von Sabeth am 30.Jan.12 19:25
Eine unfassbare Rohfassung. Unfertig:
Der Hund kann nichts dafür,
denkt, flüstert Imre. Die Uniform war schuld daran. Die Gräueltaten ihrer Träger. Imre haucht, wispert die Worte in die schwarz-dunkle, schweigende Finsternis. Über ihm ein Fenster, blind. Vielleicht scheint die Sonne draußen, vielleicht ist bald Frühjahr. Imre öffnet seine Augen. Als nähme die Dunkelheit zu, als wäre dies überhaupt möglich. Freudlose, schwarz-taube Finsternis.
Der 6. März 1962 war ein Dienstag gewesen. Imre sieht den frühen Morgen, die zunehmend frische Helligkeit. Sein Auto steht vor dem Haus, scheint zu warten auf ihn, wie an allen Tagen. An Sonntagen fährt Imre mit Viktor, dem Hund, in den Wald. Auch bei Schnee und Eis. Bei Sonne und Regen. Den Nebel mögen beide nicht.
An Wochentagen bleibt der Hund im Haus, im Garten. Spielt mit den Kindern. Lacht, bellt, springt um Baumstämme herum.
In Imre würgt Heimweh. Mein Herztier. Mein zweites Ich. Mein wärmeres, unversteinertes, flüstert er.
Wochen, Monate – tagelos. Entzeitlichte Zeit. Absonderung.
An die Dunkelheit hatte er sich gewöhnt. Auch an die Lautlosigkeit der Finsternis. Wenn sich die schweren Schritte der Uniform tragenden Gefängniswärter seiner Zellentür nähern, zertreten sie die stumme, dunkle Stille. Sind ein dröhnender Sprung in sie.
Die Zellentür wird aufgerissen. Taschenlampen brennen links und rechts. Imres Arme werden hochgedrückt, der Körper mitgezogen. Zitternde Schritte tasten den Weg zum täglichen Verhör.
Wenn Sie hinfallen, lassen wir Sie liegen. In Imres Oberarme bohren sich Fingernägel.
Wir kommen, brüllen die Gefängniswärter. Der Verhörraum strahlt im grellen Licht der weißen Folter. Die Folterknechte drücken Imre auf einen Stuhl nieder. Sein Oberkörper, seine Beine werden mit Lederriemen festgebunden. Schwer und leise atmet er. ...
Sabeth