Tagtraum

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 295

Tagtraum

Beitrag#1von Frank P. » 8. Jul 2007 23:09

Tagtraum



Seltsame Stimmung, Neuropathie
als braut sich was zusammen, Alchemie
die Erde hat Schluckauf
und schlägt Purzelbäume
die Polkappen schmelzen in einer Nacht
ich ergreife die Sonne mit beiden Händen
hole mir Brandblasen auf dem Herd
die Straßen sind voller Ratten
Katzen klettern auf Bäume
ich erhalte mein Wechselgeld
aus kalten Händen
werde an den Füßen aufgehängt, außer Atem
erschieße einen Fahrkartenautomaten
jeder führt mit jedem Krieg
alles stinkt nach nassem Hund
der Gegner unterschätzt mich
dank meiner Schüchternheit
keiner hat Hunger, alle werden satt
niemand hat mehr Durst
ich lebe auf einer Insel, die Alpen heißt
in meiner Höhle bilden sich Pfützen
ich kritzel Gedichte an die Wand
eine letzte Orgie mit Drogen, Musik
und Wäscheklammern
jeder infiziert jeden
aber uns ist das egal
die Flut wäscht alles ab
schwapp…

Hinterher stellt sich heraus
es war alles nicht so schlimm
und viele haben überlebt
erleichtert wache ich auf
und werde ins Irrenhaus gebracht
der Fernseher läuft die ganze Nacht
und beim Essen schlaf ich ein
aber ich vergesse, was hinter mir liegt,
das ganze kaputte Spielzeug
die Wasserleichen in meinem Kopf
dieses kriegerische Herz im Körper
dieser Geist eines Reptils
das nie vergisst
und alles wieder träumt…
Frank P.
Nutzerkonto inaktiv
 
Beiträge: 101
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Zurück zu "Prosagedichte"



cron