Windmühlenflügel

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 822

Windmühlenflügel

Beitrag#1von NDK » 24. Nov 2006 12:54

Nichts ist, wie es scheint.
Du denkst nur so.
Nichts ist richtig oder falsch.
Du meinst nur so.

Am Horizont drehen sich die Windmühlenflügel,
als wollten sie mich verspotten.
Komm, komm, kämpfe gegen uns.
Wir werden dir helfen die Wahrheit zu finden.
Komm, komm, kämpfe gegen uns.
Wir zeigen dir, wer du wirklich bist.
Komm, kämpfe gegen uns.
Wir zertrümmern dir den Schädel.
Es wird schnell gehen, du wirst nichts spüren.
Komm, kämpfe gegen uns.
Als ich mich abwende, wandert mein Blick
zum Schreibtisch auf all die wichtigen Dinge,
für die ich kämpfen werde bis zum Schluss.
Am Horizont drehen sich die Windmühlenflügel.

Nichts ist, wie es scheint.
Du denkst nur so.
Nichts ist richtig oder falsch.
Du meinst nur so.
Zuletzt geändert von NDK am 24. Nov 2006 20:02, insgesamt 1-mal geändert.
NDK
 
Beiträge: 1154
Registriert: 11.2006
Geschlecht: weiblich

Beitrag#2von Gast » 24. Nov 2006 18:08

das Meinen wie es ist...


hast Du in einfachen Worten gut eingefangen
vor allem mit dem Blick auf den Schreibtisch..

und dann zurück

Du hast es lebendiger gemacht fassbarer
Gast
 

Beitrag#3von rosste » 24. Nov 2006 18:41

hallo ndk,
schöner aufbau, schöne bilder
Wir zeigen dir, wer du wirklich bist.
ist klasse - dann kommt:
Wir zertrümmern dir den Schädel.
- das bekomme ich nicht unter einen hut mit dem ersteren
Benutzeravatar
rosste
 
Beiträge: 681
Registriert: 11.2006
Wohnort: norwegen
Geschlecht: männlich

Beitrag#4von Melusine » 24. Nov 2006 18:57

Hallo NDK,
dein Gedicht spricht mich an. Ich bin zu wenig "Lyrikerin", um es "beurteilen" zu können, aber es sagt mir etwas, spricht mich einfach auf emotionaler Ebene an und ist für mich nachvollziehbar.
Interessant für mich auch: Ich kann mich nicht erinnern, von dir schon mal Vergleichbares gelesen zu haben, es ist viel schlichter und irgendwie härter im Stil als die Gedichte, die ich bisher von dir kenne.
Vermutlich spricht es mich gerade auch deshalb stark an. Weil ich mit Prosagedichten vielleicht einfach mehr anfangen kann als mit sehr lyrischen Texten.

Ich mag es.

Liebe Grüße
Mel
Start where you are. Use what you have. Do what you can. ~ Arthur Ashe
Benutzeravatar
Melusine
 
Beiträge: 6791
Registriert: 11.2006
Wohnort: Wien
Geschlecht: weiblich

Beitrag#5von NDK » 24. Nov 2006 19:52

Hallo Ihr drei,

Prosa/Prosalyrik war bis jetzt nicht mein Thema. Ich denke, das merkt man hier. Der Text kommt mir im Mittelteil selbst noch etwas ungelenk vor.
"Wir zertrümmern dir den Schädel." kann man vielleicht noch am ehesten nachvollziehen, wenn man mal persönlich unter einem von den Windrädern neuerer Technologie gestanden hat. ;)

Jedenfalls war mir die Grundidee wichtig - die Unsinnigkeit für oder gegen etwas zu kämpfen, obwohl man die gesamte Situation kaum "richtig" einschätzen kann, und deshalb im Grunde auch nie wirklich gewinnen kann...

Dankeschön für Eure Kommentare!

Liebe Grüße, NDK
NDK
 
Beiträge: 1154
Registriert: 11.2006
Geschlecht: weiblich

Beitrag#6von Dani » 29. Nov 2006 19:18

Hallo NDK,
ich finde gerade diese Zeilen sehr aussagekräftig, sie wirken:
Wir zertrümmern dir den Schädel.
Es wird schnell gehen, du wirst nichts spüren.

Die Bedeutung des geflügelten Wortes "Kampf gegen Windmühlen" ist ja: Lass` es sein, du wirst niemals dagegen ankommen und dich den Rest deines Lebens damit beschäftigen müssen. Du bringst es dadurch in einen anderen Kontext, nämlich in meinen Augen den, dass ein Aufgeben oder überhaupt Sehen von Windmühlen auch eine (gedankliche/gefühlsmäßige) Aufgabe bedeuten kann.
Irgendwie heißt das für mich: Relativismus ja, aber und das finde ich gut. Ja, die Realität ist Fiktion, aber es gibt Dinge, die für mich klar sind, die ich klar haben will.
Das Gedicht hat, davon abgesehen, eine klasse Melodie.
LG, Dani
Dani
 
Beiträge: 340
Registriert: 11.2006
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#7von NDK » 1. Dez 2006 12:11

Danke Dir, Dani, für diese klugen und wichtigen Gedanken.

Es gibt für alles naturgegeben Grenzen. Wenn man die nicht erkennt, verliert man sich leicht in den eigenen Illusionen. Das Aufwachen kann dann sehr unangenehm sein.
Ein Beispiel: Manchmal hört man Sprüche wie "Ein Leben lang habe ich mich aufgeopfert für eine Sache oder einen Menschen, und zum Schluss stand ich mit leeren Händen da". Wenn man rechtzeitig erkannt hat, dass man diesen leeren Hände kaum entkommen wird, einfach weil sie zum Leben dazu gehören, kann man das, was einem begegnet, wirklich wertschätzen - und zwar in dem Moment, wo es einem begegnet. Äußere Grenzen zu akzeptieren kann also auch heißen, das Wesentliche in dem zu finden, was längst vorhanden ist.

Liebe Grüße, NDK
NDK
 
Beiträge: 1154
Registriert: 11.2006
Geschlecht: weiblich

Beitrag#8von rosste » 1. Dez 2006 12:27

Äußere Grenzen zu akzeptieren kann also auch heißen, das Wesentliche in dem zu finden, was längst vorhanden ist.

- das hast du gut gesagt, ndk.
versteh auch dein gedicht inzwischen besser.
für mich entnehme ich aus deinem gedicht:
windmühlen sind nicht mein bier. hab ich doch düsenjäger in meinem kopf.
lg
Benutzeravatar
rosste
 
Beiträge: 681
Registriert: 11.2006
Wohnort: norwegen
Geschlecht: männlich

Beitrag#9von brigitte.m » 4. Dez 2006 04:21

ich finde, dies gedicht sehr stark in der aussage.
auch wegen der abwägung - nicht sinnlos kämpfen - aber für das was wichtig - da ist kampf angesagt - weil es sinn macht.

lg brigitte
Benutzeravatar
brigitte.m
 
Beiträge: 883
Registriert: 11.2006
Wohnort: nähe wolfsburg
Geschlecht: weiblich


Zurück zu "Prosagedichte"



cron