Verloren?

Juli/August 2010

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Verloren?

Beitrag#1von Dichter-Trichter » 23. Jul 2010 12:59

Verloren?

Er sah noch mal in den Spiegel. Sie würde ihn in etwa sechs Minuten abholen. Verdammt scharfes Luder. Sie waren sich zum ersten Mal am Freitagabend beim Schorsch begegnet.
Und Harry hatte es sofort erkannt. Dass diese Chris eine „ganz Scharfe“ wäre.

Ob er sie zum Hütterl begleiten wolle, hatte sie ihn gefragt und Harry hatte zunächst an eine gehobene Gastronomie gedacht und an ein gemeinsames Mittagsmal.
Doch das Hütterl hatte sich dann als „die“ Sport-Edelboutique in Klosters heraus gestellt, wo es beinahe die gleichen Klamotten gab, wie zu Hause beim Scheck am Stachus. Nur halt doppelt so teuer.
Chris hatte dann auch noch gemeint, dass das Hütterl ein Geheimtipp wäre.

Nun gut, da es hier in Davos halt ein wenig teurer war als in München, ließ nunmal die Börse ein wenig schmaler werden. Aber die Chris hatte dann ja –gottseidank-, selber die Kreditkarte gezückt und mit einer Bemerkung über ihren Mann Joe, irgend so ein Bankbubi in Frankfurt, gemeint, dass es diesem ganz recht geschehe. Schließlich war es ja dessen Idee, dass sie mal alleine nach ihrem Chalet in den Bergen schauen solle.
Bei der augenblicklichen Bankenkrise müsse er halt gute Miene zum schlechten Spiel machen und es könne ganz gut sein, dass ja die Angela in Berlin zum Meeting rufe.

Trotz ihres schon fortgeschritteneren Alters, machte Chris auf den Bretteln noch eine verdammt gute Figur und wenn die Saison doch noch ein bisschen mehr Schnee bringen würde und die Chris nicht schon wieder zu zeitig heimfuhr, könnte er noch ein bisschen an ihrem „Fahrstil feilen“.

Das Telefon riss ihn aus den Betrachtungen zurück in die Gegenwart.
„Herr von Bergwitz, hier an der Rezeption steht eine Dame die mit ihnen verabredet sein möchte, ich übergebe den Hörer.“
Die Stimme der Empfangsdame hatte nach seiner Meinung einen etwas zu spitzen Klang angenommen, bei diesen Worten. Er müsse mal mit dieser Ulla ein ernstes Wort plaudern. Ganz in Freundschaft, versteht sich.

„Harry, kommst du? Ich warte schon seit fünf Minuten hier unten.“ Ein Blick aus dem Fenster überzeugte Harry dann davon, dass ihr dunkelblauer Porsche dort unten stand. Warum hatte sie eigentlich nicht, anstatt der Rezeption, das Handy benutzt?
Das Paar neuer Schier in den Händen, hatte Harry das Schidepot verlassen und war direkt zum Wagen gegangen und begann damit, die Bretter auf dem Träger zu verstauen.
„Fährst du, Liebling?“
Chris hatte vom Beifahrersitz aus, das rechte Fenster geöffnet, mit den Schlüsseln aus dem Autoinneren heraus gewunken.

Er hatte gerade den Schlüssel in das Zündschloss gesteckt, als die Chris sich zu ihm herüberbeugte, ihn auf die Wange küsste und ganz geheimnissvoll tat. Sie hatte einfach seinen linken Ärmel hochgeschoben und die Spange seiner Stahlbreitling geöffnet.

“Mach bitte die Augen zu, Liebling. Nicht linsen, versprich bitte, dass du nicht linst.“
Er merkte natürlich, dass sie ihn um seine Uhr erleichtert hatte. Um ihr nicht den Spaß zu verderben, hatte er die Augen geschlossen gehalten.

