Zeit, zu sterben

vorwiegend erzählende Gedichte, bei denen es nicht unbedingt auf lyrische Verdichtung ankommt (themenunspezifisch)

AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 1369

Zeit, zu sterben

Beitrag#1von Minouche » 4. Jul 2007 20:59

Zeit, zu sterben.

Du gehst
im Schatten deiner Farben
in die Endlichkeit
dein Gesicht
durchsichtiges Porzellan
alter japanischer Teetassen
ist rissig geworden
im Gegenlicht
deiner Vergänglichkeit
deiner Hände Landkarten
sind blaue Flusslandschaften
alter bewohnter Länder
warme ruhelose Erde
unter meinen Händen
die dich streicheln
während du wanderst
mit deinen Fingern
auf der Bettdecke
in irgendein Weiß

Dein Sterben
gibt dir die Hilflosigkeit
frühester Kindheit zurück
ohne die Hoffnung auf Zukunft
und in jeder langsamen Bewegung
trauert dein Körper
um dich

Alle Zeit
ist Erinnerung geworden
und der Tod
auf deiner spitzen Nase
ist ein Vogel
dessen Schwingen
mit jedem
deiner schweren Atemzüge
wachsen
bis sie dich aushalten
und tragen
über die jenseitigen Ufer
der Flüsse
auf deinen Händen
Zuletzt geändert von Minouche am 6. Jul 2007 21:24, insgesamt 3-mal geändert.
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
Minouche
 
Beiträge: 221
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#2von nachtlichter » 5. Jul 2007 13:12

Hallo Minouche,

Du hast wunderbare Formulierungen für die Zeit vor der endgültigen Flussüberquerung
gefunden. Sie berühren meine Seele und lassen mich voller Hochachtung ganz still sein.

nachtlichter
Auch Motten schmettern links ^^
Benutzeravatar
nachtlichter
 
Beiträge: 746
Registriert: 11.2006
Wohnort: Frankfurt am Main
Geschlecht: weiblich

Beitrag#3von timo » 5. Jul 2007 15:57

Nun.
Du weißt sicherlich, das dieses auch die Form eines Gedichtes inneträgt,
muss etwas dafür ausgeweidet werden.
(der zentrierte Satzstellung, weiß mich aber von Deiner Entschiedenheit)
Aber an sich ist dieses sehr wunderbar in seinem Inhalt. Und der sprachlichen Ebene.
Möchte es auch als Term der modernen "Gedankenlyrik" zählen.
timo
 

Beitrag#4von Gast » 5. Jul 2007 19:27

Liebe Minouche,

auch mich sprechen deine Zeilen stark an. Nicht alle Bilder, die du benutzt sind neu für mich, aber in ihrer Verbindung untereinander wirken sie auf mich sehr kraftvoll und stimmig.

Die zentrierte Form deines Gedichts spricht mich allerdings nicht an. Ich bin einfach kein Freund von dieser Darstellung, ist wohl eine persönliche Sache. Ich hätte dein Gedicht in jedem Fall linksbündig geschrieben und teilweise auch andere Zeilenumbrüche gesetzt. Vielleicht hätte ich auch den genazen Text halbzeilig geschrieben...

Viele Grüße von no-name.
Gast
 

so....dankeschön und Textarbeit...;-)

Beitrag#5von Minouche » 6. Jul 2007 15:36

Hallo, Ihr Lieben!

Vielen Dank für Euer Lob und Eure Kritik!

@nachtlichter:
Ich freue mich immer wieder so sehr darüber, wenn eines meiner Gedichte oder ein Text jemanden, der ihn liest anspricht und erreicht.
Vielen Dank für dein Lob!

