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So richtig eifersüchtig

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Beitragvon EMJu am 02.Jul.09 12:40

Sie würd gern zu ihm hingehen und ihn in die Arme nehmen, um ihn in Sicherheit zu wiegen, damit ihre Rache ihn dann um so härter trifft...

also Mel... was hast Du denn für perfide Fantasien ;-)

zurück zur Story: sich würde sich nicht rächen wollen. Eine vernünftige (Edit sagt: vernunftbegabt sind alle Menschen) Frau weiß, wann sie verloren hat. Rache macht sie nicht glücklich. Sie weiß auch, wann sie sich lächerlich macht, deswegen 'würde sie am liebsten', tut es aber nicht, sondern wartet ab.
Vielleicht kann sie ihm ja doch mehr vertrauen, als sie in diesem Augenblick glaubt. Vielleicht verhält er sich aber auch genau so, wie sie es befürchtet, dann gilt: Reisende soll man nicht aufhalten. Zeit ist einfach zu kostbar, um sie zu verschwenden.

Rache: Ich denke, Rache muss entweder richtig gelebt werden, so wie Liebe, oder man kann es gleich bleiben lassen. Wer sich rächt, muss mit allen Konsequenzen leben können. Er muss seine Energien darauf konzentrieren, eine 'perfekte Rache' auszüben, alles andere wirkt lächerlich. Darum ist Rache mindestens genauso kräfteraubend wie Liebe.
In diesem Zusammenhang fällt mir immer Edmond Dantès ein. Er verübte den perfekten Rachefelzug, verlor dabei aber auch seine Liebe. Nur, wenn man bereit ist, das in Kauf zu nehmen, sollte man sich auf Rache einlassen. Aber glücklich, so bin ich mir sicher, macht das nicht. Und ob es befriedigt wage ich zu bezweifeln.

Daher meine Prot: keine Rache. Nur Hilflosigkeit. Was in ihr vorgeht, ist eine Sache, aber sie wird Contenance bewahren. So kann sie erhobenen Hauptes aus der Sache rausgehen, und dann bleibt ihr auf alle Fälle der Respekt vor sich selbst.
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Beitragvon Melusine am 02.Jul.09 15:47

Hab ja auch nur gemeint, dass das eine Interpretationsmöglichkeit wäre. Eigentlich dachte ich eh nicht, dass du es so gemeint hast.

Ich glaub ich verstehs jetzt.

Sabine (no-name) hat vor Jahren mal einen Text über das gleiche Thema geschrieben - darin stand die Protagonistin einfach auf und ging und setzte den Kerl noch am selben Tag vor die Tür. Wirkte wie eine totale Überreaktion. Sie hat es dann so erklärt, dass die Prot. diese Situation halt schon kenne, schon mehrfach erlebt hätte; aus der Geschichte ging das aber nicht hervor.


Aus deiner Geschichte geht das durchaus hervor, allein schon aus der Formulierung "So richtig eifersüchtig bin ich eigentlich nie", die ja bereits impliziert, dass dergleichen immer wieder vorkommt.

Ich konnte mich glaub ich mit dem Schluss nicht so recht anfreunden, weil... hmm, weil ich selber einfach WÜTEND reagieren würde. Ich würd dem Kerl irgendwas übern Schädel hauen wollen. Statt dessen würd ich vielleicht rübergehen und sagen: Schatz, ich bin müde, ich geh schon mal nach Hause. Amüsiert euch noch gut. Und vergiss nicht deine Pillen zu nehmen, du weißt schon - der Doktor hat ja gesagt, falls es wirklich Tripper sein sollte, musst du die unbedingt jeden Tag pünktlich nehmen...


:mrgreen:

(DAS ist dann nicht perfide, sondern fies.)
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Beitragvon EMJu am 02.Jul.09 17:02

Statt dessen würd ich vielleicht rübergehen und sagen: Schatz, ich bin müde, ich geh schon mal nach Hause. Amüsiert euch noch gut. Und vergiss nicht deine Pillen zu nehmen, du weißt schon - der Doktor hat ja gesagt, falls es wirklich Tripper sein sollte, musst du die unbedingt jeden Tag pünktlich nehmen...

Die eigentliche Grundfrage in Beziehungen ist: vertrauen wir einander oder nicht.
Falls nein, ist so eine Reaktion nicht zielführend weil abschreckend für den Partner. Falls ja ist sie eh überflüssig.

Die Vorgeschichte dieser Geschichte ist klar: es kam dergleichen bereits vor, nämlich, als die Prot ihn sich selbst geangelt hat. Nun sagt man ja, wer sich einmal so verhalte, der tue dies immer wieder. Wir Frauen haben manchmal die Illusion, für den Angebeten etwas ganz Besonderes zu sein, also etwas, das er nicht in so einer Situation auf's Spiel setzen würde. Die Prot macht quasi gerade die Feuerprobe.
Die Frage ist: wie geht es aus?

Ich versuche, mich zu erinnern, wann ich zum letzten Mal 'so richtig eifersüchtig' war. Es war wohl etwa vor zehn, elf Jahren, auf einer Geburtstagsfeier meines Damaligen. Er hatte viele Freunde (auch weibliche) eingeladen, ich kannte keinen von ihnen und habe schrecklich gelitten, wenn er sich mal eine viertel Stunde nicht um mich gekümmert hat. Hab mich zurückgesetzt gefühlt. Nicht wichtig genommen.
Im Ergebnis bin ich wütend und traurig alleine ins Bett, doch statt mir nachzukommen feierte er noch lange weiter, und hatte sicher mehr Spaß als in der Zeit, als ich noch dabei war.
Wurde er mir deshalb untreu? Nein.
Wir waren damals noch nicht lange zusammen, ich hatte ihn zuvor auch nicht gekannt, insofern hatte ich ihn nicht einschätzen können. Aber ihn sitzenzulassen, nur weil er ein bisschen mit den Mädels geschäkert hat, damit hätte ich mir nur selbst geschadet. Ich habe den stillen Rückzug gewählt, weil ich es für das sinnvollste hielt - und rückblickend gesehen glaube ich, dass es in dieser Situation auch das beste war.

Vertrauen muss eben wachsen. Wird es gebrochen, so muss man sehen, ob man genug Basis hat, damit sich das Verzeihen lohnt. Sich aber nur aus Gekränktheit und verletzem Stolz heraus aus der Beziehung zurück zu ziehen, halte ich für einen Fehler. Der Mensch ist nicht monogam. Es ist geradezu widernatürlich, immer und zu allen Zeiten immer nur seinen Partner zu lieben. Ich kenne niemanden, dem das je gelungen wäre. Eine Beziehung, die lange genug dauert, wird auch immer irgendwann durch eine dritte Person gestört.

Alles was dann geschieht, ob man ihr verfällt oder nicht, ob man es dem Partner gesteht oder nicht, ist Stoff für viele weitere Geschichten und Diskussionen. Den Partner oder sich selbst aber auf einen Heiligensockel zu stellen und zu behaupten, dass es nie passieren würde, halte ich für weltfremd.

P.S.: die Geschichte, die Du erwähntest, habe ich auch schon gelesen und empfunden wie Du. Inspiriert wurde ich allerdings von was Anderem :)
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