nichts neues

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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nichts neues

Beitrag#1von rosste » 15. Jan 2007 23:24

packe kleine wassertabletten in spritzenpumpen – tagesportionen
regen treibt patientenbeine zum schwellen
herzinsuffizienz und goldene kettchen blinken zu früheren zeiten
jetzt ist viel zeit
im halbschlaf atemnot und ein brennen im brustkorb
lösche ein paar flammen mit meinem stethoskop
und nehme ihn an die hand
har du sovet godt?
ein kollege will die nieren peitschen
ich spann einen antileidensteppich
und angehörige werden auf der streckbank gefoltert
intensivmedizintheater – schauspieler, künstler, zuschauer
er will sterben
warum wollen wir das nicht?


har du sovet godt? = norweg. hast du gut geschlafen?
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Beitrag#2von brigitte.m » 15. Jan 2007 23:30

ja diese frage steht oft im raum - in deinem und meinem beruf.

schönen abend
brigitte
Schreiben - ist schriftliches Denken.
(brigitte.m)
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Beitrag#3von NDK » 16. Jan 2007 11:13

warum wollen wir das nicht?


...weil wir dann die Rolle, die wir in diesem Theaterstück spielen, hinterfragen müssten...?

Ein guter Text, der nachdenklich macht, Rosste.

Was für den Einen nur ein Ausschnitt aus einer alltäglichen Seifenoper ist, ist für den Anderen der letzte Akt auf dieser Welt. Dazwischen erstreckt sich oft ein erschreckend tiefer Abgrund.

Liebe Grüße, NDK
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Beitrag#4von rosste » 16. Jan 2007 17:42

danke brigitte, danke ndk,
im sinne des pastienten zu entscheiden, kann manchmal bedeuten, die behandlung eben nicht zu erweitern - um das leiden des patienten nicht zu verlängern.
es ist einfacher, einfach etwas zu machen, zu therapieren, als "nichts" zu machen (= die bisherige therapie fortzusetzen und keine therapieerweiterung bei verschlechterung durchzuführen.)
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