@timo und no-name:
Auch Euch vielen Dank für Lob und Kritik. Ich habe den Text, wie
von no-name vorgeschlagen, linksbündig gesetzt und die Zeilenumbrüche geändert. So gefällt mir alles sehr viel besser,
das Zentrierte passte wirklich nicht. Na, ja, sowas wie mit den
Zeilenumbrüchen, passiert mir im Moment, wenn ich direkt aus dem Handschriftlichen übertrage und nicht achtgebe....bin ja sonst faul und habe alles schon schön abgespeichert in meinen Dateien. ;-)

Liebe Grüße,
Minouche
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
Minouche
 
Beiträge: 221
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#6von timo » 7. Jul 2007 10:01

Also Du musst noch mal ran. Nicht an die Form, oder weniger an diese
im Zug, dass es furchtbar Schade ist. Dieses Werk nicht zu ende und
seinem Potenzial zu führen.
timo
 

Beitrag#7von Minouche » 8. Jul 2007 14:35

Hallo Timo!

Ich glaube, ich weiß, was du meinst.....

Ein wenig stecke ich in der Zwickmühle, denn ich mag es so, wie
es ist, andererseits ist nichts wichtiger als Textarbeit, wenn man
sich verbessern will.
Also werde ich mich nochmal hinsetzen und arbeiten.
Mal sehen, was dabei herauskommt.

Liebe Grüße,
Minouche
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
Minouche
 
Beiträge: 221
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#8von Gast » 8. Jul 2007 19:27

Hm, also ich sehe das nicht so wie Timo. Mir gefällt dein Text inhaltlich so, wie er hier steht. Nur die Zeilenumbrüche hätte ich anders gesetzt, bzw. weggelassen. Wie findest du es so, Minouche?

Zeit, zu sterben

Du gehst im Schatten deiner Farben
in die Endlichkeit.
Dein Gesicht wie durchsichtiges Porzellan
alter japanischer Teetassen
ist rissig geworden
im Gegenlicht deiner Vergänglichkeit.
Deiner Hände Landkarten
sind blaue Flusslandschaften
alter bewohnter Länder,
warme ruhelose Erde unter meinen Händen,
die dich streicheln,
während du wanderst mit deinen Fingern
auf der Bettdecke in irgendein Weiß.

Dein Sterben gibt dir die Hilflosigkeit
frühester Kindheit zurück,
ohne die Hoffnung auf Zukunft
und in jeder langsamen Bewegung
trauert dein Körper um dich.

Alle Zeit ist Erinnerung geworden,
und der Tod auf deiner spitzen Nase
ist ein Vogel, dessen Schwingen
mit jedem deiner schweren Atemzüge wachsen,
bis sie dich aushalten und tragen
über die jenseitigen Ufer der Flüsse
auf deinen Händen.


Ich habe die Zeilenumbrüche anders gesetzt, teilweise Bindwörter eingesetzt und die Satzzeichen eingefügt, um deinen Text zu strukturieren. Ich befürchte aber, dadurch habe ich die Aussage deines Ursprungstextes auch verfremdet.

Minouche, weißt du was - lass deinen Text so, wie er ist, denn so ist er in meinen Augen richtig gut! ;-)

Liebe Grüße von no-name.
Gast
 

schwierig.

Beitrag#9von Minouche » 13. Jul 2007 22:01

No-Name, die Form, die du vorschlägst, gefällt mir nicht.
Sie enthält m.E zu viele Bindewörter. Das Wie ist mir zuviel.
Aber immerhin. Danke schön. Das war ein Vorschlag.
Über den Zeilenumbrüchen bin ich noch.
Lass mir Zeit.

Timo.
Ich weidete aus. Ohne Gedärme sah das Ding ärmlich aus.
Über einen Anhaltspunkt würde ich mich nun doch mal freuen.

Unglücklich, doch wie immer optimistisch,
Minouche
If no one's right and no one's wrong
In between this we are learning much about evil

(Lisa Germano, My secret reason)
Minouche
 
Beiträge: 221
Registriert: 06.2007
Wohnort: Bielefeld
Geschlecht: nicht angegeben

Beitrag#10von Gast » 14. Jul 2007 19:45

Hey, kein Problem Minouche... Vorschläge sind niemals bindend,... und ich bin keinesfalls allwissend oder unfehlbar - leider! ;-)

Liebe Grüße von no-name.
Gast
 

Nächste

Zurück zu "Prosagedichte"



cron