Da Literarchie eine Wortkreuzung von Literatur und Hierarchie sein muss, möchte ich mein Rundum-Wichtelgeschenk entlang einer Stufenleiter austeilen, wie sie sich mir als eifrigem, aber eher stillem Beobachter des Forums in den letzten Monaten deutlich gezeigt hat. Mit dem Austeilen beginne ich natürlich ganz oben und bin mir sicher, dass für die unteren Chargen nichts mehr übrigbleiben wird – wie im richtigen Leben eben.
Unser aller Mutter – oder: The Great Administrator
Geradezu aufopfernd setzt sie sich für unser aller Wohl ein und verteidigt, wenn nötig kratzbürstig, unsern Hort gegen äussere und innere Feinde. Sie lässt sich nicht einschüchtern, von nichts und niemandem, und sorgt dafür, dass es auf Literarchie mit rechten Dingen zu und her geht. Ja, sie sorgt für eine gewisse Ordnung – ein nicht ganz einfaches Unterfangen bei all den Charakterköpfen und Querulantinnen, Wortpartisanen und Sprachterroristen.
Und eine Eigenschaft, die mich besonders beeindruckt: Trotz mehreren tausend Beiträgen auf Literarchie hat man nicht den Eindruck, als wäre sie der Nabel der Literarchie-Welt.
Gut gemacht, Mel! Und herzlichen Dank! (Das darf doch mal gesagt sein.)
Unsere
Einer der aktivsten Poeten auf Literarchie. Und wenn ich Poet schreibe, dann meine ich Poet – auch wenn seine Poesie überhaupt kein Zuckerschlecken ist und nicht runtergeht wie warme Butter, manchmal gar im Halse stecken bleibt. Nein, seine Poesie ist nichts für besinnliche Abende am Kamin. Auch in Poesiealben wird man sie kaum finden. Sie schmeichelt nicht, sie rüttelt. Sie säuselt nicht, sie schüttelt. Sie tröstet nicht, sie knüppelt.
Klar, zu Beginn musste ich mich an die derbe Sprachschöpfwut gewöhnen. Gerade einem Schöngeist fällt das nicht so leicht. Doch inzwischen bin ich versessen auf die Resten von Rotz und Erbrochenem, geklaubt vom Asphalt der Grossstadt. Inzwischen bin ich ein Anhänger unserer Blut- und Spermaschleuder. Danke für die Bescherung! (Das muss doch mal gesagt sein.)
Unsere Haustrompete
Es ist in letzter Zeit etwas ruhiger geworden um ihn – genauer: um die beiden. In Versalien trompetet, pardon: poetet er nur allzu gern in den digitalen Äther hinaus – und ist stets dezidierter Meinung. Ein unabhängiger Kopf, dem es wichtig ist, alle gegen sich zu wissen. Alles andere wäre ihm unerträglich. Ich weiss selbst nicht, warum mir dieser doppelte Hohlkörper so sehr ans Herz gewachsen ist. Schon vermisse ich ihn. Schon fehlt mir seine vernichtende Kritik, die meine Posts jeweils adelte und in den Götterhimmel der Blogosphäre katapultierte. Wo seid ihr geblieben, ihr zweifachen Steinölbehältnisse? (Das darf doch mal gefragt werden.)
Unser Haustier mit den drei Zehen
Niedliches Tierchen! Manchmal putzig und zutraulich, fast etwas kindlich und geradezu rührend. Dann widerborstig, Gift und Galle spritzend, furientaumelnd, deliriumversessen. So sind sie nun mal, die fluguntauglichen Grossvögel: unberechenbar, eigensinnig, lauffreudig. Stell dir vor, du könntest nicht fliegen! Du wärst gebunden an die Erdoberfläche wie ein Insekt, dem die Flügel ausgerissen wurden. Du wärest genau so: launisch, furientaumelnd, lauffreudig. Und Lauffreude zeichnet unsern Hausvogel aus: Wie ein Marathonläufer rennt er von Text zu Text, von Genre zu Genre – atemlos, getrieben, gnadenlos. Doch die Vielfalt begeistert. (Das darf doch mal gesagt werden.)
Unser Akustiker
Das einzige, was man nicht braucht in seiner Gegenwart: einen Ohrenschützer. Denn er ist unser lautsprachliches Aushängeschild. Muss in seinem früheren Leben Schauspieler gewesen sein. (Oder ist er es noch?) Er versteht sich ganz als Diener der akustischen Sache und lässt sich nicht von übertrieben intellektuellen und schriftstellerischen Ambitionen irre machen. Sein Ding ist das Lautliche. Er erweitert unser Forum um mindestens eine Dimension und findet hier auch reichlich Jüngerinnen und Nachahmer. Besonders bei den Nachahmern braucht es ihn manchmal dann doch wieder, den Ohrenschützer. (Das muss doch mal gesagt sein.)
Unser hauseigenes Hintergrundrauschen
Mal autistisch, mal phantastisch, mal kaum lesbar, mal penetrant, mal überraschend, mal eher peinlich: so lässt sich das Hintergrundrauschen auf Literarchie charakterisieren – und mit tausend anderen Worten mehr. Wie Sternschnuppen fallen sie vom digitalen Himmel, manche ohne Spuren zu hinterlassen; andere schlagen ein wie kiloschwere Meteoriten, wirbeln Staub auf und sinken dann wieder zurück in die Vergessenheit. Manche kommen wieder. Andere sind Eintagsfliegen, bleiben kleben an einer digitalen Gitternetzlinie und werden gelegentlich weggeputzt.
Möchte nicht sein ohne das Hintergrundrauschen, auch wenn es manchmal nervt. Denn schliesslich ist es der Beweis dafür, dass Literarchie in der Öffentlichkeit stattfindet. (Auch das soll mal gesagt sein.)
Unser Quälgeist
Mit seinem Eintreten für das Schöne, Wahre und Gute hat er etwas Unzeitgemässes, ja Altmodisches. Er quält seine Zeitgenossen mit Ethik und Moral, doch beim Anblick seiner säuerlichen Miene vergeht diesen vollends die Lust drauf. Dann doch lieber von Grund auf schlecht – mit ganzem Herzen und ohne Rücksicht auf Verlust. Schönheit? Dass ich nicht lache! Schön ist, was geil macht. Wahrheit? Schon längst den Bach runter. Wahr ist, was die Mehrheit als wahr empfindet. Denn schliesslich sind wir eine Demokratie. Und die rückwärtsgewandten Wahrheitssucher sind Nestbeschmutzer und gefährden den Fortschritt. (Nur dass das mal gesagt ist.)
Und tschüss!






