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Un bel dì

September/Oktober 2011

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Umfrage endete 31. Okt 2011 16:49

A) Spitze! (5 Punkte)
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Un bel dì

Beitrag#1von Melusine » 11. Okt 2011 04:27

Ich stehe hinter der Bühne und spähe durch den Spalt im Vorhang. Die Menge tobt, er hat sie gut in der Hand.
„Das Rote“, hat er gesagt.
Rot steht mir nicht. Außerdem ist es viel zu tief ausgeschnitten.
Aber er duldet keinen Widerspruch.

Mein Auftritt. Fast hätte ich ihn verpasst.
„Komm!“, zischt er zwischen zusammengebissenen Zähnen.

Ich trete auf die Bühne. Er hebt den Taktstock.

Un bel dì, vedremo
levarsi un fil di fumo
sull'estremo confin del mare ...

Während ich singe, habe ich Renée Fleming vor Augen, und Maria Callas, und ich weiß, ich komme nicht an sie ran, aber ich versuche es, lege alles, alles hinein, was ich an Leidenschaft in mir habe, an Stimme, an Timbre ... für ihn.
Das rote Abendkleid wird zum Kimono, ich singe nicht die Butterfly, ich bin Butterfly.

Tienti la tua paura,
io con sicura fede l'aspetto.


Nachdem ich geendet habe, entsteht eine Pause, in der mir beinahe das Herz stehen bleibt. Dann: Rauschender Beifall.

Sein Gesicht gleicht einer Gewitterwolke.

Während ich in der Garderobe das Hurenkleid ausziehe, singe ich leise „Con onor muore“ - aber der Tod, an den ich denke, ist nicht meiner.
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Re: Un bel dì

Beitrag#2von Interessierter Gast » 24. Okt 2011 19:24

Der klassisch-kulturelle Ansatz erweist sich als interessant, aber wenig zielführend. Zum einen wird die zugegebenermaßen die Allgemeinbildung zumindest in der Theorie tangierende Oper und deren Protagonisten als bekannt vorrausgesetzt, zum anderen bleibt die Aussageabsicht in Hinblick auf die Thematik des Wettbewerbes mir persönlich leider verschlossen.

Eine Kurzgeschichte, die wie aus einem größeren, bedeutsameren Kontext herausgerissen scheint, ohne dabei Rücksicht auf notwendige Alleinstellungsmerkmale zu nehmen bzw. auf diese überhaupt Wert zu legen. So fehlt es dem Text zwar nicht an "Geist", wohl aber wird das Geistreiche schmerzlich vermißt.
Interessierter Gast
 

Re: Un bel dì

Beitrag#3von Melusine » 24. Okt 2011 23:13

Wasn das fürn scheißdoofes Pseudobildungsbürgergeschwätz.
Alleinstellungsmerkmal sagt man nicht. Das ist Loboton. :roll:
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Re: Un bel dì

Beitrag#4von Leser » 25. Okt 2011 02:04

Also ich kann weder italienisch (oder wat dat für ne Sprache ist), noch kenn ich mich mit Opern aus, - und trotzdem konnte mich der Text emotional erreichen.Und das ist für mich wichtig.

Und ich konnte in meiner Phantasie sogar eine Interpretation erkennen, in der sich die Thematik wiederfindet.Aber die behalt ich für mich :) Und auch vom "handwerklichen" gefällt es mir gut, hat Höhepunkte, sowie einen Spannungsbogen.

Vor allem der letzte Satz ist stark, und ich liebe Texte manchmal nur für einen einzigen Satz.Mag sein das ich bloß ein blöder Leser bin, dessen kultureller Hintergrund sich eher auf die Pop Kultur beschränkt, aber wenn ich mir meinen Vorkommentator so durchlese bin ich damit auch ziemlich glücklich.

Von mir gäbe es da ein B...
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Re: Un bel dì

Beitrag#5von silbergrau » 25. Okt 2011 14:37

"Emotional erreichen", wie mein Vorschreiber es formuliert hat, konnte mich der Text nur bedingt. Aber trotz mangelnder Italienischkenntnisse gefällt er mir. Vor allem der Schluss :-)
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Re: Un bel dì

Beitrag#6von Melusine » 25. Okt 2011 21:08

Danke euch beiden! :)

Noch mal zum ersten Kommentar: Selbstverständlich sind kritische Kommentare berechtigt und willkommen. Es gibt zweifellos einiges gegen den Text einzuwenden. Wenn jemand kritisiert, würde ich mir aber estens etwas mehr als allgemeines Blabla wünschen und zweitens wenn schon keinen Namen, dann wenigstens einen Nick - und wenigstens einen Schatten von Interesse am Text. Das hier ist nichts weiter als billige intellektuelle Selbstbefriedigung eines Menschen, der es offenbar bitter nötig hat, sein kaputtes Selbstwertgefühl auf Kosten Fremder aufzupolieren. (Wie ja auch unter anderen Wettbewerbsbeiträgen nachzulesen.)


