich altklug an, muß also Kunst sein?

Ich frag ja nur, weil ...


michy hat geschrieben:bin ich lyriker?



... wenn ich solche Sachen wüßte, würd ich nich fragen.
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Beitrag#7von Gast » 17. Sep 2008 12:36

ich bin es müde, meine stellungnahme zu prosagedichten, epik, lyrik und prosa zu erörtern.
die forenüberschrift und die kurze erläuterung reichen vollkommen aus.
ich nehme es hin, dass viele autoren meine auffassung, was denn ein gedicht ausmacht, nicht teilen.
darüber ewig zu streiten, ist in meinen augen dämlich. kunst streitet nicht, kunst überschreitet selbstverständlich grenzen, was ganz allein im ansinnen des künstlers liegt.
ich muß es auch hinnehmen, dass meine gedichte von unterschiedlichen menschen unterschiedlich aufgenommen und interpretiert werden, dass sie unterschiedlich bewertet werden.
ich kann es nur nicht leiden, wenn man dümmlich von den gedichten auf die persönlichkeit des dichters ableitet.
polemik schön und gut. da habe ich auch meinen spaß dran. von mir aus zerreißt mein gedicht. aber aussagen zu meiner person, die unter die gürtellinie zielen, verbitte ich mir!

wenn wir anfangen, die personen zu thematisieren, dann haben wir das, was wir immer verächtlich schlammschlacht nennen.
Gast
 

Beitrag#8von Melusine » 17. Sep 2008 13:07

Wer thematisiert denn Personen?
Allenfalls DU, wenn du darauf bestehst, dass das LyrIch mit dir identisch ist.

Und was heißt bitte, du bist es "müde", deine Sichtweise zu erörtern? Hast du das hier schon mal getan? Ich kann mich nicht daran erinnern.

Was du sagst erinnert mich an meinen Physiklehrer, der Schülerfragen, die er nicht verstand, grinsend unter "dumme Fragen" abhakte, die man nicht zu beantworten braucht.
Er hätte sie vermutlich nicht beantworten können, weil er zu dumm war. Du bist aber keineswegs dumm.


die forenüberschrift und die kurze erläuterung reichen vollkommen aus.

Nein.

Ich bin zwei Öltanks hat geschrieben:... wenn ich solche Sachen wüßte, würd ich nich fragen.



Hätte ich im Netz eine wirklich brauchbare Erklärung zum Thema "Prosagedicht" gefunden, würde ich dich nicht darum bitten, es zu erklären. Ich finde aber keine. Das Brauchbarste, was ich finden konnte, ist das hier:
http://www.prosagedicht.de/

Verständlich, wenn man weiß worum es geht. Wenn ich noch nie was darüber gehört hätte, könnte ich damit vermutlich nicht viel anfangen, denn es ist nur ein Stichwortkonzept für ein mündlich gehaltenes Referat.
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Beitrag#9von Gast » 17. Sep 2008 13:43

ich schreibe aus meinen erfahrungen und meinem wissen. ausserdem verarbeite ich mal mehr oder weniger meine gefühle. bei gedichten überwiegen die gefühle. bei prosa stemme ich noch eine menge sachlichkeit und beobachtung hinzu. das ganze gelangt dann von selbst in eine andere form. ich kann aber nur über meine vorgehensweise beim schreiben sprechen, deswegen wäre es töricht, z.b. öltank erklären zu wollen, was lyrik ist, denn 1.) beschäftigte ich mich damit nicht wissenschaftlich, und 2.) habe ich einen ganz subjektiven zugang zur schriftstellerei und zur kunst.

egal, wie authentisch die gedichte, die ich schreibe, angeblich sind, will ich nicht, dass man sie mit mir gleichsetzt. das ist in etwa ähnlich dumm, als würde man einen schauspieler deckungsgleich mit seiner rolle sehen. ich weiß, dass die verführung dazu groß ist, aber es ist und bleibt eine falsche wahrnehmung. jedes meiner gedichte hat nach seiner fertigstellung nur noch einen indirekten bezug zu meiner person - nämlich den, dass ich es schrieb.

melusine, du weißt schon, wo du mich persönlich mal wieder ansprachst. es macht dir in letzter zeit offenbar freude, dir a) sorgen um mich zu machen, und mir b) lebensratschläge zu erteilen, wie ich erwachsen werden könnte.
du mischst dies in die thematischen auseinandersetzungen ... weißt doch aber genau, dass es tiefschläge sind.
noch mal für melusine, virago und alle: unterstellungen/sichtweisen einer person gegenüber und neunmalkluge persönliche ratschläge haben in werke-threads nichts zu suchen. die kann man per mail abhandeln.

im besten fall sagen wir einfach, warum uns ein gedicht oder eine geschichte nicht gefällt. es ist ganz normal, dass negative kritik für einen autor nicht erfreulich ist. aber selbst wenn jemand sagt "ich finde dein gedicht einfach zum kotzen" muß ich, muß man dies als statement hinnehmen. etwas anderes ist es, wenn der kritiker zwischen mir und dem gedicht also eine verknüpfung herstellt, durch die er ausdrückt, dass er mich zum kotzen findet.
manchmal ein feiner, gar zu feiner unterschied, ich weiß, doch es bleibt ein entscheidender unterschied!

(nachtrag: ebenso fühlen sich autoren/autorinnen von einer herben kritik zu oft persönlich angesprochen, ohne dass der kritiker die person diffamieren wollte.)

bon.
Gast
 

Beitrag#10von Gast » 17. Sep 2008 14:24

:wink: natürlich kannst du oder wer schreiben: 'dein gedicht finde ich zum kotzen', mmn. gehört dann dazu aber ein 'weil ...' :arrow: ansonsten ist es, als wenn du einem gegenüber grundlos in die fresse schlägst - und wer hat das schon gerne :-P

ach, es könnte am pc so nett sein... :-D
:arrow:
Gast
 

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