Reflexionen

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 702

Reflexionen

Beitrag#1von Minouche » 19. Jun 2007 19:23

Reflexionen


Grätenschatten von Fischen auf den Holzdielen
spiegeln meine abgenagte Seele wider
rechts von mir der trotzige Gesichtsausdruck
eines kleinformatig hingegossenen Frauenaktes
gleich neben dem verblichenen Bild deiner Großmutter
umrahmt vom Rosenkranz
der mir erzählen will
von den Perlen des Lebens
doch ich lasse ihn nicht...

Ich sitze im Schneidersitz
und bete einen schwarzen Torso an
einen anderen Gott will ich im Moment nicht
auch wenn David Bowie mich von oben herab
lüstern taxiert und mir in den Ausschnitt späht
versinke ich in den Augen eines imaginären Kopfes
mein Kaffee wird kalt
meine Kippe raucht sich von alleine
während ich von Degas träume
leichtfüßig der Ballerina das Tutu lüpfe
doch mein Traum verfängt sich am Kleiderständer
bleibt hängen und stürzt bodenlos tief

Es wird nie wieder vorkommen -
tut mir so leid
klingt das Riff deiner Gitarre in meinen Ohren
leise schwingen die Saiten im Windzug
des geöffneten Fensters
wie ein Nachhall von längst Verziehenem
ich sitze inmitten der Reflexionen deines Spiegels
...
mein Tag umhüllt deine Nacht
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
Minouche
 
Beiträge: 221
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#2von Gast » 8. Jul 2007 08:00

eine schöne reflexion :-D , die aber mmn in den anfangszeilen der ersten strophe viel zu viel von der 'abgenagten' seele usw. will :?:
Gast
 

hmmm.....

Beitrag#3von Minouche » 8. Jul 2007 14:00

Michy....

Wahrscheinlich bin ich mal wieder zu begriffsstutzig oder sehe vor
lauter Wald die Bäume nicht.

Aber ich bin lernfähig. ;-)

Ich nehme jetzt mal an, dass dir der Begriff der "abgenagten" Seele
zu stark ist im Vergleich zu den übrigen Strophen. Also eigentlich
wäre eine abgenagte Seele nicht mehr zu retten für ein Verzeihen,
oder? Aber ein lange zehrender Streit kann abnagen, ich habe versucht zu beschreiben, wie die Situation war. Und das war das Gefühl, das ich empfand..

Ich lasse mir das alles mal gründlich durch den Kopf gehen und
denke nochmal nach. Vielleicht fällt mir noch eine bessere Metapher ein...gib mir mal ein bisschen Zeit. ;-)

Liebe Grüße,
Minouche
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
Minouche
 
Beiträge: 221
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#4von Gast » 8. Jul 2007 14:16

... ich meine gräten sind schon abgenagt ? :)

:arrow:
Grätenschatten von Fischen auf den Holzdielen
spiegeln meine - Seele wider
rechts von mir der trotzige Gesichtsausdruck
eines - - Frauenaktes
- neben dem verblichenen Bild deiner Großmutter
:?:
Gast
 

Beitrag#5von Minouche » 9. Jul 2007 01:17

Lieber Michy.

Irgendjemand hat mir mal gesagt, dass der Dichter schreibt, was er sieht. Hm. Genau das habe ich gemacht in diesem Gedicht.
Die Grätenschatten der Fische waren die Reflexion eines Wandbehangs auf Holzdielen.
Der spiegelte seinerseits (ich verknarzt mit Kaffee mittendrin sitzend)
das wieder, was mein Kopf war. Nämlich eine Fischgräte.
Ziemlich abgenagt. Nimm die Gräten doch mal als Bild. Als Fishbones.
So, wie sie auf Tüchern abgebildet werden. Tja, und wenn man verknarzt ist, dann kommt einem das Bild der Großmutter gerade recht, oder? Und dann noch mit Rosenkranz umrahmt...und trotzig
ist man nach einem Streit.

Michy, ich weiß es nicht. Ich habe ja gesagt, ich denke da nochmal drüber, weil mir Eure Kritik so wichtig ist. Ich werde mir Mühe geben.

Du schreibst unglaubliche Texte.
Gib mir mal büschn Zeit.
Aber schwer fällt es mir, nach so langer Zeit, diesen direkten
Bezug wieder herzustellen.
Da bin ich ganz ehrlich.
Ich stell nix Altes mehr ein.
Quäle ich mich sehr mit.

Lächelnd,
liebe Grüße,
Minouche
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
Minouche
 
Beiträge: 221
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#6von Gast » 9. Jul 2007 06:05

klar, Minouche :) , schreibt man was man sieht und empfindet - und die bilder, die du zeigst, sind auch unbestritten was du schreiben willst und musst, nur - ein leser empfindet anders. hier sind es nur nuancen, die ersten zeilen, die mmn nach - leicht abgespeckt - mehr wirkung erzielen würden. deshalb.

aber das ist nur meine meinung und die ist :!: nicht maßgebend, denn ich bin laie :!: .
aber evtl. sagen die experten hier noch etwas zu deinem wirklich lesenswerten werk :?: :)

häppi sundä :) :)
Gast
 

ach soooo.....

Beitrag#7von Minouche » 9. Jul 2007 14:46

Michy, ja, ich glaube, ich weiß jetzt, was du meinst. ;-)

Ich bin manchmal etwas begriffsstutzig...... :oops:

Ja, da kann ich auf jeden Fall was machen, das stimmt!

Ich dachte, ich müsste jetzt den ganzen Text in seiner Aussage
verändern und da stand ich dann doch ratlos davor und wusste
nicht genau, wie ich das anstellen sollte.

Jut, dann mache ich mal Textarbeit. Schaun wa mal, ob ich es
besser hinbekomme. :-D

Auf jeden Fall mal ganz lieben Dank, dass du dir soviel Zeit nimmst
und mir die Bretter vorm Kopf weggeräumt hast. Wie gesagt.....ich brauche manchmal etwas länger....

Verschämt grinsende Grüße,
Minouche
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
Minouche
 
Beiträge: 221
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#8von brigitte.m » 9. Jul 2007 16:26

also,
ich finde hier die "abgenagte seele" passend, wenn es auch oft gebrauchter begriff ist.

lg brigitte
Schreiben - ist schriftliches Denken.
(brigitte.m)
Benutzeravatar
brigitte.m
 
Beiträge: 883
Registriert: 11.2006
Wohnort: nähe wolfsburg
Geschlecht: weiblich


Zurück zu "Prosagedichte"



cron