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still

Beitragvon Lil am 13.Jan.12 18:40

still


du sagtest
ich schlafe
einen augenblick
der morgen sucht
vergeblich
in der stille
das lachen
weggeschlichen
aus dem leben
hast du

dich
Ich war heute im Delikatessengeschäft. Es war ein Gedicht, von Kaleko. Ich ließ es einpacken, in Gedanken.
Lil
 
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Re: still

Beitragvon hg am 13.Jan.12 22:05

Zum Inhalt: Wenn ich schlafe, höre ich nicht, dass jemand zu mir sagt, ich schlafe. Wenn ich mich wegschleiche, dann habe ich allen Grund.
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Re: still

Beitragvon Ich bin zwei Öltanks am 14.Jan.12 00:14

Jaaaaa, das darf man erfahrungsgemäß nicht allzu wörtlich nehmen.
Metapherama, weisch?!

Der Schlaf als Sinnbild für den Frieden, das unterbewußt Erkenntnislose, die Metaebene auf der Metaebene.
Der Morgen als Neuanfang, das Lachen in der Stille als in sich unmögliches Ideal, so wie der stumme Schrei oder das erwachsene Mädchen.

Der Vorgang des Wegschleichens steht für mich für eine Feigheit, das Meiden einer lösbaren Aufgabe aus Bequemlichkeit oder möglicherweise auch Angst vor der Anstrengung, vielleicht den möglichen Konsequenzen.

Schuld haben am Ende natürlich immer die andern.
DAAAAS SIND WIR VON DEN WEIBERN JA GEWOHNT!
"Persönliche Fragen stören mich nicht. Ich lüge einfach!"
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Re: still

Beitragvon hg am 14.Jan.12 09:09

Zum Kommentar: Feigheit, ich will mir das zugestehen, Feigheit, davon reden die anderen. Es könnte auch Klugheit meinen, sich von verschwitzten Lacken, die an mir hacken, darin Fangarme kalter Liebe, die mich behalten wollen. Die Stille macht mir die Seel zum Weib, was soll mich anderes kümmern. Schuld hab ich, dass ich mich auf so was eingelassen habe, ich habe keine Angst, ich bin nur konsequent. Ich fürchte mich nicht vor einem stummen Schrei, warum sagt sie mir nicht, dass sie meine Seele zu eigen will. Diese will ich mir selbst.
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Re: still

Beitragvon hg am 14.Jan.12 10:37

Zum Kommentar: In die Metaebene mag sich flüchten wer da will und kann. Worte sind Taten.

U d`Metaphysik het scho lang usdient, sie isch für wyb u ma, döt chasch alles ha, nu nid das was eus s` läbe git u will. I de Metaebene wo si zhus isch, predigt si völligi verhärteti Tabustrukture (Sextabu im Ufklärigzytalter) Unfählbarkeitsabsolutismus.
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Re: still

Beitragvon NDK am 14.Jan.12 12:43

Meine Lesart:
LyrDu ist gestorben, LyrIch flüchtet sich in einen Euphemismus: „weggeschlichen aus dem Leben hast du dich“ .. statt schlicht und ergreifend „du bist tot“.
Ob dieses "tot" wörtlich zu nehmen ist, darüber kann man streiten, muss man aber nicht.
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Re: still

Beitragvon hg am 14.Jan.12 13:19

Zum Kommentar: Ein Entflohener ist nicht gleich mausetot.: Jouez à cache, cache.
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Re: still

Beitragvon NDK am 14.Jan.12 13:38

Im Text heißt es „weggeschlichen aus dem leben

Mein erster Gedanke dazu war: Jeder Mensch hat nur ein Leben, und dieses eine Leben hat LyrDu nun hinter sich.
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Re: still

Beitragvon hg am 14.Jan.12 14:19

Zum Kommentar: Metaphysischer Totschlag und das in der Schlafstille im Morgengrauen.
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Re: still

Beitragvon Melusine am 14.Jan.12 21:27

Ich lese es so wie NDK. Zudem würde ich es so verstehen, dass damit gemeint ist:

Du sagtest: "Ich schlafe (nur) einen Augenblick".

Andernfalls müsste es doch eher heißen: "Du sagtest, ich schliefe." Abgesehen davon ergäbe das für mich aus dem Kontext keinen Sinn.
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Re: still

Beitragvon Lil am 14.Jan.12 21:45

Ursprünglich hieß dieses Gedicht "Grabstille". Jedoch reduzierte ich es auf "still", damit dem Leser mehr Freiräume für eigene Gedanken bleiben können.
Gerade deshalb liebe ich die Lyrik. Ihre Vielfältigkeit an Interpretationen.
Ihr habt es mit euren Kommentaren bewiesen. Dafür meinen herzlichen Dank.

Herzliche Grüße

Lil
Ich war heute im Delikatessengeschäft. Es war ein Gedicht, von Kaleko. Ich ließ es einpacken, in Gedanken.
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