eine kleine geschichte meiner verluste bis zur ersten liebe

Juli/August 2010

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eine kleine geschichte meiner verluste bis zur ersten liebe

Beitrag#1von bonanzamargot (Gast) » 23. Jul 2010 15:03

das erste, was ich verlor, war ein pobel mittlerer göße, gemessen an meiner damals noch kleinen nase. den zweiten verlust, an den ich mich erinnere, war ein matchboxauto, welches ich in der sandkiste einfach nicht wiederfinden konnte.
die tage vergingen, und ich wurde mir selbst immer bewusster. da wurde mir klar, dass man auch einfach die zeit verlieren konnte. mir wurden verlierer-charaktere sympathisch: donald duck, das türkenkind, das in der letzten bank saß und georg, der als asozial galt. ich selbst verlor außer der zeit nur ab und zu schreibstifte, spielzeug, steinschleudern und quaulquappen. dann verlor ich auch den ein oder anderen freund, weil ich ins gymnasium kam, oder weil die eltern wegzogen, oder weil meine eltern krach mit den eltern meines freundes kriegten. außerdem verlor ich auf den schulbänken eine unmenge von schuppen - keine ahnung, warum ich damals so fettige haare hatte. einmal durchgekämmt, und ich sah ein ganzes schuppenuniversum langsam herab rieseln. es war fast so faszinierend anzusehen wie der sternenhimmel, oder mein mutter, wenn sie nackt durch die wohnung rannte.
irgendwo zwischendrin verlor ich die wahrheit. ich ertappte mich bei meiner ersten lüge. die erste lüge war wie mein erster kuss, aber das wusste ich damals noch nicht. es war irgendwie so einfach, und dann trieb es mir die schamesröte ins gesicht. ich lernte, dass man ohne lügen unmöglich leben konnte. das leben bestand aber nicht nur aus verlust sondern auch aus gewinn: ich wuchs! ich wuchs ständig, und ich bekam da und dort haare, wo vorher keine waren.
ich kam in die pubertät und gehörte ein paar jahre lang auch zu den verlierern in der letzten bank, also die, die beim fussball immer zuletzt gewählt werden. unsere lehrer fanden uns häßlich, faul und dumm. es war eine schwere zeit. statt goethes faust verschlang ich immer noch waltdisneys lustige taschenbücher. dazu aß ich cornflakes.
es kam so weit, dass ich dadurch ein ganzes schuljahr verlor. inzwischen war ich vierzehn. ich wiederholte die neunte klasse und begegnete meiner ersten großen liebe, martina. ich lernte, dass ein verlust einen viel größeren gewinn hervor zaubern kann, jedenfalls für eine weile. in meinem fall dauerte die weile immerhin zwei jahre, und ich fühlte mich gar nicht mehr als verlierer gegenüber meinen mitschülern, die noch auf ihren ersten stich warten mussten. ich glaube, einige warten noch heute.
all meine spielsachen entsorgte ich auf dem dachboden, und ich fing an, platten zu sammeln. der verlust meiner tausendmannstarken armee samt panzern und kampfflugzeugen tat überhaupt nicht weh. endlich konnte ich praktizieren, was ich beim betrachten der pornos meines älteren bruders bereits geistig vorweggenommen hatte. Im nochzarten alter von fünfzehn verlor ich meine unschuld. bald darauf verlor ich auch martina. aber, wie bereits gelernt, ruft jeder verlust etwas neues auf den plan: ich versuchte meinen liebesschmerz zu ertränken ...
bonanzamargot (Gast)
 

Beitrag#2von Gast » 23. Jul 2010 16:38

Unschuld und Tausendmannstarkearmee verlieren, schön und gut!
Aber, wie kann man quaulquappen verlieren?
Ist man denn nicht erst froh, überhaupt mal welche gefunden zu haben?

Und was genau ist das eigentlich? Ich kenne nur das Verb! Ich quaulquappe, du quaulquappest, wir quaulquappen! Außerdem das Adjektiv, total verquaulquappt!
Gast
 

Beitrag#3von Ich bin zwei Öltanks » 23. Jul 2010 17:10

Babyfrosch!

BA-BY-FROSCH!