Als sie, nachdem sie ein paarmal von der Bergstation Jakobshorn talwärts abgefahren waren, dann in der kleinen Schihütte bei einem Glas Glühwein saßen, nahm er die Chris in beide Arme und drückte sie ganz herzlich.
„Wie konntest du nur wissen, Liebling?“
„Stahl schickt sich nicht, Harry. Gold passt viel besser zu dir, Liebling!“ Und die Chris hatte so ein Leuchten in den Augen.
“Du bist dir ganz sicher, dass das Gold ist, Christiane? Sowas gibt es bei uns normalerweise beim hütchenspielenden Albaner auf dem Stachusplatz, für dreißig Euro.“

Er hatte Chris glücklich angelacht, bei diesen als Scherz gemeinten Worten und es war nun an ihr, ihn ganz feste an sich zu drücken.
„Deinen Freund, den Albaner, solltest du mir mal vorstellen, vielleicht kann man ja in sein Business einsteigen. Leute kennst du?“
Ihr Parfum war nun einen Deut zu aufdringlich.
Er hatte ihr zärtlich über die Haare gestreichelt. Chris, eine Mittfünfzigerin, hatte sehr kurz geschnittenes Haar, dessen Blondton in einem reizvollen Kontrast zu ihrer Bräune stand.
Sie erinnerte ihn ein wenig an die Liselotte Pulver, in die er sich schon als er ein Knirps von etwa zehn Jahren war, nach einem Kinobesuch mit seiner Mutter unsterblich verliebt hatte. Und später waren es immer solche Lilo-Pulver-Typen, die ihn magisch anzogen.
Und Frauen wurden dann zu seinem Hobby, als er merkte, dass auch er eine scheinbar unerklärliche Anziehungskraft auf die holde Weiblichkeit ausübte. Auch nicht nur auf diese Pulvertypen.

Nach dem Besuch im Kirchner-Museum am nächsten Tag, wo nach Chris Erklärung, die wohl größte Sammlung des Genies des Expressionismus herumhing, waren beide noch mal zum Schorsch hinein, auf einen Absacker und Chris hatte ihm dann, seine Hände ganz fest haltend, erklärt, dass sie morgen ganz früh nach Liechtenstein müsse. Sie würde kurz mit dem Heli rüber und wäre dann am frühen Abend wieder da.
“Soll ich dich begleiten, Schatz?“
Chris hatte ihm dann mit einem tröstenden Dackelblick erklärt, dass es wohl besser sei, wenn sie nicht in Männlicher Begleitung dort gesehen würde.
„Schatz, lass mal, der Joe hat überall seine Kontaktleute.“

Harry hatte es schließlich eingesehen. Ihre Augen hatten noch mehr geleuchtet als die von der Pulver, damals.

*

„Herr Bergwitz, vermute ich.“
Der Mann im Trenchcoat hatte schon im Hotel gewartet und war aufgestanden als Harry den Rezeptionisten, der die Ulla heute vertrat, um den Zimmerschlüssel bat.
Harry hatte in ihm sofort den Bullen erkannt. Solche erkannte man einfach, wenn man Harrys Biographie hatte.
„Von, …von Bergwitz, wenn ich bitten darf.“
“Ach ja, Herr von Bergwitz, sie sind ja erst kürzlich von „Freiin Fräulein Hildegunde von Bergwitz“ liebenswürdigerweise adoptiert worden. Darf man fragen, wie es der alten Dame geht? War ja schon ewig nicht mehr da, wenn sie überhaupt schon mal hier in Davos war.“ Der Bulle lächelte säuertöpfisch.
“Was erlauben sie sich? Darf man fragen, was sie von mir wollen? Entschuldigung, ich hatte ihren wehrten Namen wohl nicht verstanden.“
Der Rezeptionist blätterte angestrengt im Anmeldebuch, doch Harry hätte jeden Betrag gewettet, dass dem nicht ein Wort des Gespräches entgangen war.