Mir war bewusst, dass der Text sich vermutlich nicht für jeden Leser erschließt. Auch habe ich mir die Frage gestellt, ob er verständlich wird, wenn der Leser Puccinis "Madame Butterfly" nicht kennt. Es geht aber inhaltlich nicht um die Butterfly. Die italienischen Textpassagen müssen nicht verständlich sein, sie haben inhaltlich mit meinem Text nichts zu tun, es sind einfach die Anfangs- und Schlusszeilen einer Opernarie, sie deuten also nur etwas an. Wenn ich eine italienischen Oper höre, verstehe ich kein Wort. Ich kann ein wenig Italienisch, aber erstens ist das Opernitalienisch (poetisch usw.) und zweitens versteht man beim Hören noch weniger als beim Lesen.

Allenfalls ist der im letzten Satz zitierte Titel der Schlussarie der Butterfly ("Con onor muore") inhaltlich wichtig, aber ich wollte den Text nicht mit ungeschickten Übersetzungen überfrachten. Man kann das ja auch nachschlagen, und es genügt, zu wissen, dass es Butterflys Sterbeszene ist.

Den Vorwurf eines "klassisch-kulturellen Ansatzes" kann ich nicht nachvollziehen. Ich versuchte, ein Stimmungsbild zu schaffen. Ob mir das gelungen ist oder nicht, sei dahingestellt, aber wenn es für Leute funktioniert, die weder die Oper kennen noch den italienischen Text verstehen, dann scheint es ja nicht ganz so daneben zu liegen.

Für ein Meisterwerk halte ich es auch nicht. Es war halt ein Versuch, sich dem Thema assoziativ zu nähern.

Der Bezug zum Thema ist da, er liegt bloß nicht auf der Hand. Finde ich jetzt aber nicht schlimm, da assoziatives Schreiben ja Gegenstand der Ausschreibung war.


Was die dööfliche Bemerkung über fehlenden Geistreichtum betrifft, kann ich nur sagen: Wenn der Kommentator so geistreich wäre, wie er das von Texten fordert, die dies gar nicht sein wollen, dann wäre das recht erfreulich.

(Und eine Kurzgeschichte isses auch nicht - was ein Kenner, als der sich der Kommentator offenbar gerieren möchte, selbstverständlich wüsste.)
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Re: Un bel dì

Beitrag#7von EMJu » 29. Okt 2011 10:56

Es ist schön geschrieben. Man ist mittendrin. Kein Wort zu viel, keins zu wenig, um zu fühlen, was die Prot fühlt.
Das rote Kleid als Sinnbild der Prostitution, in die der Künstler sich begibt, um seinem Förderer zu genügen. Das Verbergen der eigenen Gefühle, das Vorspielen eines Charakters, der man eigentlich nicht ist, alles fürs Publikum, fürs Ansehen, für die Akzeptanz. Fürs Geld. Der Gewitterwolkenblick ist die fehlende Anerkennung. Man selbst freut sich ein zweites Loch in den Anus für den gelungenen Auftritt und der Förderer sieht die Zahlen, die Bilanz, denkt schon an morgen, wo man doch selbst gerade erst das Heute verdaut. Und sich freuen will, jubeln, taumeln, genießen.
Aber nicht mit dem Förderer zusammen. Da kann man hundert für werden. Oder älter.

Mir egal, ob diese Geschichte Themenbezug hat. Mich spricht sie an. In mir löst sie Bilder aus, Gefühle, Gedanken. Bei mir wirkt sie.

Ziel erreicht. Volle Punktzahl!

Beim tiefen Ausschnitt musste ich an Merkels Galakleid denken.
Malern und Dichtern war es stets erlaubt zu wagen, was immer beliebt. (Horaz)
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Re: Un bel dì

Beitrag#8von Melusine » 29. Okt 2011 17:01

Hey, wow! Deine Lesart kommt dem, was ich mir beim Schreiben dachte, sehr, sehr nahe. Das heißt, der Text scheint tatsächlich zu funktionieren, obgleich er nur eine knappe Skizze ist. Das freut mich! Und wie mich das freut!
:karl_dance:
Klar funktioniert's nicht für jeden. Das macht auch nichts. Muss es nicht.
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Re: Un bel dì

Beitrag#9von Moritz » 28. Dez 2011 13:36

Bei mir brennt nach dem Lesen das Wort Hurenkleid nach. Mir gefällt dieses Wort. Jetzt fehlt mir noch die Wirklichkeit dazu. Oper ist aber nix für mich, zu dramatisch. Kann die Protagonistin nicht erneut in einer Erzählung auftauchen, wo sie ebenfalls ein Kleid trägt, aber diesmal in anderer Mission: "Ich zeige dir mein schönstes Kleid", (so in der Richtung). Ein Schwarzes, mit ganz viel kleinen Blumen drauf. Bunte Blümchen.

Moritz, modisch interessiert
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Re: Un bel dì

Beitrag#10von Melusine » 28. Dez 2011 23:01

Hm, mit Hurenkleid meinte ich ungefähr sowas wie dasda:
http://members.aon.at/ppavlovi/Rotes%20Kleid.htm
Nur halt untenrum länger, da es ein Abendkleid ist.

Es spielt aber eigentlich gar keine Rolle, ob es tatsächlich obszön tief ausgeschnitten ist. Die Protagonistin empfindet es so und fühlt sich darin nicht wohl - darum geht es. - Ähm ... ein Kleines Schwarzes mit putzigem Blümchenmuster wär aber auch nicht so ganz das Wahre, fürchte ich. ;)
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