Sommersamstagabendbalkonausblick

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

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Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#1von fabuln » 22. Feb 2011 22:34

Sommersamstagabendbalkonausblick

um die Ecke geht die Sonne unter
links unten toben Nachbars Kinder im Garten
gegenüber wird gegrillt
die letzten Hummeln brummeln

Wolken ziehen auf
das Rädchen wird geparkt
die Schüsseln sind leer
eine Libelle hat sich verirrt

leichter Wind
Kind ist müde
Teller klappern
die Amsel hoppelt wurmgierig

in der Buche rauschen ein paar Blätter
Mama ruft
das Bier ist alle
der Rotschwanz knackt

ein paar braune Blätter hat es schon in der Krone
Kind quakt
die Grillfamilie verzieht sich in's Häuschen
Amsel ist zufrieden

morgen soll es wohl regnen
nebenan im Garten ist's still geworden
gegenüber auch
ich brauch noch nicht mal 'nen Wurm
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Re: Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#2von bonanzamargot » 23. Feb 2011 15:40

prosagedichtete atmosphäre spießiger sonnabendgrilllaune. gar nicht mal ungelungen. auch die form der aufzählung - passt scho`. nur das mit dem wurm am ende kapierte ich nicht.
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Re: Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#3von bonanzamargot » 23. Feb 2011 17:52

und: soll`s heißen "der rotschwanz knackt" oder "der rotschwanz kackt"? ich meine, wobei knackt ein rotschwanz denn?
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Re: Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#4von fabuln » 23. Feb 2011 18:50

mit 'n'
die sitzen 'rum und machen knackende geräusche - jedenfalls jene, die hier im garten herumflattern
andere vögel piepen
diese knacken tatsächlich
---

hab nachgelesen auf den passenden seiten. da ist die rede von einem "schnickernden Warnruf einleiten, also etwa hüit-tick-tick oder füid-tek-tek"
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Re: Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#5von bonanzamargot » 23. Feb 2011 19:02

wow. da muss ich mal meine ohren nächstens nach diesem "knacken" aufsperren.
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Re: Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#6von fabuln » 23. Feb 2011 19:11

ist wohl vor allem dann der fall, wenn katzentiere in der nähe sind. oder zweibeinige gartentiere mit hacke und spaten ...
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Re: Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#7von bonanzamargot » 23. Feb 2011 20:01

ich liebe die natur, aber ich bin kein ausgesprochener naturfreak. meistens kann ich akustisch nur lkws von pkws unterscheiden.
ich sollte mal wieder an so einem sommertäglichen spießergrillfest teilnehmen. und wenn dann ein vogelkundler mit von der partie ist ..., dann erzählt der mir vielleicht bei einem bier, wie man das ein oder andere knacken auf gewisse vögel zurückführen kann.
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Re: Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#8von Melusine » 24. Feb 2011 21:01

Hallo fabuln,
gefällt mir gut. Fängt wunderbar die Atmosphäre ein, einschließlich der Belanglosigkeit und Langeweile. ;-)

Ein paar Kleinigkeiten sind mir aufgefallen: "Hummeln brummeln" - das klingt für mich ein bisschen gewollt. Können sie denn nicht einfach brummen? Der Assonanz täte das keinen Abbruch.
Dann: Wieso "Rädchen"? Die Verniedlichung kann ich nicht ganz nachvollziehen. Du meinst vermutlich ein Fahrrad, oder? Bei uns heißt das umgangssprachlich "Radl". Kann es sein, dass du einen umgangssprachlichen Ausdruck "verhochdeutschen" wolltest?

Bei der hoppelnden Amsel musste ich grinsen. Aber stimmt - die hoppeln wirklich. Auf die Idee muss man erst mal kommen.

Korinthenkackerei: "in's Häuschen" schreibt man ohne Apostroph.

Den Wurm am Ende würd ich so interpretieren, dass das lyrische Ich - anders als die Amsel und die Grillfamilie - keinen Hunger hat, sondern wunschlos glücklich ist.
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Re: Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#9von fabuln » 24. Feb 2011 22:58

hallo melusine,

herzlichen dank für deine hinweise. manches, was du schreibst, war mir zuvor eigentlich selbstverständlich, nun nicht mehr. das gefällt mir.

na klar brummen hummeln. ich meinte tatsächlich brummeln, weil an dem abend irgendwie lustlos hin- und herbrummelten. aber das erschließt sich tatsächlich nicht aus dem text und irritiert wohl eher.

das rädchen. das ist vom kind, das zuvor in nachbars garten tobte und später von mama gerufen wird. da brauchte es ein kleines rad, in dem mir naheliegenden rheinischen ist's halt das rädchen (rheinisch-korrekt wär es das räd'schenn - aber das hätte zu großen irritiationen gesorgt).

in's. ja. stimmt. hast recht. na klar. ist meine private macke.

das mit dem wurm. mag sein. das weiss ich gar nicht mehr. vielleicht war es auch nur wunschlos. einfach so. ich weiss es wirklich nicht mehr. aber würd es bestimmt noch einmal so schreiben.

dankeschön!

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Re: Sommersamstagabendbalkonausblick

Beitrag#10von Melusine » 26. Feb 2011 04:40

Ah, okay. Brummeln verbinde ich auch eher mit Lustlosigkeit. Aber hier wirkt es halt eher wie ein gewollter Binnenreim.

ad Rädchen: Und ich wollte dich schon fragen, ob du ein Kinderfahrrad meinst. ;) Dann dachte ich mir, Quatsch, da interpretier ich was rein, wer sagt denn schon Rädchen. - Wieder was gelernt.

Übrigens dachte ich mir bei deinem ersten Text: Hilfe, Kölsch! Dann waren es aber eh nur zwei Sätze.
Rheinisch, sagst du. Ich hab grad den Mundarttext eines Pfälzers gehört. Ist dem Rheinischen wohl recht nahe. Ich verstehe allenfalls Bruchstücke. Das ist eine Fremdsprache wie ... Niederländisch. Oder Platt.

Kein Scherz. :)
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