Der Bulle zeigte einen Ausweis und ohne sich diesen genau anzuschauen, wusste Harry genau, was die Stunde geschlagen hatte.
„Marc Federspiel, Kripo Chur, meinen Namen hatte ich doch noch gar nicht genannt, Herr von Bergwitz. Sollen wir nicht besser in ihrem Salon weiterreden, oder wollen sie uns begleiten. Eine schöne Uhr haben sie da. Sehr schöne Uhr, Herr von Bergwitz. Ich habe hier eine nicht ganz so kostbare.“
Und Federspiel zeigte ihm eine, die seiner Stählernen aufs Haar glich.

*

„Wie bist du denn hier gelandet? Bei mir war`s der Suff!“ Der Kerl hatte bei seinem Eintritt zunächst auf das leere obere Bett gezeigt und Harry hatte auch nicht all zuviel Lust auf einen Dialog mit `nem Knacki, auch wenn’s nur, wie er selber, ein Untersuchungshäftling war.
Er hatte sein Bett mit den vom Kammerbullen geholten Decken und Bettbezügen gemacht und sich einfach hingelegt, ohne sich schon beruhigt zu haben. Die hatten ihn doch einfach ins Loch gesteckt und er konnte nur hoffen, dass Chris bald wieder auftauchte. Die könne der Polizei ja alles erklären und bestätigen, dass sie es war, der er diese Uhr verdankte.
„Hast du jemanden gekillt, Alter? Jemand der so aussieht, wie du, ist entweder Heiratsschwindler oder ein ganz geheimer Killer!“

Harry hätte seinem neuen Knastkumpan am liebsten eine rein gehauen, aber bei dessen Körpergewicht, verbot sich das von selber.

Verdammt, diese Scheiß-Rolex! Die Bullen sagten doch glatt, die hätte vorher dem Bankbubi gehört, der heute früh in dem Chalet mausetot von der Zugehfrau gefunden wurde.
Klar waren Rolex, wie alle diese Edelzwiebeln aus der Schweiz, registriert, aber was war mit Chris, warum klärte die nicht endlich alles auf?

Diese Schnepfe Ulla hatte die Dame mit dem Porsche doch auch ganz genau beschrieben, aber den Namen wusste sie angeblich nicht und die Bullen sagten dann, eine Christiane Bellinger wäre in Bad Homburg gar nicht gemeldet.

Und wie seine Scheiß-Fake-Breitling in dieses verdammte Chalet gekommen war, konnte er auch nicht glaubhaft erklären. Wie denn auch? Er war doch noch nie dort gewesen.
Das Eisen von nem Golfer hatte dem Banktrottel wohl das Licht ausgepustet?
Verdammt, Harry hasste doch dieses Golfgetue wie die Pest!

Das Glas mit seinen Fingerabdrücken muss auch von irgendjemand dort platziert worden sein. Diese verdammte Chris musste ihn in eine Falle gelockt haben. Ganz bestimmt sogar!

„Alter, wie`n Killer siehs`te nich aus, da schon eher Giggollo oder Heiratschwindler. Aber was weiß denn ich. Geht mich auch alles gar nix an.“
Der Knacki hatte laut gerülpst und ihm auf der Schlafbank den Rücken zugekehrt.

Harry musste daran denken, dass er nun schon so lange von Davos geträumt hatte. Er war immer sehr gerne da, wo `s am schönsten war. Aber hier in Davos im Knast?

(DT)
Dichter-Trichter
 

Beitrag#2von Literarchie » 24. Jul 2010 13:06

Da der Autor auf Kritik mit persönlichen Beleidigungen reagiert, wird dieser Beitrag für Kommentare geschlossen.


/edit 27.7.:
Nach Änderung der Gastrechte, für die sich alle beim Autor dieses Beitrags (der seine Beleidigungen im Gästeforum fortsetzte) bedanken dürfen, wird der Beitrag wieder für Kommentare geöffnet.
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Beitrag#3von Der Ohrenschützer » 28. Jul 2010 21:45

Beleidigungen haben hier nichts... na?

Richtig: Verloren.
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