So süüüüüüüüüüüüß ....
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Beitrag#4von boa nanza mein gott » 23. Jul 2010 17:12

hab ichs falsch geschrieben aus dem handgelenk geschüttelt, gast, dann lass mich nicht dumm sterben. ich will will will nicht immer googeln. deutsche gründlichkeit wurde mir zwar anerzogen, aber gott sei dank wirkt scheinbar ein gen in mir dagegen.
quaulquappen springen einem tatsächlich nicht zu. die haben ja noch keine füße. aber wenn man sie mal im plastikbeutel hat hat, dann hat man sie. und dann kann man sie auch verlieren, z.b. beim nachhausetransportieren, wenn das wasser überschwappt.
ach ja, eine quaulquappe ist sowas wie ein frosch- oder krötenbaby. du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viele ich von diesen kleinen quappligen dingern ich damals mit dem größten vergnügen fing ...
boa nanza mein gott
 

Beitrag#5von Gabi » 23. Jul 2010 17:28

Ich sag mal, das kannst du besser, aber schön, dich zu sehen :)
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Beitrag#6von Ich bin zwei Öltanks » 23. Jul 2010 17:30

Ich find den Text ganz knuffig.

Dein Schreibstil ist und war wahrscheinlich immer ein zuverlässiger Dosenöffner.
Diese recht unterhaltsame Mischung aus "Ich bin coool" und "Ich hatte es nicht leicht im Leben" ... kannte mal einen, der hatte das auch gut drauf. Er hat sich nur nicht damit aufgehalten, es niederzuschreiben ... zwei Bier, Anwesenheit von Weiblichekit ... und schon ginget los ... genau in diesem Stil ... stundenlang ... wenn er dann gegen Mitternacht, von spontan erdachten, bittersüßen bis pechschwarzen Pointen begleitet seine Narben am Handgelenk im Schummerlicht präsentierte ... da lag keine 30 Minuten später weit über 70% der leichter zu beeindruckenden Sorte aber ma sowas von Ruckzuck aufm Rücken ...

naja, ich nehme mal an, du weißt, was ich meine.
Und wenn nicht ... tja ... Talent alleine is eben nich alles. :mrgreen:
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Beitrag#7von Ich bin zwei Öltanks » 23. Jul 2010 17:35

"Gabi" ... registriert seit 2006 ... 3 Beiträge ...

ein bon-Groupie???

...

:twisted:

...
Hallo, Schätzelein. Darf ich dich zu einem Pflaumensaft einladen?
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Beitrag#8von bonanzamargot » 23. Jul 2010 18:00

ne, öli, ich weiß nicht, was du meinst.
mit dosenöffnern stehe ich auf kriegsfuß. mir sind die dosen am liebsten, für die man keinen extra öffner bemühen muss.
ich stelle mich viel zu ungeschickt an. beim schreiben auch. aber manchmal wird es als charme gewertet ...

hallo gabi! was für ein zufall, dich hier zu treffen!!! klar, kann ich es besser. das weißt du doch!
doch da ist diese linke fuß rechte fuß sache, und dann ist es auch schon zu spät ...
bonanzamargot
 

Beitrag#9von Ich bin zwei Öltanks » 23. Jul 2010 18:18

aber manchmal wird es als charme gewertet ...


:lol:
Auch sehr wichtig fürs kompetente Entkorken ... immer im richtigen Moment Bescheidenheit walten lassen.

Aber nun ... wie auch immer ...
Alles klar ... hab dich wohl falsch eingeschätzt ... mein Fehler. :eusa_whistle:
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Beitrag#10von bonanzamargot » 23. Jul 2010 18:31

öli, alles klar mit dir? ich wollte dich nicht irritieren. ich meine, es gibt so so viele schöne sachen, die man im leben machen kann außer frauen und schreiben. man muss sich da nicht gleich behindert oder beleidigt fühlen. ehrlich, ich hatte viele jahre in meinem leben, wo ich nur rumstotterte, und frauen machten eine großen bogen um mich. ich kann dir nicht mal sagen, warum es sich dann änderte. mit sicherheit lag es nicht an dosenöfnern. und es lag auch nicht daran, dass ich zu einer anderen persönlichkeit mutierte. ich vermute, dass es einfach am alter liegt und an den grauen strähnchen. vatergefühle und so. ich hab ja mal psychologie studiert und weiß, wie die jungen, hübschen studentinnen ihre profs anhimmeln. da kann man aussehen wie ... wie ... stefan raab oder jackie daniels oder martin feldman.
wie wäre es mit bungee springen, öli, je nachdem wie lange das seil ist, ist der effekt sogar länger als bei deinem letzten liebesakt. aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!
gut gemacht, baby. ich mag dich ja irgendwie, obwohl ich dich irgendwie auch nicht mag.
wir lernen uns bestimmt mal auf einer anderen ebene kennen ..., und dann ist alles gut!
bonanzamargot
 

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